lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
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Werners Blog

Aberglaube

 
Gerade lese ich, dass der Arbeitsminister der Bundesregierung ein 13. Sozialgesetzbuch plant. Es soll die Nr. 14 tragen, weil die 13 eine Unglückszahl ist. Das ist rücksichtsvoll von Herrn Heil. Dieses Unbehagen ist auch im Digitalzeitalter weit verbreitet. Wer hat noch nicht ein Hotelzimmer mit der Nr. 12a gefunden?
 
Und das Thema „Schwarze Katze“ ist auch in vieler Munde.
 
Da wundern wir uns nicht über Aberglauben im Mittelalter.
 
4095Maria.Cosmedin.Rom.800B „Mund der Wahrheit“ vor Santa Maria in Cosmedin, Rom.
 
Die riesige Marmorscheibe soll mehr als 2000 Jahre alt sein. Seit dem Mittelalter glaubt man, dass der „Mund“ zwischen Wahrheit und Unwahrheit unterscheiden kann. Im letzteren Fall schnappt  er zu. – Diese junge Frau kam unbeschadet davon.
 
 
Die selbe Dame wurde beobachtet, als sie in Córdobar der Statue des berühmten jüdischen Gelehrten Maimonides (12. Jh.) die Hand auf den schon strapazierten linken Fuß legt. Ob ein wenig Weisheit überging?
 
 
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Bleiben wir zu Hause: In Köln wird erzählt, dass im Mittelalter die simple Berührung der Statue des Hl. Christopherus im Dom das Überleben für diesen Tag sicherte.
 
Ähnliche „Angebote“ sind häufig im mittelalterlichen Europa.




Zum Neuen Jahr

 
 
 
Ich danke allen Besuchern für ihr Interesse an dieser Seite und wünsche  Ihnen für 2019 Freude, Gesundheit und Erfolg.
 
 
 
Ihr Werner Nolte
 




Poesie in Stein

 
Seite an Seite ruhend, so findet der Erzengel Gabriel die drei Könige aus dem Morgenland.
 
Der nackte Arm eines der Schläfer ruht auf der prächtigen Decke. Leise berührt Gabriels rechter Zeigefinger den kleinen Finger des Königs, während seine Linke auf den Stern von Bethlehem weist, das Ziel der bevorstehenden Reise. Der König öffnet die Augen.
 
Träumende könige.bearbeitet
 
Dies ist eines der beeindruckendsten Kapitelle in der Kirche St. Lazare in Autun (Burgund), geschaffen von Gislebertus schon im 12. Jh..
 
 
Erstaunlich das Heraustreten aus der Anonymität zu diesem frühen Zeitpunkt, zumal, wenn der Name wirklich den Künstler und nicht den Auftrageber bezeichnen sollte.
 
Neben der meisterlichen Inszenierung des Geschehens auf kleinstem Raum, beeindruckt das Werk durch die berührende Visualisierung der Handlung. Der Betrachter meint zu spüren, wie Haut Haut berührt, sanft aber doch bestimmt.
 
 
 
 
Ich wünsche allen Besuchern eine schöne Adventszeit und ein frohes und gesundes Weihnachtsfest.




Ruhen in Ravenna

 
Vor kurzem stieß ich auf eine Fotoserie über spätantike Bauten in Ravenna und war wieder fasziniert von den Grabmälern zweier großer historischer Persönlichkeiten und dem spannenden Gegensatz in Architektur und Ausstattung der Bauwerke, die in einer Zeitdifferenz von etwa 70 Jahren errichtet wurden.
 
 
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Da ist zunächst das Grabmal der weniger bekannten römischen Kaiserin Galla Placidia. Zu Anfang des 5. Jh. erstand ein unauffälliger Backsteinbau auf dem Grundriss eines griechischen Kreuzes. Über den Satteldächern der 4 niedrigen Arme erhebt sich ein gedrungener Turm, der die Hängekuppel birgt.
 
 
 
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Innen vergisst der Besucher das unscheinbare Äußere. In weihevoller Dämmerung umgibt ihn die Pracht des 1500 Jahre alten Mosaikschmucks mit dem großartigen blau-goldenen Sternenhimmel der Kuppel.
 
 
 
Ganz anders der zweigeschossige Zentralbau des berühmten Gotenkönigs Theoderich aus dem Beginn des 6. Jh.
 
 
 
Sorgfältig behauene Großquader aus Kalkstein, mörtellos gesetzt, türmen sich auf 10-eckigem Grundriss bis zu 16 m Höhe empor. Gekrönt ist das Obergeschoss von einem ca. 300 Tonnen schweren Dachmonolith. Anfertigung in Istrien, Transport und Montage sind Glanzleistungen spätantiker Ingenieurskunst.
 
 
 
 
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Das Äußere übertrumpft eindeutig das Mausoleum der Kaiserin. Innen aber ist der Bau schmucklos. Eine Porphyrwanne im Obergeschoss wurde erst im 20. Jh. aufgestellt.
 
 
Die Erbauer beider Grablegen sind nicht in ihnen bestattet. Forscher vermuten Galla Placidias Grab in Rom.
 
 
Leichnam und Sarkopharg des arianischen Gotenkönigs fielen religiöser Intoleranz zum Opfer. Nach der Eroberung des Gotenreiches tilgten die Katholiken alle Andenken an die Häretiker.




Gold am Giebel

 
Spätestens seit dem 16. Jh. glühten am Ostgiebel des Münsters zu Konstanz vier wagenradgroße goldene Scheiben, für die Schiffer auf dem Bodensee von weit her sichtbar.
 
Die größte Scheibe mit einem Durchmesser von fast 2 m wurde im 11. Jh. geschaffen. Dargestellt wird Christus als Pantokrator, begleitet von zwei Engeln.
 
 
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 Christus-Scheibe
Foto: Konstantin Köhler
 
 
Die anderen drei Scheiben sind im Durchmesser nur etwa halb so groß und sollen Werke verschiedener anonymer Meister sein. Zwei zeigen Brustbilder der Münsterpatrone Pelagius und Konrad, die Dritte einen plastisch gearbeiteten Adler, das Symbol des Evangelisten Johannes.
 
 
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Adler Scheibe
Foto: Konstantin Köhler
 
Nach ihrer Restaurierung in 1973 wurden die Kunstwerke in der Krypta (um 900 erbaut) des Münsters aufgestellt. Den Ostgiebel zieren nun Kopien.
 




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