lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
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Roman

Schicksal Altai - Im Schatten von Hermannsdenkmal und Gora Belucha

 
 
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Die ersten Rezensionen sind bei Amazon erschienen.
Leser finden das Buch spannend bis gar schlafraubend, loben die detailgenaue Beschreibung des Lebens unter dem Nazi-Regime und die umfassende Recherche.
 
 
 
Ab und zu werden zwei nahe liegende Fragen gestellt:
 
„Was bringt einen Autor im 21. Jh. dazu, fiktiv über das Leben nach dem Sieg Nazi-Deutschlands zu schreiben“?
 
Und: „Was hat das Altai-Gebirge damit zu tun?“
 
 
 
Die Antworten:
 
Über Jahrzehnte haben mich Kindheitserinnerungen aus der NS-Zeit nicht los gelassen.
 
Zum einen die immer wieder gehörten Worte meiner Oma,
„Wenn Hitler den Krieg gewinnt, gehen wir alle nach Sibirien“. 
 
Ich verstand das nicht, wurde uns der Glaube an den „Endsieg“ doch überall und immer eingebläut.
 
Später begriff ich, dass meine Familie zu den Unzuverlässigen zählte, den nicht „Linientreuen“, die Witze rissen über die „Goldfasanen“ und den „Gröfaz“, die schon mal vergaßen, die Hakenkreuzfahne zu hissen und bei der Schweineschlachtung mogelten.
 
Die Voraussage meiner Großmutter war mehr als berechtigt.
 
 
Dann war da die Lektüre eines Buches über das riesige Altaigebirge. Die Beschreibung der Berge, Gletscher, Seen und der unendlichen Taiga prägten sich tief ein.
 
So versuchte ich, beides zu einem Roman zu verarbeiten. Es hat Jahrzehnte gedauert, ehe ich begann. Die Vorstellung eines Nazi-Sieges war zu fürchterlich. Doch dann erschienen immer mehr Bücher zu diesem Thema, und ich fand den Mut, mein Buch zu veröffentlichen.
 
Ich war froh über die Gelegenheit, einige der Nazi-Verbrechen zu thematisieren, wie die Massenmorde an Zivilisten hinter den Linien und die verbrecherischen Folgen der Ideologie der „Rassereinheit“ am Beispiel von Anna, einer 17-jährigen russischen Zwangsarbeiterin.
 
Schließlich ist ein Roman entstanden, in dem historische Fiktion vermengt ist mit einer Zeitzeugenbeschreibung des Lebens in meiner Heimat Lippe zu Zeiten des „Totalen Krieges“.
 
 
 
 
 
 
 
Leser schätzen auch die Vielschichtigkeit des Buches: Historische Fiktion, Agententhriller, Erotik, Verbrechen der Nazis, wie z.B. Reinhaltung der Rasse, das Altai-Gebirge, Heimatgeschichte und manches mehr. Unten einige Lesebeispiele.
 
 
 
Altai von oben
 
Situation:
Der kommandierende General Kurzbauer auf Inspektionreise.
 
   Gehorsam springt der Argus AS-10-Motor an. Der hölzerne 2-Blatt-Propeller beginnt sich zu drehen, bis er sich schließlich in einem schwirrenden Kreis auflöst. Schnee wirbelt hoch. 240 PS brummen beruhigend. Die Auspuffrohre verschmutzen mit blau-schwarzen Abgasen den Schnee. Leises Vibrieren geht durch den Flieger.
 
 
   Vater schiebt den Gashebel weiter vor, löst die Parkbremse. Die Kufen des Hauptfahrwerks gleiten über den Schnee. Der Feldwebel drückt sanft den Steuerknüppel nach vorn. Das Spornrad löst sich vom Boden, die Nase senkt sich und gewährt ihm freie Sicht auf die „Startbahn“. Schneller und schneller wird der Vogel, bis Vater den Knüppel zu sich heran zieht und sich die Maschine unglaublich früh vom Boden löst. Der Storch ist gestartet.
 
 
   In flachem Steigflug geht er auf Südost-Kurs und überfliegt die in den Schnee geduckten Hütten des Weilers Rybalka zur Rechten.
 
 
   Kurzbauer hat seine Karte auf den Knien und orientiert sich. Ungeduldig sieht er hinunter zum vereisten Fluß. Blaue Schatten liegen über großen Teilen der Landschaft. Über den schon von der Sonne gestreichelten Wiesen und Wäldern des Westufers hängen zarte Dunstschwaden. Die Inseln im Flussbett werden kaum kleiner.
 
 
   Sie überfliegen jetzt die erste mit kleinen Inseln bestückte große Flusskehre. Der Katun ändert hier seinen Nordost-Kurs brüsk nach Nordwest. Am Ostufer zieht sich, gesäumt von Waldstreifen, das Band der M 52 durch eine Schwemmebene. Jenseits des Flusses erhebt sich das bewaldete Prallufer. Landeinwärts die Eisfläche eines kleinen Sees. Dies ist Mittelgebirgslandschaft. Ein reizvolles Urlaubsparadies, aber nicht zu vergleichen mit dem majestätischen Hochgebirge im Süden.
 
 
   Vater folgt dem Flusslauf. Das hier weite Bett liegt zwischen flachen Ufern. Das Westliche ist bewaldet. Darüber weitet sich eine hügelige kahle Hochfläche, tief verschneit. Die Morgensonne zaubert lange Schatten im Westen kleiner Hügel. Am Beginn einer kurzen Geraden überfliegen sie das Dörfchen Sousga, von der M 52 durchschnitten. Der General stutzt, greift zum Glas. Eine einsame Gestalt führt eine Kuh am Strick durch den Schnee entlang der einzigen befestigten Straße des Altai. Die Person bleibt stehen, legt eine Hand über die Augen und sieht hoch. Was mag sie denken?
 
 
   Kurzbauer sieht wieder hinunter. Hier wird die Landschaft wilder. Wieder wird der Fluss in der Biegung von zahlreichen Inseln in seinem Lauf behindert.
 
 

    Das müssen reißende Stromschnellen sein im Sommer’, denkt er.

 

   Wald auf beiden Ufern. Voraus, vor der nächsten Biegung macht er auf einer flachen Terrasse zur Linken das Dörfchen Manzherok aus, mit dem ersten Kontroll-Posten der 39er seit Oirot-Tura.

 

 Und wieder eine dieser unglaublichen Kehren, der Fluss treu begleitet von der Straße. Weiterhin viel Wald. Rechts ein höherer bewaldeter Berg, vielleicht 600 Meter hoch.

 

 

Hitler nach Endsieg gestürzt
 
Situation:
In einem Geheimtreffen schildert ein Kamerad von der Abwehr dem von den Nazis verfolgten ehemaligen Major und Ritterkreuzträger Nacke – er ist der Protagonist des Buches - die politische Situation.
 
...„Im Reich hat sich, unbemerkt von der Allgemeinheit, vieles verändert. National und konservativ gesinnte Marschälle und Generäle verbündeten sich mit Bormann. Das Ziel, Entmachtung der SS und Beseitigung Himmlers.
 
  Bormann wollte den gefährlichsten Rivalen beseitigen. Die siegreichen Generäle wollten keine bewaffnete Macht neben der Wehrmacht und schon gar keine SS-Diktatur. Ein großdeutsches Reich, ja, unter nationalsozialistischer Führung. Das war der Preis.
 
  Die Abwehr organisierte eine Reihe von „Unfällen“. Das eliminierte die SS-Spitze. Der Sicherheitsdienst der SS unter Heydrich aufgelöst, Heydrich bei einem Unfall getötet.
 
   Das OKW zersprengte durch entsprechende Marschbefehle und Neuaufstellungen die SS-Divisionen. nahm ihnen die schweren Waffen. Die verbliebenen SS-Verbände werden nach und nach aufgelöst.
 
  Die Luftwaffe war auf unserer Seite. Görings Bedingung war der Erhalt seiner bisherigen Stellung als nominelles Staatsoberhaupt.
   Die Macht teilen sich Bormann als Reichskanzler und Rommel als Oberbefehlshaber der Wehrmacht. Sie ist, und mit ihr die Abwehr, für die äußere Sicherheit zuständig. Die Wehrmacht hat aber in vielen anderen Bereichen ein Mitspracherecht.
 
  „Hitler ist willenlos, krank und drogenabhängig in Bormanns Gewalt, der Morell gekauft hat. Die Parteispitze hat den Führer geschickt der Realität entrückt und ihn unnahbar auf einen Sockel gestellt. Offiziell steht er über allem, der Führer eben. In Wirklichkeit lebt er völlig abgeschirmt und bewacht von Einheiten des Heeres und der Abwehr auf dem Berghof. Wenn du ihn gelegentlich in der Wochenschau siehst, immer aus der Ferne, bewunderst du vermutlich einen der hauptberuflichen Doppelgänger.“
 
 
 
 
Krach in der Schmiede
 
Situation:
Die ruhmlose Heimkehr des Ritterkreuzträgers Nacke hat dem Ansehen der Familie geschadet.
 
  In der rußschwarzen Schmiede „An den Kämpen“ nahm Fritz Nacke das Flacheisen mit der großen Zange vom Amboss und schob es wieder in die Glut.
 
 
  Er horchte nach draußen, ehe er den ledernen Spitzblasebalg
trat. Es war gleich halb acht, und sein neuer Lehrling war nicht erschienen. Das war ungewöhnlich. Helmut Detering hatte Interesse gezeigt. ‚Ein bißchen dürr, der Junge, aber anstellig. Na, wird krank sein‛ mutmaßte der Schmied. Und, ‚wenn das man nicht einreisst.‛
 
 
 Er nahm das gelbrot glühende Eisen aus dem Feuer, legte es nach prüfendem Blick auf den zweihörnigen Amboß. Es verformte sich unter den zielsicheren Schlägen des schweren Hammers.
 
  Noch ehe er den Blasebalg treten konnte, knirschten Schritte auf dem Vorplatz, verhielten vor der offenen Tür. Der Schmied erkannte Karl Deterings breite Silhouette. „Korl, kumm herrin. Heuer mol, wo ess de Bengel? Krank?“
 
 
  Detering schob sich zögernd näher. Nacke hielt ihm den rechten Ellenbogen zur Begrüßung hin während fauchend die Luft aus dem Blasebalg in die Glut fuhr. Funken sprühten.
 
 
  Der Besucher berührte kurz den schwarz behaarten muskulösen Unterarm und murmelte ein „Moin.“ Nacke hielt den Arbeiter in einer Pantoffelfabrik für einen Schwätzer. Doch heute schwieg er. Deterings Augen hafteten auf seinem derben Schuh, der mit einem Stück schwarzer Schlacke spielte.
 
 
  „Gong mol do dänne“, brummte der Schmied, schroffer als beabsichtigt.
 
 
  Während die Zange das Werkstück wieder auf den Amboß schob, fragte er: „Was ist los mit Dir? Das ist keine Schande, wenn der Junge einen Tag fehlt.“
 
  „Also, äh,..ehm, er will eigentlich überhaupt nicht mehr kommen.“
 
 
  „Was heißt das?“, fragte Nacke scharf. „Hör mal, der Junge hat Interesse an der Arbeit“.
 
 
  Detering schluckte. „Ja, ja, vielleicht, aber das hier ist trotzdem nichts für ihn. Jedenfalls wird er nicht mehr kommen.
 
 
  Nacke vergaß einen Augenblick, den Blasebalg zu treten. Sein Erstaunen wandelte sich in Zorn. Der Kerl log, das war offensichtlich.
 
 
  Er atmete tief durch und fuhr mit seiner Arbeit fort. „Sag mir den wahren Grund“, forderte er ruhig. „Und erinnere Dich, Du hast mich angefleht, Deinen Jungen in die Lehre zu nehmen.“
 
 
  Detering ersehnte einen Ortswechsel. Er wischte den Schweiß von der Stirn, mit einem großen weißen Taschentuch, das längst in die Waschmaschine gehörte.
 
 
  Nacke bearbeitete das Eisen. Das verschaffte dem Besucher Zeit. Als das Werkstück abermals im Feuer war, setzte er wieder an.
 
 
  „Ja, also, nun ja, da ist das Gerede um Deinen Sohn.“ Er hob abwehrend die Hände. „Ich gebe ja da nichts drum, aber die Leute, und Minna meint auch...“
 
 
  Seine Stimme versagte, als der Schmied sich ihm, den Hammer in der Faust, voll zuwandte.
 
  „Raus!!“
 
  Detering pfiff auf jede Selbstachtung und stürzte aus der Tür. Der Schmied sah ihm nach, den Hammer halb erhoben. Das war unglaublich, dieser Quatsch. Lina hatte schon zu leiden. Jetzt ging es auch hier los. „Aber nicht mit mir“, brummte er.
 
 
  Heftig sauste der Hammer im Wechsel auf Werkstück und Amboß. Funken sprühten auf seinen Lederschurz.
 
 
 
 
 
Hitler-Jugend in Aktion
 
Die Situation:
Freunde befürchten Anschlag auf Nacke
 
 
  Aus dem Beifahrersitz des Kübels sprang ein Mann im Braunhemd mit dem HJ-Leistungsabzeichen in Silber. Als er auf sie zukam, ließen seine schwarzen kurzen Hosen erstaunliche O-Beine in weißen Kniestrümpfen sehen. ‚Wäre wohl besser bei der Reiter-HJ aufgehoben’ schoss es Robert durch den Kopf.
 
  „Lux, Platz“, hörte er Niedermeiers Stimme hinter sich. Der rechte Arm des Besuchers ruckte zackig nach vorn oben und ließ Robert zusammenzucken.
 
  „Kameradschaftsführer Johann mit 9 Mann der Motor-HJ Hannover auf Übungsfahrt. Major Nacke?“
 
  „Nur Nacke bitte.“
 
  Roberts Anspannung ließ erst beim nächsten Satz nach.
  „Paulus, Nikolai und Kilian lassen grüßen.“ Und dann, „to stay or not to stay, that’s the question.“ Das jungenhafte Grinsen täuschte Robert nicht. Der Mann war dem HJ-Alter deutlich entwachsen.
 
  Er streckte ihm die Rechte hin. „Guten Tag.“
 
  Mit der Linken wies er auf den Bauern. „Der Besitzer des Hofes, Herr Niedermeier.“ Der blieb sitzen und schob eine neue Portion und schob eine neue Portion Sauerkraut ein.
 
  Der Mann, der sich Johann nannte, ließ sich nicht abschrecken. „Ich störe Sie beim Essen.“ Der Bauer nickte.
 
 Tut mir leid.“ Die Stimme klang nicht so, als wolle sie überzeugen.
 
  Nacke schaltete sich ein. „Sie können offen reden, Herr Johann. Was haben Sie vor?“
 
  „Wir haben den Auftrag, Sie und Ihre Familie zu schützen. Ich möchte hier auf dem Hof unser Lager aufschlagen, etliche Zelte. Können Sie uns einen Platz zuweisen?“
 
  Er sah fragend von Robert zu Niedermeier.
 
  Der kaute weiter. Die Rechte mit einem Stück Speck auf der Gabel machte eine unbestimmte Handbewegung. Robert interpretierte das richtig als, „mach das mal.“
 
 
 
 
 
Rassenschande
 
Situation:
Der Sohn des Ortsgruppenleiters von Lage, Horstmann, wird der Rassenschande verdächtigt. Der Kreisleiter der NSDAP Lippe, sein Vorgesetzter, verhört den Vater und erpresst ihn.
 
 
 
  …Der Ortsgruppenleiter von Lage stand in tadelloser Uniform vorm wuchtigen Schreibtisch.
 
  Sein Vorgesetzter ignorierte den Deutschen Gruß ohne Fehl und Tadel ebenso wie die Person. Kronshagen blätterte seelenruhig in einer Akte. „Weichkochen“ nannte er diese Taktik. Funktionierte immer.
 
  Nach einer Weile warf er die Papiere auf die leere Schreibtischplatte, lehnte sich im Sessel zurück und blickte seinen Untergebenen kalt an. Dessen in der Mitte gescheiteltes schwarzes Haar, mit Pomade an den Kopf gepflastert, kontrastierte zum bleichen Gesicht.
 
  Schmales Handtuch’ dachte Kronshagen verächtlich, nicht zum ersten Mal.
 
  ‚Welch eine Fischnatur! Wie hatte der einen Sohn gezeugt?’ Seine Akte enthielt keinerlei sexuelle Verfehlungen, keine Saufgelage, keine Prügeleien, keine Straftaten. Ein Kanzleihengst. Galt als Naturfreund. Botanisierte, mein Gott! 
 
  Unvermittelt dröhnte er los: „Welche nationalsozialistische Erziehung haben Sie dem Bengel angedeihen lassen, Horstmann?“       
 
  Und sanft, „warum haben Sie ihn nicht teilhaben lassen an Ihrem großen Kenntnisschatz unserer Gesetze und Vorschriften, die Sie so perfekt beherrschen?“ 
 
  Dann brüllend in vorgetäuschtem Zorn, begleitet von einem Faustschlag auf den Tisch.
 
  „Verkehr mit Fremdvölkischen!? Ist die Reinheit der Rasse für Sie kein erstrebenswertes Ziel? Gibt es nicht genügend arische deutsche Mädchen für den Herrn Fähnleinführer?“
 
  Er erhob sich halb aus seinem Sessel, ließ sich wie erschöpft zurückfallen. „Das fällt auch auf mich zurück, verdammt noch mal.“
 
  Kronshagen schwieg. Dann gefährlich leise, „Aber Ihnen und dem Herrn Sohn bricht es das Genick.“ Er ließ in Mimik und Stimme Genugtuung aufblitzen.
 
  Er beugte sich vor, wedelte mit einer Akte.
 
  „Also, Horstmann, schon mal zum Einstimmen. Hier sind Gerichtsurteile zu unserem Thema. OLG Hamburg: ‚Hinrichtung durch die Guillotine.’ Oder, schon etwas milder, obwohl es am Ende aufs Gleiche hinausläuft, OLG Stuttgart: ‚Einweisung ins KZ Dachau.’
 
  Ich musste lange suchen, aber doch auch das: ‚Lebenslänglich Zuchthaus’.
 
  Gottlob hat das Söhnchen nicht die Wahl, sonst wäre es eine zwischen Hölle und Fegefeuer.“
 
  „Auch Sie sind erledigt. Ortsgruppenleiter ade, Parteiausschluss, Boykott durch die Volksgenossen, Schreinerei dahin. Vielleicht können Sie durch meine Beziehungen als Geselle unterkommen.“
 
  Horstmann stand unbeweglich stramm, unter der Uniform schweißnass. Der Mann im Sessel verachtete ihn. Nur schiere Verzweiflung hatte ihn in dieses Büro gebracht. Wäre es nicht besser gewesen, Frau und Sohn zu erschießen und dann sich selbst? Er fühlte, wie ihm das Wasser in die Augen stieg….
 
 
 
 
Altai:  Korruptionsbekämpfung durch Feldgendarmerie
 
Situation:
Der Kommandeur eines Gefangenenlagers, wird bei Durchsuchung seiner Privatwohnung überführt
 
  Kurzbauer nestelte die Schnüre los und enthüllte einen kleinen rohgegossenen matt schimmernden Barren.
 
  Er sah Klausner irritiert an. „Was soll das nun wieder? Spielen Sie keine Spiele mit mir.“
 
  „Altai-Gold, Herr General. Wir wissen, dass eine Anzahl dieser Barren in Schreyers Besitz ist. Teilerlöse der auf dem Schwarzen Markt verkauften Gefangenen-Rationen.“
 
  Klausner spürte, dass sein Kommandeur nur mit Mühe Haltung wahrte.

  „Und das können Sie beweisen?“ knurrte er drohend. Seine Augen ließen die seines 1c nicht los.
 
  „Ja, aber nur mit einer Durchsuchung der Dienst- und Privaträume des Oberstleutnants und des Stabsgebäudes der 39er. Wir arbeiten seit einigen Monaten an diesem Fall. Jetzt müssen wir handeln, da ich nicht weiß, wann das Gold, und auf welchen Wegen ins Reich geschickt wird."
 
  Klausner holte tief Luft. „Ich bitte um Genehmigung. Die Aktion durch die Feldgendarmerie und meine Leute sollte ausgedehnt werden auf Schreyers unmittelbare Umgebung.“……
 
 ...... Die Infanteristen waren mehr als verblüfft, als hinter zwei Offizieren „Kettenhunde“ und Gebirgsjäger aus den Fahrzeugen sprangen. Ohne auf einen Befehl zu warten, rannten die Jäger zum Stabsgebäude, umstellten es, Karabiner im Anschlag. Ein neugierig gewordener korpulenter Stabsfeldwebel erschien im Eingang. Zwei Feldgendarmen schoben ihn zurück, verschwanden mit ihm. Pissowotzki und weitere „Kettenhunde“ folgten.
 
Klausner hörte scharfe Kommandos aus dem Inneren und erregte Stimmen, als die Feldgendarmen die Befehle des Generals ausführten. Dagegen waren auch Offiziere machtlos.
 
  „Kommen Sie Müller.“
 
   Klausner lief über einen Trampelpfad im Schnee voraus zum Quartier des Regimentskommandeurs. Der kleine Mann hatte Mühe mitzuhalten. Der zu weite Mantel flatterte um seine Beine. Kirchner und ein Gefreiter seiner Truppe folgten gemächlicher.
 
 Der Oberstleutnant stieß das gut geölte Gartentor auf. Der kurze Weg zum Haus und die Holztreppe waren gefegt und mit Asche bestreut. Die rechts und links von kleinen Fenstern flankierte Haustür ließ sich geräuschlos öffnen. Klausner stand in einem Windfang, umgeben von einer Kollektion Pelzkleidung aus edlen Fellen.
 
 Ohne zu klopfen trat er durch die nächste Tür, machte Platz für die Folgenden.
 
  Obwohl er Ähnliches erwartet hatte, überraschte ihn die in Anbetracht der Umstände luxuriöse Einrichtung des Wohnraumes. Sie standen vor einem wuchtigen Schreibtisch, groß für den quadratischen Raum. Selbst Klausner sah, das war beste Tischlerarbeit, von den reichen Schnitzereien zu schweigen. Eine formschöne Petroleumlampe aus Messing ragte aus dem Durcheinander der Papierstapel. Über der hohen Lehne eines eleganten Stuhls hing ein Koppel mit Dienstpistole.
 
  Kirchner umrundete den Schreibtisch und nahm die Walther PP an sich. Er hielt sie prüfend hoch: „Privatspielzeug“, murmelte er.
 
  Die Schritte der Besucher auf den Dielen aus rötlicher Lärche wurden gedämpft durch Schaffelle und kleine Teppiche mit Folklore-Motiven. Sie dekorierten auch die Wände. Hinter dem Schreibtisch hing zwischen zwei Fenstern die Decke eines Maralhirsches, flankiert von zwei Schamanentrommeln. Beheizt wurde der Raum durch einen großen gemauerten Ofen.
 
 
  Ehe Klausner die tadellos geschreinerte Tür daneben erreichte, öffnete sie sich und gab den Blick frei auf den Hausherrn in Hemdsärmeln, Breecheshosen mit herabhängenden Hosenträgern und Wollsocken. Das sonst sorgfältig gescheitelte schwarze Haar stand wirr um den Kopf. Schläfrige Augen blinzelten die Besucher an, die pflichtschuldig salutierten, was Schreyer in dieser Situation als Hohn empfinden musste.
 
  Doch der Schock dauerte höchstens die berühmte Sekunde. Er straffte sich, versuchte mit der Rechten Ordnung in seine Frisur zu bringen, ehe er blaffte, „Was soll denn das? Wer hat Ihnen erlaubt, hier einzudringen? Major Kirchner, Sie müssten es besser wissen. Und was machen Sie mit meiner Waffe?“
 
 Dann, mit mehr Schärfe: „Also?“
 
   „Eine Anordnung des Generals. Wir müssen Ihre Privaträume durchsuchen, Herr Oberstleutnant. Verdacht auf Urkundenfälschung und Unterschlagung. Hier.“
 
  Er griff in die Tasche seines Mantels und holte das vom General bekritzelte Blatt hervor.
 
  Schreyers blasses Gesicht, das ihm bei seinen Leuten den Spitznamen „Sextaner“ eingebracht hatte, überzog sich mit tiefer Röte. Er riss Kirchner den Zettel aus der Hand, hielt ihn vor dessen Gesicht.
 
  „Und das soll Ihre Anmaßung rechtfertigen? Mein Divisionskommandeur und dessen vorgesetzte Dienststellen werden darauf die richtige Antwort geben.“
 
  Und schrill, wohl in der dämmernden Erkenntnis, dass die Aufforderung vergeblich sei, „Verlassen Sie sofort mein Quartier. Meine Waffe bleibt hier.“
 
 
  Sein Blick fiel auf Klausner, mit dem er seit Monaten einen erbitterten Kleinkrieg führte und füllte sich mit Hass.
 
  Schreyer versuchte, sich zusammenzureißen. Schweißperlen standen auf der hohen Stirn. Adern pochten an den Schläfen. Er dämpfte die Stimme. Das sollte wohl gefährlich klingen.
 
  „Ach, der Herr Stabsoffizier persönlich. Dann habe ich Ihnen das hier zu danken. Das wird Sie teuer zu stehen kommen. Diesmal haben Sie die Grenze überschritten.“
 
  Kirchner reichte es.
 
  „Herr Oberstleutnant, verschlimmern Sie nicht Ihre Lage. Wenn Sie unschuldig sind, wird das die Untersuchung ergeben. Jetzt tun wir unsere Pflicht und lassen Ihnen Zeit, Ihren Anzug in Ordnung zu bringen.“
 
  Schreyer sah an sich herunter und errötete abermals. Er streifte die Runde mit einem Blick, von dem er glaubte, er sei vernichtend, ehe er eine perfekte Kehrtwendung auf Socken hinlegte. Die Tür zum Schlafzimmer knallte zu.
 
  Die drei Besucher mit Blick auf diese Tür hatten Mühe, ihre Lachmuskeln zu beherrschen. Der Gefreite der Feldgendarmerie hinter ihrem Rücken feixte ungehemmt.
 
  „Fangen Sie an, Müller“, befahl Kirchner und schickte dann seinen Feldgendarmen, der blitzschnell jeden Ausdruck aus seinem Gesicht nahm, nach draußen in der richtigen Erkenntnis, dass drangvolle Enge nicht dienlich sei.
 
 
  Müller Zwo betrachtete mit gekrauster Stirn den Schreibtisch, zog ein Maßband aus der Tasche und maß die Breite unterhalb der Platte.   Er zog eine der Schubladen heraus, notierte ihre Länge. Das wiederholte er mit allen Schubladen. Klausner kam mit der Durchsicht der Papiere nicht nach.
 
  Der Gefreite fuhr mit der Hand in die Hohlräume und tastete sie sorgfältig ab. Er nahm andere Maße, verglich sie, beklopfte die dicke Platte und die massiven Beine des Möbels.
 
  „Keine Geheimfächer, Herr Oberstleutnant“, meldete er unbeeindruckt, was dem inzwischen in korrekter Uniform und mit eben solcher Frisur wieder erschienenen Besitzer des Schreibtisches ein hämisches Lächeln entlockte.
 
  Müller Zwo, in Hunderten von Verhören geschult und guter Psychologe, hatte Schreyer während seiner Negativ-Meldung diskret beobachtet, und so entging ihm nicht dessen schneller Seitenblick auf eine Stelle rechts hinter ihm. Er zog gemächlich seinen Mantel aus, legte ihn über den Schreibtischstuhl, nicht ohne den vorher untersucht zu haben.
 
  Auch Klausner wurde warm, was aber nicht von der Raumtemperatur herrührte. Bemüht, sich aufsteigende Besorgnis nicht anmerken zu lassen, unterbrach er das Studium der Papiere und verfolgte die weiteren Bemühungen seiner besten Spürnase. Der setzte sich hinter den Schreibtisch, hob den Briefbeschwerer an, wog ihn in der Hand. Er nahm die Lampe hoch, guckte unter ihren Fuß.
 
  Dann stand er auf, betrachtete sinnend die beiden Schamanentrommeln. Er schüttelte eine nach anderen - nichts. Er stützte sich lässig auf die durch seinen Mantel gepolsterte Rückenlehne, sah sich im Raum um, von der Aufmerksamkeit, die ihm zuteil wurde, unberührt. Sein Blick wanderte zu einem Steinbockgehörn über der Eingangstür.
 
 
„Herr Oberstleutnant, darf ich um Ihre Hilfe bitten.“ Er wies auf die hoch hängende Trophäe, für ihn unerreichbar. Selbst Klausner musste sich recken.
 
 
 
 Der Gefreite besah die Holzplatte, auf der das Gehörn montiert war, schüttelte.   Kein Ergebnis. Er reichte es Klausner zurück, der es verärgert auf die Schreibtischplatte knallte.
 
  Schreyer fühlte sich immer sicherer. Er hatte seine starre Haltung aufgegeben, lehnte im Türrahmen, den rechten Fuß lässig vor dem linken Standbein gekreuzt, zündete eine Zigarette an. Er inhalierte tief und genussvoll und entließ den Rauch langsam aus seinen Lungen.
 
  „Na meine Herren, nun geben wir das Detektivspiel wohl auf, was?“ Und anteilnehmend: „Wo nichts ist, kann man halt nichts finden, nicht wahr, Gefreiter?“
 
  Müller hatte ihn da, wo er ihn haben wollte. Er machte Männchen.
 
  „Jawoll, Herr Oberstleutnant, vollkommen richtig.“
 
  Er schlenderte hinüber zum Gewehrständer in der Ecke, nahm
einen Mauser-Stutzen, Modell M, hoch.
 
  „Halt!“
 
   Mit einem Schrei stürzte Schreyer vor. Kirchner stellte sich in den
Weg.
 
„Stellen Sie die Büchse zurück. Das ist ein wertvolles Stück, Sie Banause.“
 
  Müller wog das Gewehr ungerührt in der Hand, betrachtete den Kolben von unten, stellte es schließlich zurück. Er nahm einen der zwei Karabiner 98 hoch, wog auch ihn in der Hand und legte ihn auf den Papierwust auf der Schreibtischplatte.
 
  Schreyer, das Gesicht von Wut verzerrt, versuchte den kräftigen Kirchner beiseite zu schieben. Der stieß ihn zurück. Der Oberstleutnant taumelte zur Wand. Als er wieder vorspringen wollte, blickte er in die Mündung von Kirchners Dienstpistole.
 
  „Seien Sie vernünftig, sonst lasse ich sie fesseln.“
 
  Dann brüllte er: „Horn“. Der Feldgendarm stürzte ins Zimmer.
 
  In den Tumult hinein klang die ruhige Stimme des Gefreiten Müller.
 
„Herr Oberstleutnant leihen Sie mir Ihr Messer?“
 
  Er streckte die Hand aus. Der entnervte und konsternierte Klausner vertraute ihm sein Schweizer Offiziersmesser an.
 
 
 Der Gefreite suchte den Schraubendreher und löste die Schrauben des Kolbenschuhs. Er nahm die Metallplatte weg, richtete den Karabiner senkrecht, mit der Mündung zur Decke.
 
In die Stille plumpsten aus dem ausgehöhlten Kolben kleine Goldbarren mit dumpfem Geräusch auf die Schreibtischplatte.
 
 
 
 
 
 
 

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