lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
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Werners Blog

Gotik im Paradies

 
Ein neues Jahr beginnt – Gelegentheit über den Anfang eines Architekturstils zu sprechen, der vor 800 Jahren aus Frankreich kam.
 
 
Wer sonst als die Zisterzienser hätte das geschafft? Ihr Orden war gut organisiert, die Bauleute als tüchtige Handwerker ausgewiesen.
 
 
 
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 Paradies
 
 
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 Kreuzgangflügel
 
In ihrer Abtei Maulbronn, heute Weltkulturerbe, begann um 1210/1220 ein Meister aus Burgund das heute hoch gelobte Paradies zu bauen - eine Eingangshalle vor der Kirche, einschiffig mit 3 Jochen. Außerdem schreiben Fachleute ihm einen Teil des Kreuzgangs zu.
 
 
Der Name des Baumeisters ist nicht überliefert. So ehrten begeisterte Fachleute ihn mit einem Notnamen. Als „Paradiesmeister“ ist er in die Kunstgeschichte eingegangen.
 
 
Nicht auszuschließen ist, dass er ab 1230 am Chor des gotischen Magdeburger Domes mitgearbeitet hat.
 




Beim Blick zurück in die Geschichte

 
des Mittelalters im 100-Jahres-Rhythmus erinnern wir uns, dass
 
 
vor 1000 Jahren 
die Flügel der Bernwardstüren gegossen wurden. Die vielleicht größten Kunstwerke der Ottonik sind zu sehen im Westportal des Domes zu Hildesheim
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vor 900 Jahren
Bernhard das Zisterzienser-Kloster Clairvaux gründete, 3 Jahre nach seinem Eintritt in den Orden.
Ihm ist die enorme Ausbreitung des Ordens zu danken
 
vor 800 Jahren
der Karlsschrein von Aachener Goldschmieden vollendet wurde. In Anwesenheit König Friedrich II. wurde er im Dom aufgestellt
 
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vor 600 Jahren
im 100-jährigen Krieg ein französisches Heer bei Agincourt vom englischen König Henry II. vernichtend geschlagen wurde. Damit kam er seinem Ziel, der Herrschaft über ganz Frankreich, bedeutend näher
 
 
vor 600 Jahren
der tschechische Reformer Jan Hus auf dem Konzil zu Konstanz (1414-1418) als Ketzer verbrannt wurde, trotz Zusage freien Geleits durch König Sigismund
 
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 Konzilgebäude Konstanz
 
 
Allen Besuchern Dank für ihr Interesse
 
und die besten Wünsche
für ein
 

Gutes und erfolgreiches Neues Jahr

 




Blut und Baukunst

 
Die Ritter des MA neigten nicht dazu, sinnend in die Flammen des Kamins zu schauen. Da waren Fehden zu führen, im eigenen Namen oder im Auftrage der Lehnsherren. Heiden waren zu bekehren oder auszurotten. Viel Blut floss, meist das der Schwachen.
 
 
Aber  irgendwann kamen die Helden „in die Jahre“. Die mittlere Lebenserwartung der Männer lag zwischen 40 und 60 Jahren. Da dachten auch die schlimmsten Raufbolde an Tod, Jüngstes Gericht und ewige Verdammnis.
 
 
Was war zu tun? Da gab es die Pilgerfahrt nach Jerusalem, sofern es die Umstände zuließen. Auch Santiago de Compostella und Rom boten sich an.
 
 
 Grab des Markgrafen Gero in der... 
 
 
Stiftskirche St. Cyriakus
 
Doch große und reiche Sünder oder deren Beichtväter beschlichen gelegentlich Zweifel an der Verhältnismäßigkeit von Sünde und Sühne.
Dann musste eine Stiftung her, ein Kloster gegründet werden.
 
 
Zu dieser Gruppe gehörte der Markgraf Gero (um 900 bis 965).
 
 
Diesem Slawenschlächter verdanken wir die Gründung des Kanonissenstiftes Gernrode. Die Stiftskirche ist eines der schönsten Beispiele ottonischen Bauens.  




Viele Hunde sind des Hasen Tod

 
Wir wissen nicht, ob Nicolaus von Verona dieses Sprichwort kannte. Jedenfalls spielen Hasen die Hauptrolle in seinem berühmten Jagdfries an der Apsis des Kaiserdoms zu Königslutter.  Zunächst nimmt alles den erwarteten Verlauf. Der Hund packt den Hasen im Genick, der Jäger trägt die Beute heim.  
 
 
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Aber dann das Unerwartete:
 
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 Der Jäger am Boden, von den Hasen gefesselt.  
 
Wen wundert es, dass es verschiedene Deutungen gibt?
 
Die Populärste: Der Sieg des Guten über das Böse.  
 
Die Kirche ist schönste Romanik, auf einem Hügel unter alten Linden, mit viel wertvollem Bauschmuck und einem prächtigen Kreuzgangflügel.
 
Eigentlich eine Benediktiner-Klosterkirche, ist der Bau Grablege Lothars III. (1125 - 1137 König bzw. Kaiser), dem es nach dem Ende der Salierdynasatie gelang, die Machtergreifung der Staufer zunächst zu verhindern (siehe auch: 12. Jahrhundert - das Römische Reich)  
 
Ein Besuch lohnt sich. Königslutter liegt in der Nähe von Braunschweig.  




Backsteine

 
 

Tausende von Jahren vor der christlichen Zeitrechnung begannen Baumeister mit Steinen wie diesem, zunächst an der Sonne getrocknet, später gebrannt, in den Hochkulturen Architekturgeschichte zu schreiben.

 

 

Die Römer brachten sie nach Germanien. Mit ihrem Abzug im 5. Jh. starb, abgesehen von Einzelfällen, die Kunst der Backstein- und Ziegelproduktion* (=> Einhard-Basilika in Michelstadt-Steinbach).

Erst der geniale Bischof Bernward von Hildesheim ließ um die Jahrtausendwende in größerem Umfang Dachziegel brennen.

Im 12. Jahrhundert begann die hohe Zeit des unscheinbaren Backsteins im Norden Europas, rund um die Ostsee.

Zunächst wurde kurze Zeit im romanischen Stil gebaut. (Kloster Jerichow) Dann schufen die Baumeister in 3 Jahrhunderten eine einmalige Architektur - die Backsteingotik.

      Stralsd 2012 0833 modHP(3)   Rathaus Stralsund

 

 Münster Doberan

 

Mit Millionen und Abermillionen des unscheinbaren Kunststeines aus Lehm und Ton wurden profane und sakrale Meisterwerke geschaffen. Man schätzt, dass allein für die Marienburg der Kreuzritter im ehemaligen Ostpreussen 4,5 Millionen Backsteine und Ziegel verbraucht wurden.

 Fassade Bürgerhaus Greifswald

 

Viele Bauten wurden, vor allem den Forderungen des städtischen Patriziats nachkommend, verschwenderisch mit Glasuren und einer Fülle von Friesen, Maßwerk und Terrakotta-Reliefs verziert.

 

 

Netz

https://www.baufachinformation.de/denkmalpflege/Hildesheimer-Dachziegel/2003077100025

(*) Fachleute, wie Bau- und Kunsthistoriker, möchten „Ziegel“ nur für Dachbedeckung verwendet sehen.

 




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