lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte

Jahrhunderte

 

Chronologien Jahrhunderte

Islam 12. Jahrhundert

In der islamischen Welt sind die Kreuzzüge die herausragenden Ereignisse.
 
Nach dem Verlust Jerusalems (1099) und der Eroberung anderer Gebiete in Palästina durch die Christen gehen die Kämpfe mit wechselndem Ausgang weiter.
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Kreuzritterburg "Krack des Chevaliers" in Syrien
von Xvlun - Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, Link
 
Die Eroberung des christlichen Edessas (1144) ist Anlass für den 2. Kreuzzug. Er scheitert.
 
Die Kapitulation des christlichen Jerusalem (1187) nach Belagerung durch den legendären Saladin, der zuvor die Fatimiden-Dynastie in Ägypten gestürzt hatte, führt zum dritten Kreuzzug (1189). Den entscheidet das Schicksal, nicht das Schwert: Kaiser Barbarossa ertrinkt (1190). Die christlichen Heere lösen sich auf.
 
Nach dem Tod Saladins scheitert ein erneuter Kreuzzug. Kaiser Heinrich VI. stirbt in Sizilien.
 
In Anatolien gelingt es den Seldschuken, das ganze ehemals byzantinische Gebiet, zu erobern, nicht aber Byzanz selbst, das den Islam am Vordringen nach in Südost-Europa hindert.  
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Arabische Brücke in Ronda (E)
 
Auf der iberischen Halbinsel stoppt eine Invasion der almohadischen Berberdynastie vorübergehend die Reconquista.




 

Chronologien Jahrhunderte

Christentum 12. Jahrhundert

Das einschneidendste Ereignis ist die Spaltung in der Mitte des Jahrhunderts in eine westlich- lateinische und eine östlich-orthodoxe Kirche, Ergebnis lang andauernder Konflikte.
 
Nach Erfolgen um die Wende vom 11. auf das 12. Jh. beginnen in der 2. Hälfte des Jahrhunderts die Niederlagen der Kreuzfahrerstaaten in Palästina.
 
Auf der iberischen Halbinsel stoppt eine Invasion der almohadischen Berberdynastie vorübergehend die Reconquista.
 
Giralda in Sevilla – ehem. Minarett der Almohaden. Heute Turm der Kathedrale (E)
 
Volksbewegungen, wie die der Kartharer/Albigenser und Waldenser, die (im urchristlichen Sinne) bei materieller Bescheidenheit sittlich leben wollen, machen der römischen Kirche zu schaffen. Sie antwortet mit brutaler Verfolgung.
 
Aber das Jahrhundert bringt auch Erfolge.
 
Das Wormser Konkordat verschafft Rom Vorteile in der Auseinandersetzung mit dem Kaisertum.
 
Die um die Jahrhundertwende gegründeten neuen Orden, wie Zisterzienser, Templer und andere Ritterorden entwickeln sich positiv und stärken die Stellung der römischen Kirche.
 
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Templerkapelle Laon (F)
 
Durch gewaltsame Mission und friedliche Besiedlung, vor allem in der 2. Hälfte des Jahrhunderts, ist um 1200 die Slawenmission weitgehend beendet.
 
 




 

Chronologien Jahrhunderte

Das 12. Jahrhundert:

Byzanz

Die Dynastie der Komnenen beherrscht für rund 100 Jahre byzantinische Politik bis 1185. Alles in allem wird diese Zeit positiv gesehen.
 
Unter Alexios I. (1081-1118) werden die Normannen zurückgedrängt. Der Balkan und Teile  Kleinasiens kommen unter byzantinische Herrschaft  zurück. Der Kaiser hatte jedoch Ende des 11. Jahrhunderts Hilfe der westlichen (lateinischen) Christenheit gegen die Übermacht der moslemischen Seldschuken angefordert und damit ungewollt die Kreuzzüge ausgelöst mit für Byzanz am Ende katastrophalen Folgen.
 
Doch zunächst folgt im Jahre 1118 mit Johannes II. (1118-43) der größte Herrscher der Dynastie. Das Staatsgebiet wird, vor allem auf dem Balkan, weiter vergrößert. Das Reich gedeiht. Allerdings muss es den mächtigen italienischen Handelsstädten mehr Einfluss einräumen.
 
 
12jh17Mosaik - Kaiser Johannes II. Komnenos und Kaiserin Irene (Hagia Sophia, Istanbul) (Wikipedia, Josep Renalias)
 
 
Manuel I. (1143-80)  schafft mit der Heirat einer Prinzessin die Verbindung zu den Staufern mit denen er sich gegen die Normannen verbündet. Der westlich/lateinische Einfluss wächst.
 
Aus den Problemen des erfolglosen 2. Kreuzzugs (1147-49) gelingt es Manuel das Reich herauszuhalten. Er startet eine Offensive in Süditalien und gewinnt Gebiete auf dem Balkan zurück.
 
Dann aber bekämpft er brutal die zu mächtig gewordenen Venezianer im Land, kerkert 20.000 ein und bemächtigt sich ihres Vermögens. Die folgende finanzielle Krise schwächt die Armee. Alle Gebiete in Kleinasien gehen endgültig verloren, und mit dem Tod des Kaisers bricht die Herrschaft auf dem Balkan zusammen.
 
Es folgt ein Schreckensregiment, das den endgültigen Verfall einleitet. Die Normannen erobern Thessaloniki.
 
Die folgenden unbedeutenden Kaiser müssen die Seldschuken-Herrschaft über Kleinasien anerkennen.
 
Das 1000jährige, byzantinische Reich, mächtig, brutal, prächtig und korrupt ist am Ende. 1204 eroberten Venezianer und andere Kreuzfahrer auf dem 4. Kreuzzug die Hauptstadt Konstantinopel.
 
Es folgt ein kurzlebiges lateinisches Kaiserreich. Herrscher aus der geflohenen byzantinischen Kaiserfamilie eroberten Konstantinopel 1261 zurück. Das endgültige Ende kommt 1453 mit der Eroberung Konstantinopels durch das Osmanische Reich.*)
 
 
*) Leseempfehlung:
"Constantinople - The Last Great Siege 1453" by Roger Crowley
Deutsche Ausgabe "Konstantinopel Die letzte Schlacht"
 




 

Chronologien Jahrhunderte

Das 12. Jahrhundert:

Balten und Elbslawen

 

Slawenburg Groß Raden
St. Johanneskirche Riga (13. Jh. - Foto Inge Herrmann, Siegburg)

 

Die Balten

Anders als die Elbslawen werden die baltischen Völker mit dem römischen Christentum erst gegen Ende des 12. Jh. massiv konfrontiert.

 

Die deutsche Mission, zunächst friedlich und wenig erfolgreich, geht einher mit dem Handel. Auch die Dänen sind beteiligt.

Aber am Ende des 12. Jh. erleidet das Gebiet einen ersten - erfolglosen - Kreuzzug, der im folgenden Jahrhundert durch gewaltsame Eroberung abgelöst wird.

Die Elbslawen

Sie hatten schon im 10. Jh. trübe Erfahrungen mit christlicher Mission gemacht.

Auch im 12. Jh. gibt es keine umfassende politische Einheit in ihrem Gebiet. Nur der christliche Abodritenfürst Heinrich hatte in Ostholstein und Mecklenburg einen losen Staatenbund geschaffen, der nach seinem Tod 1127 zerfällt.

1147 beginnt mit dem sogenannten „Wendenkreuzzug“ eine neue Heimsuchung. Neben Hochadel und hoher Geistlichkeit sind Heinrich der Löwe und Albrecht der Bär die Schlüsselfiguren.

Mit ausdrücklicher Billigung des Papstes Eugen III. hatten sich Adel und hohe Geistlichkeit im gleichen Jahr dem misslungenem Kreuzzug Konrads III. ins Heilige Land mit Hinweis auf die Heiden vor ihrer Haustür entzogen, wohl wissend, dass in Palästina eher Verwundung und Tod warten als Reichtum und Land.

 

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Modernes Denkmal des viergesichtigen Slawen-Hauptgottes Svantevit an der Seebrücke im Ostseebad Wustrow (Christine Dewerny)

Erst um 1160 gelingt es Heinrich dem Löwen das Gebiet der Abodriten und Wilzen unter dem Abodritenfürsten  Niklot zu erobern.

Nach Aufständen und Zwangstaufe erhebt Heinrich 1167 Pribislaw, den Sohn Niklots, zum Fürsten und Vasallen und damit zum Vater des mecklenburgischen Herzoggeschlechts.

 

Ende des Jahrhunderts fällt Mecklenburg für fast 50 Jahre unter dänische Herrschaft.




Chronologien Jahrhunderte

Das 12. Jahrhundert:

Ungarn, Polen, Russisches Reich

 

Ungarn Der ständige Kampf zwischen Hochadel und Krone, auf den Byzanz auf Seiten der Aristokratie Einfluss zu nehmen versucht, erreicht seinen Höhepunkt. Die Árpad-Dynastie setzt sich durch. Kroatien und Bosnien geraten zunächst unter ungarischen Einfluss. Ungarn wird neue Balkan- und Adriamacht. Erste Ansiedlung Siebenbürger Sachsen. Polen Zu Beginn des Jahrhunderts wird ein Angriff Heinrichs V. abgewehrt. Es scheitert der Versuch, die inneren Probleme durch eine neue Erbfolge (Senoriatserbordnung) zu beenden. Barbarossa interveniert erfolgreich. Ende des Jahrhunderts geht Pommern an Dänemark verloren. Es beginnt die Zuwanderung deutscher Ritter und Siedler. Das Russische Reich Streit der Fürsten um die Thronfolge und die andauernde Bedrohung durch das Reitervolk der Polowzer, schwächen das Reich und führen zum wirtschaftlichen Niedergang. Daran ändern auch einige militärische Erfolge gegen die Reiterkrieger nichts. Die Bedeutung Kiews verblasst. Neue Zentren gründen sich im Norden. Das gemeinsame Band von Kirche und Dynastie bleibt erhalten.

 




GOTIK

Kathedrale von Saint-Denis

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Während Saint-Denis, ein nördlicher Vorort, heute gelegentlich durch wenig erfreuliche Schlagzeilen von sich reden macht, war es im 12. Jh. ein befestigtes Städtchen, dem das Kloster, Grablege der französischen Könige seit dem 10. Jh., große Bedeutung verlieh. weiter >>

EINZELTHEMEN

Mittelalterliche Holzdecken und Dachstühle

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Wenn Gläubige ihr Antlitz erheben, erwarten sie Pracht und Schönheit der symbolischen Himmel. In mittelalterlichen Kirchen gaben Baumeister, Zimmerleute und Maler für die Gestaltung von Holzdecken und Gewölben das Beste ihrer Kunst. weiter >>

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Der Dom zu Speyer

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KURZBIOGRAFIE

Einhard

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Der Sohn einer unbedeutenden mainfränkischen Adelsfamilie schaffte es über eine Klosterausbildung in den engsten Beraterkreis Karls des Großen aufzusteigen. Als einziger der Karlsberater faßte Einhard Fuß am Hof des Thronfolgers. Den Zerfall des fränkischen Reiches sah er voraus, aber seine mahnende Stimme war leise geworden. Sein Ruhm, vor allem als Historiker und Biograf, begleitete ihn in die Einsamkeit des Odenwaldes. weiter >>

ROMANISCH

Klosterkirche Jerichow

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Aus den grünen Elbauen im nördlichen Sachsen-Anhalt steigen braun-rote Doppeltürme auf und weisen seit 800 Jahren den Weg zur Klosterkirche, dem frühesten Denkmal romanischer Backstein-Architektur. weiter >>

GOTIK

Kathedrale von Wells

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Inmitten großer Rasenflächen bezeugt The Cathedral Church of St Andrew den Willen englischer Baumeister der in Frankreich gewachsenen Gotik mit Ideenreichtum und virtuosem Können ein eigenes Gepräge zu geben. Sie bieten dem Besucher einige ihrer charakteristischen Entwicklungen, wie Chapter House, Lady Chapel und - einmalig in der Architekturgeschichte - die berühmten Scherenbögen. weiter >>

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