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Der Fernseher

 

Das Westfälische Freilichtmuseum Detmold ist gut besucht. Im Flur des Hauses aus Finnentrop-Ostentrop drängen sich große und kleine Besucher.

 

Aus dem Stallanbau links dringt das behagliche Schnauben der beiden Kaltblüter. Sie genießen eine verdiente Pause vom Transport der Museumsgäste im Planwagen vom Eingang bis hinauf zum Paderborner Dorf und zurück.

 

Zur rechten gucken die Besucher durch Glasscheiben in eine Küche und ein Wohnzimmer, frühes 20. Jahrhunderts. Beim Anblick des altertümlichen Kochherdes kommen bei manchem älteren Besucher Kindheitserinnerung hoch, die halblaut ausgetauscht werden.

 

"Weißt du noch, im schlimmen Winter nach dem Krieg, keine Kohle, kaum Holz. Da saßen wir abends oft im Dunkeln bei offener Feuertür, weil auch der Strom weg blieb."

 

"Unser Opa mußte Stubben roden mit seinen 70 Jahren und auf dem Bollerwagen heimfahren."

 

Ein Korb mit Holzscheiten unterstrich die Problematik.

 

Im Wohnzimmer nebenan ist es vornehmer. Gehäkelte weiße Spitzendeckchen schonen den roten Plüsch der wuchtigen Möbel. Eine Großvateruhr steht in der Ecke. Ein Tisch mit dunklem Edelholzfurnier und geschwungenen Beinen macht sich breit. Auf ihm liegt eine lange Pfeife. Hirsche äsen auf dem Pfeifenkopf.

 

Frauke, 6, prüft das Ganze sorgfältig und zunächst schweigend. Dann hat sie einen Einwand, den sie laut kund tut:

 

"Tante Inge, wo ist denn der Fernseher?"

 

Es wird still. Teils amüsierte, teils ungläubige Blicke treffen Kind und Tante. Die räuspert sich leicht verlegen.

 

"Tja, weiß du, die Leute hier hatten keinen Fernseher."

 

Frauke läßt nicht locker und nun leicht ungeduldig ob der langen Leitung der Erwachsenen:

 

"Und wo haben die geguckt?"











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