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12. Jahrhundert: Britische Inseln, Königreich England, Schottland, Irland

 

Das Jahrhundert beginnt dramatisch mit einem Jagdunfall, den viele Historiker für einen Mord halten. König Wilhelm I. Rufus, Sohn des Eroberers, stirbt 1101 mit 44 Jahren. Das Bedauern hält sich wegen mancher Missetaten in Grenzen.

 

Sein Bruder Heinrich trauert nicht, sondern bemächtigt sich des Krönungsschatzes. Sofort läßt er sich in Westminster mit 33 Jahren als Heinrich I. krönen. Obwohl jüngster Sohn, glaubt er als Einziger, weil gezeugt und geboren nach der Krönung des Vaters und damit königlichen Blutes, Anrecht auf den Thron zu haben.

 

Der älteste Bruder Robert Curthose, Herzog der Normandie, sieht das anders und kämpft nach Rückkehr vom ersten Kreuzzug um die Krone. Sein Leben endet nach 28 Jahren Gefangenschaft im Kerker des Bruders, 1 Jahr vor dessen Tod.

 

Königreich England
Halle Winchester Castle mit rundem Tisch des Königs Artus

Mit dem Tod des Thronerben Wilhelm beim Untergang des "Weißen Schiffes" im Jahre 1120, deutet sich Unheil an für die Zeit nach dem Ableben Heinrichs I.

 

Im Norden erreicht er 1124 durch die Thronbesteigung seines Schwagers David in Schottland eine Absicherung.

 

1127 verheiratet Heinrich I. seine Tochter, Ex-Kaiserin Mathilda, mit Geoffrey, Graf von Anjou.

 

Kurz darauf läßt er seine Barone schwören, ihr zum Thron zu verhelfen. Es schwört auch Neffe Stephan von Blois, Enkel Wilhelm des Eroberers. Doch unmittelbar nach dem Tod des Königs besteigt 1135 Stephan den Thron und harrt fast 20 Jahre aus, eine Zeitspanne die in England den treffenden Titel „The Arnachy“ trägt.

 

1153 stimmt Stephan der Machtübernahme durch Mathildas Sohn zu. Der wird ein Jahr später, nach Stephans Tod, als Heinrich II. gekrönt.

 

Er regiert bis 1189. Trotz Rücksichtslosigkeit und absolutistischer Neigungen wird er ein bedeutender Herrscher, reformiert Verwaltung und Rechtsprechung (common law). Kleinere und größere Aufstände und Angriffe zwingen ihn rastlos zwischen England und seinen Festlandsbesitzungen zu pendeln. Meist ist er militärisch erfolgreich. Oft übernimmt Königin Eleanore die Regentschaft in seiner Abwesenheit.

 

1170 ermorden 4 Ritter Thomas Becket, Erzbischof von Canterbury in dessen Kathedrale. Heinrichs Ruf ist durch die Untat seiner Gefolgsleute schwer geschädigt und muß öffentlich Buße tun.

Königreich England
Heinrich II., König von England, 1154-1189 (Wikipedia, Mathew Paris)

Der König beginnt 1171 mit der Eroberung Irlands und erlebt dann 1173/74 die größte Gefährdung des Reiches durch einen Aufstand seiner Söhne, von Eleonore und dem französischen König, Ludwig VII. unterstützt. Heinrich II. siegt. Die Königin büßt mit 15 Jahren Haft, später zum Hausarrest gemildert.

 

Der Herrscher findet keinen geeigneten Plan für seine Nachfolge. Sein Mitkönig und designierter Nachfolger, der älteste der überlebenden Söhne, Heinrich der Jüngere, stirbt 1183. Die restlichen Söhne bekämpfen sich weiter, so wie sie es vorher getan hatten.

 

Enttäuscht und verbittert stirbt Heinrich II. 1189 im Alter von 56 Jahren. Zu seinem Grab im Kloster Fontevraud, gesellt sich 1204 die 80-jährige Eleonore.

 

Der älteste Sohn, Richard I. Löwenherz, Herzog von Aquitanien, besteigt den Thron.

 

Königreich England
Holztonnengewölbe, Klosterkirche Romsey

Ehe er das nach dem römischen Reich mächtigste Land Europas regieren kann, muß er ein Kreuzzugsgelübde einlösen. Mit seinem Gegner, dem französischen König Philip II., zieht er in den weitgehend erfolglosen 3. Kreuzzug. Arrogantes Auftreten schafft ihm keine Freunde. Der österreichische Herzog Leopold V. nimmt ihn auf der Flucht fest und „verkauft“ ihn an Kaiser Heinrich VI.. Der wiederum fordert ein unglaublich hohes Lösegeld, durch dessen Aufbringung England verarmt.

 

1194 ist Richard wieder frei und muß zunächst in England für Ordnung sorgen. Dann greift er den französischen König erfolgreich an.

 

5 Jahre nach seiner Rückkehr fällt er, 42 Jahre alt, bei einem unwichtigen Scharmützel in seinen französischen Besitzungen einem Pfeil zum Opfer. Er liegt neben Mutter und dem Vater im Kloster Fontevraud. Für die Mutter ein letzter schwerer Schlag vor der Jahrhundertwende.

 

Auf dem Thron nun der letzte legitime überlebende Sohn, Johann Ohneland, von den meisten Historikern sehr negativ beurteilt. Er hatte während Richards Gefangenschaft  dem Bruder kontinuierlich geschadet. Dem französischen Rivalen, Philip II. kann er nicht das Wasser reichen, was sich in Verlust von Land, Einfluß und Ansehen niederschlägt.

 


Königreich Schottland

 

Die beiden Königreiche sind auf vielfältige Weise miteinander verbunden.

 

Beim Thronstreit zwischen Mathilde und Stephan steht Schottland auf der Seite Mathildens. König David I. (1124-1153) fällt mehrfach in England ein, um Stephan zu schwächen. Mit Heinrich II. schließt Malcolm IV. (1153-1165) Frieden. 1157 muß er einige Provinzen an England abgeben.

 

Sein Nachfolger, Wilhelm I. (1165-1214) schließt eine für Schotttland wichtige Defensiv-Alliance mit Frankreich (Auld Alliance). Beim Aufstand der Söhne gegen Heinrich II. auf deren Seite, verliert er den Kampf und landet im Kerker. Heinrich II. besetzt Schottland und Wilhelm muß ihn als Lehnsherren anerkennen, um frei zu kommen. Der Vertrag wird von Löwenherz aufgehoben – gegen Zahlung von 10.000 Silbermark, die er für den 3. Kreuzzug benötigt.

 

Irland

 

In einem Streit zweier irischer Hochkönige flieht der Unterlegene nach England und veranlaßt Heinrich II. in Irland einzugreifen. Nach englischen Siegen unter Richard Fitz Gilbert (Strongbow) wird der englische König 1172 als Herrscher anerkannt, obwohl er nur den Osten kontrolliert. Sein Sohn Johann folgt ihm 1177 als Lord von Irland. Er verstärkt den englischen Einfluß auf das Land und Irland findet Anschluß an die europäische Kultur.

 

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