Home > BLOG
W Nolte Blog
Profil

Alte Kreuzgänge

20.08.2016 09:07:03
 
 
In mittelalterlichen Klöstern waren die Kreuzgänge nach den Klosterkirchen die interessantesten und wichtigsten Bauten. Die Wandelgänge, manchmal zweigeschossig, öffneten sich mit Arkaden zu einem oft quadratischen Innenhof. Sie waren Orte der Erholung, der Kommunikation, der Lektüre. Brunnen und Brunnenhäuser erlaubten Waschungen.
 
 
 
Stiftskirche San Pedro de Teverga, Asturien (E)
 
Im frühen Mittelalter - nachgewiesen seit dem 8. Jh. - waren die Anlagen schlicht, bei Klostergründungen oft aus Holz. Ein Beispiel aus Asturien, obgleich aus früher Neuzeit, möge der Anschauung dienen.
 
 
 

Frühe Kreuzgänge sind rar. In St. Pantaleon in Köln ist das älteste Fragment Deutschlands mit 6 Bogen erhalten (um 1000).
 
Die seltenen Pilzkapitelle tauchen vor dem Würfelkapitell in der ottonischen Baukunst auf.

 
 


Kommentare 1 | Zum Blog-Eintrag & kommentieren...


 

Logistik im Bau

24.07.2016 16:52:32

Ich hatte an dieser Stelle über Logistik am mittelalterlichen Bau geschrieben und das Foto eines in Wismar aufgestellten riesigen Tretrades veröffentlicht.

Eine Ergänzung fand ich bei der Suche nach schönen Fassaden der Backsteingotik in Stralsund. Zum Glück ging ich an der weniger attraktiven Fassade des Hauses Mönchstraße 38 nicht vorbei.

Im Inneren des 1320 erbauten Kaufmannshauses steht eine völlig intakte Winde mit Welle, Rad aus Eichenholz und Bockshornbeschlägen zur Seilführung. Sie bedient alle 4 Speicherböden.
 
 
                     
 
 
Das Haus war bis in die siebziger Jahre des 19. Jh. bewohnt. Das Kulturhistorische Museum der Stadt übernahm und sanierte es mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.
 
Neben dieser mittelalterlichen Attraktion vermittelt das Innere des Gebäudes durch entsprechende Einrichtung auch einen guten Einblick in die Wohnsituation der letzten Jahrhunderte.
 


Zum Blog-Eintrag & kommentieren...


 

Ein Mönch „hat Rücken“

12.06.2016 09:22:07

 

Oder? Jedenfalls scheint er schwer an einer Last zu tragen. Vielleicht stöhnt er unter dem Gewicht eines beleibten Chorherren.

 

Dom zu Magdeburg (Mitte 14. Jh.)

 
 

Mit dieser ungewöhnlichen Darstellung möchte ich auf Chorgestühl aufmerksam machen, interessantes Element mittelalterlicher Kirchenausstattung.

 

Zisterzienserkirche Bad Doberan (1. Hälfte 14. Jh.

 

 

Aus der Romanik ist wenig erhalten. Auch von gotischem Chorgestühl sind nur Reste vorhanden. Es lohnt sich, sie zu studieren. Besonders die Miserikordien unter den Klappsitzen, die langes Stehen während der Gottesdienste erträglich machten, zeigen hochwertige, oft skurrile Schnitzereien.

 

 

 

Kathedrale von Sevilla (Ende 15. Jh.)

 

 

 

 Abhängig von der Zahl der Mönche oder Chorherren und dem Zeitpunkt der Fertigung war das Chorgestühl bescheiden oder gigantisch. In der Spätgotik wurde es besonders reich mit Schnitzwerk versehen. Oft orientierten sich die Meister mit Fialen, Baldachinen usw. am steinernen Bauschmuck ihrer Kirchen.


Von den imposanten Gesamtanlagen haben nur wenige überlebt. 

 

 



Zum Blog-Eintrag & kommentieren...


 

Stützenwechsel

19.05.2016 07:26:21

 

 

Beim Gang durch die Mittelschiffe romanischer Basiliken begleiten den Besucher rechts und links Arkaden, deren Bögen entweder von Säulen oder von Pfeilern gestützt werden.

 

Besonders bei Bauten mit Holzdecken werden aufmerksamen Beobachtern gelegentlich Abweichungen auffallen. Anstelle von 2 Reihen gleicher Stützen wechseln auf jeder Seite Säulen und Pfeiler, entweder im strengen Rhythmus oder 2 Säulen folgen auf einen Pfeiler. Im ersten Fall sprechen die Fachleute vom rheinischen, im zweiten vom (nieder)sächsischen Stützenwechsel.

 

 

St. Godehard Hildesheim, sächsischer Stützenwechsel

  

Die Gründe scheinen vielfältig.

 

Man denkt zunächst an die Geografie, doch sowohl der für die Epoche wichtige Bau St. Cyriakus vom Ende des 10. Jh. in Gernrode, als auch die Basilika St. Georg und Pancratius aus dem 12. Jh., beide im Herrschaftsgebiet der ottonischen Sachsen, zeigen einen einfachen, sprich rheinischen Stützenwechsel.

 

  

 

Basilika St. Georg und Pancratius, Hecklingen

 

Logisch scheint er bei Bauten mit gebundenem System. Hier markieren die Pfeiler die Ecken der Mittelschiffjoche, deren Quadrate, ausgehend vom Vierungsquadrat, den gesamten Grundriss bestimmen. Die schwächeren Säulen zwischen den Pfeilern stützen die halb so großen Seitenschiffjoche.
 

Auch Zahlensymbolik wird als Begründung herangezogen: Beim sächsischen Stützenwechsel könnten  insgesamt 4 Pfeiler auf die Evangelisten, 12 Säulen auf die Jünger oder die Stämme Israels hinweisen

 

 



Zum Blog-Eintrag & kommentieren...


 

Der umgefärbte Heilige

17.04.2016 09:46:26

 

 

Mauritius, zuständig für das Heer, die Infanterie und die Waffenschmiede, ist nicht gerade der populärste Heilige der römisch-katholischen Kirche. Der Legende nach erlitt er um 300 n.Chr. im Wallis das Martyrium als Anführer der Thebaischen Legion zusammen mit Tausenden seiner Männer.

 

Seine Verehrung breitete sich langsam nach Norden und Nordosten aus, um schließlich auf das Gebiet des ostfränkischen Reiches zu gelangen. Unter Otto I. war ihre Blütezeit.

 

Mauritius wurde Schutzheiliger des Reiches und Patron des neuen Kaiserdomes in Magdeburg. Mit anderen Märtyrern steht er dort auf antiken Säulen hoch im Chor.

 

Das alles wäre nicht erwähnenswert, wenn die Darstellung des Heiligen in dieser Zeit nicht grundlegend verändert worden wäre. Aus dem Hl. Mauritius, bisher als weißer Ritter dargestellt, wurde in der Mitte des 13. Jh. ein Schwarzer, ein Mohr. Es soll das erste Bildnis eines Schwarzafrikaners in nachantiker Zeit sein.

 

 

Ein Torso steht an der Südseite des Domchores. Die Forschung datiert seine Entstehung auf die Mitte des 13. Jh., also in die frühe Bauzeit des Domes.

 

Die Gründe für diese Wandlung - sind rätselhaft, zumal die Darstellung als Mohr in späteren Kunstwerken, abgesehen von wenigen Ausnahmen in südlichen Gebieten, beibehalten wurde.



Kommentare 2 | Zum Blog-Eintrag & kommentieren...


 
Seite 2 von 14
Blog abonnieren










TOP