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Der Gotische Traum

18.03.2017 20:08:56

Es gibt unterschiedliche Theorien für das Entstehen der Gotik. Eine davon ist die Lichtmystik verbunden mit dem Ehrgeiz der Baumeister, die steinernen Wände der Kirchen durch solche aus buntem Glas zu ersetzen.
 
                                     

Versuche sind schon in der Romanik zu erkennen. In der Oberkirche der Sainte Chapelle in Paris jedoch ist dieser Traum mit 15 großen Glasfenstern und einer Fensterrose Wirklichkeit geworden. Mehr als die Hälfte der Glasmalereien soll noch mittelalterlich sein.
 
                                     

König Ludwig der IX, der Heilige, ließ diesen äußerlich schlichten hochgotischen Bau in der Mitte des 13. Jh. errichten, als Schrein für wichtige Reliquien, wie die Dornenkrone. Er hatte sie von Balduin II. gekauft, dem Herrscher des lateinischen Kaiserreiches, das nach der Eroberung Konstantinopels durch Kreuzfahrer und Venezianer im 4. Kreuzzug im Wesentlichen nur noch aus der Stadt bestand.


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Henkel und Ösen

05.01.2017 10:16:18
 
 
Wer am Skurrilen in mittelalterlicher Kunst interessiert ist, dem fallen immer wieder Details auf, deren Bedeutung wir heute nicht erklären können und die vielleicht auch sinnfrei sind.

An und in der sehenswerten Neuwerkkirche in Goslar – Baubeginn 12. Jh. - kommt man auf seine Kosten. An dieser Stelle sei nur ein interessantes Element im Mittelschiff der Basilika erwähnt.
 


 
 
 
Einige der das Gewölbe tragenden Dienste verlassen die Wand – und damit ihre eigentliche Aufgabe – ragen henkelförmig in den Raum und kehren pflichtbewusst wieder an die Wand und in die Senkrechte zurück.

Doch damit nicht genug. In die „Henkel“ sind „Ringe“ eingehängt, oder sie tragen eine Masken-Skulptur.

Die „Ringe“ werden gedeutet als „Ouroboros“, einer sich in den Schwanz beißenden Schlange, ein antikes Symbol.

Auch sogenannte „Grüne Männer“ oder Blattmasken sind unter der Bauornamentik der Kirche zu finden.

 

 
 
 
 
 
 
 


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Jahreswechsel

01.01.2017 16:53:04

 

 La Sainte Chapelle Paris

 

Allen Besuchern Dank für das Interesse im vergangenen Jahr

und meine besten Wünsche

 

 

 

 

 für ein

 

 

 

  friedliches und gesundes 2017

 
 


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Backstein gegen Kanonen

22.11.2016 09:59:07
          
Das Erscheinen von Kanonen auf den Schlachtfeldern gegen Ende des Mittelalters änderte vieles, vor allem in der Festungstechnik.

Die oft wenig starken Mauern und Stadttore, ausreichend zur Abwehr von Infanterie, brachen unter Vollkugeln aus Stein- und Eisen zusammen.

Das mussten schon die Verteidiger Konstantinopels erfahren. 1453 schoss ein Hagel von über hundert Kilogramm schweren Steinkugeln in den berühmten doppelten Mauerring eine Bresche für die Janitscharen des Sultans Mehmet II.. Konstantinopel fiel an das osmanische Reich.

 

Zingel stadtseitig

In Europa versuchten sich Burgen und Stadtbefestigungen mit halbkreisförmigen Artillerie-Türmen zu schützen. In der fast komplett erhaltenen mittelalterlichen Stadtbefestigung Neubrandenburgs (Mecklenburg-Vorpommern) bewacht ein Zingel mit dicken Mauern und Kanonen das Friedländer Doppeltor.

 
 
Zingel feldseitig

Eine Weiterentwicklung waren niedrigere Rundtürme mit Wehrplatte. Die dort aufgestellten Kanonen konnten im Gegensatz zu denen im Zingel in alle Richtungen feuern.

Doch auch das konnte den  Siegeszug der schweren Feuerwaffen nicht aufhalten, obwohl die neuzeitlichen  sternförmigen Bastionen mit Erdwällen, deren Reste vor den Städten noch häufiger zu sehen sind, ein Fortschritt waren.
 


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Mensch und Architektur

16.10.2016 15:09:01
 
In Laufe der letzten 20 Jahre bin ich in Europa viel gereist auf den Spuren der mittelalterlichen Architektur.

Ich habe sie tausendfach fotografieret. Die Darstellung der Baukunst war mir wichtig, Menschen störten eher.

Heute, ein bisschen gereift, beginne ich das anders zu sehen.
 
Hier zwei Beispiele, die mich nachdenklich stimmen:
 
Collegiata-Kirche von San Quirico d’Orcia

 
Eine mittelalterlich anmutende Szene in der sonnigen Südtoscana vor dem Westportal einer romanischen Kirche aus dem 12. Jh. Ein Ruhender auf den Stufen vor einer Fassade aus Naturstein.

Symbolik ist sehr präsent: Knotensäulen wehren Unheil ab, die Säulen auf dem Rücken der großen Wächter-Löwen stützen die Kirche, auch symbolisch. Das Flachrelief am Konsolensturz ist eine Mischung verschiedener Fabelwesen.

Ob der Mensch des 21. Jh. Interesse an und Sinn für die Arbeit der Baumeister vor rund 800 Jahren hatte?


Ein Gegensatz im eher trüben Vorpommern: Das gewaltige Backsteinportal aus dem 14. Jh.. Ein „kleiner“ Mensch schlendert vorbei ohne der gotischen Baukunst einen Blick zu gönnen. Keine Stufen bieten Gelegenheit zum Ausruhen.
 

Westportal Kollegiatskirche (Dom) St. Nikolai, Greifswald


 
Anders als in der Toskana wurde das 10-fach abgetreppte Portal von Zieglern und Maurern aus Kunststein gefertigt.
 
Sie fügten Tausende von in vorindustrieller Fertigung aus Lehm gebrannten und glasierten Formsteinen zu einem beeindruckenden Gewändeportal zusammen. Die Moderne kündigt sich an.

Was verbindet beide Szenen trotz aller Gegensätze? Ich meine: Der kleine Mensch vor den in jeder Hinsicht großen Werken mittelalterlicher Baukunst. Ein bisschen Demut wäre angesagt.
 


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