lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
  • Aktuelle Seite:  
  • Home
  • Blog

Werners Blog

Weibertreu

 

Bei Recherchen zum 12. Jh. stieß ich auf ein außergewöhnliches, gleichwohl historisch belegtes Ereignis.

 

Der Staufer Konrad III. (1138 – 1152), im ewigen Kampf gegen die Welfen, belagerte 1140 wochenlang deren Burg Weinsberg. Schließlich boten die Verteidiger die Kapitulation an. Die Bedingungen waren hart: Zerstörung der Burg, Hinrichtung der Männer. Den Frauen wurde freier Abzug gewährt und Mitnahme aller Güter, die sie tragen konnten.

 

 

(Wiki, Rosenzweig)

 

Die Tore öffneten sich. Heraus kamen die Frauen, auf dem Rücken - ihre Männer.

 

Das reisige Gefolge bedrängte den König, den Schwindel nicht zu akzeptieren. Der, sicherlich erstaunt, vielleicht humorbegabt, ließ Milde walten, eine herrscherliche Tugend schon damals.

 

Viele Dichter haben sich des Ereignisses angenommen, u.a. de Chamisso, Gebrüder Grimm, Brecht.

 




Konstantinopel

 

Angeregt durch einen Leser möchte ich auf zwei Bücher aufmerksam machen, die sich mit einer der interessantesten Städte der Antike und des Mittelalters beschäftigen.

Konstantinopel, das alte Byzanz, wurde oft bedroht. Durch Slawen, Awaren, Waräger (Wikinger), Perser – immer vergeblich.

Große Gefahr dann durch den Islam. 673/74 versuchte eine riesige arabische Flotte die Eroberung, 717 belagerten islamische Truppen ein Jahr lang die Stadt - vergeblich.

Von Kreuzfahrern 1204 erobert, blieb sie christlich.

Im 15. Jh. sah das mächtig gewordene osmanische Reich seine Chance.

Verglichen mit dem antiken Ostrom war der Stadtstaat nur noch ein Schatten seiner selbst, das Staatsgebiet winzig, umgeben von der Landmasse des inzwischen starken türkischen Reiches. Aber die Stadt war ein Symbol und immer noch reich hinter mächtigen Mauern.

Ein Versuch in 1422 scheiterte. Doch 1453 war der Islam nach blutigen Kämpfen am Ziel.

Es war eines der schwerwiegendsten Ereignisse des späten Mittelalters.

 

In der Form eines historischen Romans, gut recherchiert, beschreibt der Autor die Belagerung in 673/74:

Becker, Frank S., Sie kamen bis Konstantinopel, Verlag Philipp von Zabern, Mainz, 2009

(mit Zeittafel, Glossar und Karten.)

 

 

Eng an den historischen Fakten, die Situation beider Seiten beleuchtend, wird die endgültige Eroberung spannend beschrieben:

Crowley, Roger, Constantinople – The Last Great Siege, Faber and Faber Ltd., London, 2006

(mit Karten, Index, Quellenangaben)

 

Viel Spaß!

 




Magnet Kathedralen

 

20.000 täglich im Schnitt, mehr als 6 Millionen im Jahr!

 

Kann diese Besucherzahl des Kölner Domes von einer anderen mittelalterlichen Kathedrale in Europa übertroffen werden? Wohl kaum. Oder?

 

Oh ja. Zu meiner Überraschung hat die bedeutend kleinere Kathedrale Notre Dame in Paris über 10 Millionen Besucher im Jahr, bei einer Grundfläche von nur ~ 4800 qm, rund 2/3 der Grundfläche des Kölner Domes.

 

In diesem Jahr wird die Zahl der Besucher noch steigen. Notre Dame feiert ein Jubiläum: Vor 850 Jahren begannen die Bauarbeiten.

 

Als ich Notre Dame vor 50 Jahren besuchte, war ich ziemlich einsam dort. Der Massentourismus hatte noch nicht eingesetzt, und die Zahl der lediglich an der Besichtigung interessierten Kirchenbesucher war gering.

 

Eine Untersuchung der Fachhochschule Hannover gibt interessante Aufschlüsse, über Motive, Alter, Aufenthaltsdauer etc. der Besucher.

(http://www.kirche-im-tourismus.de/pages/archiv.php)

 




Bevölkerung mittelalterlicher Städte

Bei der Recherche zu den Profanbauten der Backsteingotik las ich, Lübeck sei zu dieser Zeit mit rund 25.000 Einwohnern die größte deutsche Stadt gewesen. 

Nun gibt es kaum ein Gebiet in dem zuverlässige Zahlen seltener sind. Schon schwierig ist es bei den deutschen und fast unmöglich bei den großen mittelalterlichen Zentren.

Ein Beispiel ist Córdoba. Für die Blüte des Kalifats um das Jahr 1000 schwanken die Zahlen von 100.000 bis zum Fünffachen oder darüber. Die meisten Fachleute halten Letzteres für falsch. Über 100.000 Einwohner der drei großen Religionen werden aber miteinander gelebt haben. Immerhin konkurrierte Córdoba mit Byzanz um den Titel der größten Stadt Europas.

 

Dramatisch war der Rückgang der Bevölkerung in manchen alten Römerstädten. Köln soll zwischen den Jahren 300 und 1000 nach Chr. ein Drittel der Einwohner verloren haben. Noch härter traf es Trier, dessen Einwohnerzahl zwischen dem 4. Jh. und dem 12. Jh. von ca. 70.000 auf ca. 10.000 geschrumpft sein soll. Es wird berichtet, daß nur noch die Hälfte der Fläche innerhalb der römischen Stadtmauern bebaut war und auf den freien Grundstücken Landwirtschaft betrieben wurde.

Doch bei aller Unsicherheit der Quellen: In unserem Fall war Köln mit 40-50.000 Einwohnern eindeutig die größere Stadt.  

 




800 Jahre gotischer Dom Magdeburg

Die Stadt feiert das Jubiläum mit der großen Ausstellung „Aufbruch in die Gotik“ im Kunsthistorischen Museum vom 31.08 bis 06.12.12.

Der Dom war der erste gotische Großbau in Deutschland, noch vor der Zisterzienser-Klosterkirche Eldena (heute Ruine), St. Elisabeth in Marburg und der Liebfrauenkirche in Trier.

Zwei sehr gut ausgestattete Bände zur Ausstellung sind zu ermäßigtem Preis im Buchhandel erhältlich.