lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
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Werners Blog

Der Meister von Cabestany

 
Cabestany, ein Dorf in der Ebene des Roussillon, verdankt seinen kunstgeschichtlichen Ruhm einem vagabundierenden Bildhauer und dessen Tympanon aus der 2. Hälfte des 12. Jh. in der Pfarrkirche.
 
 

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Wie so oft im Mittelalter bleibt er anonym. So gaben ihm die Kunsthistoriker des 20. Jh., wie vielen seiner Kollegen vor und nach ihm, einen Notnamen.

 

Sie versuchten seine Skulpturen nach charakteristischen Ähnlichkeiten zu identifizieren. Dem Laien fallen als erstes die überlangen Hände auf, aber auch der an die Antike erinnernde Faltenwurf und, wenn man genau hinsieht, die gebohrten Öffnungen in den Augenwinkeln.

 

Die wiederum erinnern an Kapitelle in Klöstern wie Serrabone, nicht mehr al 50 km Luftlinie westlich, in den Pyrenäen.

 

Die Kunsthistoriker konnten seinen Weg von der Toskana über Südfrankreich bis nach Navarra verfolgen und gaben uns damit einen Einblick in die Reisefreude mittelalterlicher Meister.

 

Ein großartiger Forschungserfolg.

 




Die Brücke von Alcántara

 
Beim Rückblick in die Geschichte am Jahresende 2012 fällt auf, daß zwei der „Jubiläen“ auf der iberischen Halbinsel spielen. Überhaupt ist die Zeit der Reconquista eine der farbigsten Ereignisse mittelalterlicher Geschichte.
 

brücke von alcantara

 

Darüber ist viel geschrieben worden. Eines der besten Bücher, die ich kenne, ist

 

Die Brücke von Alcántara von Frank Baer,

Albert Knaus Verlag, München, 1988

ISBN-Nr. 3-442-72087-7 - 889 Seiten –

 

Der hervorragend recherchierte Roman spielt im 11. Jahrhundert in der Zeit der Taifas, Stadtstaaten, die aus den Trümmern des Kalifats von Córdoba entstanden waren.

 

Ich habe das Buch kürzlich zum zweiten Mal gelesen und war wieder begeistert.

 

San Miguel de Escalada

 

Asturische Vorromanik

 

Alfonso III.

 




Schwarze Löcher

Bei den ersten Begegnungen mit Backsteinbauten rätselte ich über in regelmäßigen Abständen angeordnete schwarze Löcher in den Wänden.
 

 

Nach einer Weile wußte ich, es waren Rüstlöcher, die waagerechte Balken aufnahmen. Quer darüber gelegte Bohlen bildeten die Arbeitsebene.

 

Diese Auslegergerüste wurden später durch Stangengerüste abgelöst, gesichert durch senkrechte Pfosten und Streben. Stricke verbanden das Ganze.

 

Sobald die Höhe der Wand das Aufmauern einer weiteren Backsteinlage unmöglich machte, wurde das Gerüst entfernt und weiter oben unter Verwendung der gleichen Hölzer wieder aufgebaut. Die Löcher blieben in der Regel in der Wand.

 

 

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An der Marienkirche in Wismar haben Mittelalter-Liebhaber ein Stangengerüst nachgebaut.

 

Die Wiederverwendung der Hölzer hatte vor allem einen Grund: Holzmangel.

 

Riesige Urwälder waren Feldern und Wiesen gewichen. Der erhaltene Rest wurde stark beansprucht: Englische Wälder schwammen als Kriegsschiffe auf den Weltmeeren, ganze Forste verbrannten unter den Salzpfannen, z.B. in Lüneburg. Die riesigen Dachstühle der großen Kirchen verbrauchten viel Holz. Köhler und Glashütten hatten großen Bedarf, dazu kam der Hausbrand.

 

Siehe auch: Decken und Gewölbe

 

 




Bernhard von Clairvaux war der Gründer des Zisterzienserordens

 

Sie stutzen? Dann liegen Sie richtig. Aber diese Fehlmeldung liest und hört man immer wieder.

 

Bernhard, später heilig gesprochen, war einer der beeindruckendsten Männer seines Jahrhunderts. Den Gründerruhm aber hat er nicht verdient. Er war der vierte Abt des Gesamtordens.

 

Ordensgründer war Robert. Er wollte zurück zu den in Cluny vernachlässigten wahren Regeln des hl. Benedikt. Nach einigen Enttäuschungen in konventionellen Benediktinerabteien gründete er ein Kloster in Molesme. Nach internen Schwierigkeiten zog er 1098 mit 21 Mönchen ins ebenfalls burgundische Cîteaux. Papst Paschalis II. bestätigte den nach diesem „Ur-Kloster“ benannten Orden.

 

Bernhard trat erst 1112  mit 30 Gefährten als Novize ein, als Stephan Harding den Orden leitete. Schon 1115  wurde Bernhard Abt des Tochterklosters Clairvaux. Erst später wurde er zum Leiter des Gesamtordens gewählt.

 

Die Falschmeldung hängt wohl damit zusammen, daß mit Bernhards Eintritt die erstaunliche Ausdehnung begann. Gab es 1112 vier oder fünf Klöster, waren es 1153, bei seinem Tod, 365 Abteien. Fontenay (Bild) ist eine der Ältesten.

 

burgund

 




Basilika, Kathedrale, Dom, Münster

Eine verwirrende Vielfalt von Begriffen, wenn von großen Kirchen die Rede ist.

Einfach ist es bei der „Basilika“. Es ist die Bauform einer Kirche mit einem hohen Mittelschiff und 2 oder mehr niedrigeren Seitenschiffen. 5-schiffige Beispiele sind die Dome in Köln und Mailand.

Kathedralen und Dome sind Bischofskirchen, in der Regel große Basiliken. Die Bezeichnung Dom findet man im deutschen Sprachraum und in Italien.

Wie so oft: keine Regel ohne Ausnahmen. Im Sprachgebrauch werden manche großen oder für das Umfeld bedeutenden Kirchen als „Dome“ bezeichnet, obwohl sie keine Bischofskirchen sind. Da gibt es den „Altenberger Dom“, eine ehemalige Klosterkirche, den Sauerländer Dom in Attendorn, eine ehemalige Stiftskirche und viele andere, die streng genommen, die Bezeichnung „Dom“ nicht verdienen.

Das Wort Münster wird auf „monasterium“, also Kloster zurückgeführt. Anfangs den Gesamtkomplex meinend, blieb die Bezeichnung später der Klosterkirche vorbehalten. So werden Stiftskirchen oft als Münster bezeichnet, oder die Hauptkirchen wichtiger Städte, wie das Ulmer Münster.

Im südwestdeutschen Raum, werden auch Bischofskirchen als Münster bezeichnet, z.B. in Straßburg und Konstanz

Mag auch generell die Bezeichnung „Münster“ im Süden häufiger vorkommen, ist sie doch auch im Norden zu finden, so das Doberaner Münster, eine Zisterzienser Klosterkirche in Mecklenburg-Vorpommern, und das Herforder Münster in Ostwestfalen.

Es ist kompliziert, vor allen weil Traditionen und Volksmund eine Rolle spielen.

Im Gespräch mit Alteingesessenen ist aus der Erfahrung des Autors Vorsicht durchaus geboten. Es kann zu Unmut führen, wenn z.B. das Ulmer Münster als Dom bezeichnet wird.