lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
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Werners Blog

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

 Kürzlich lag wieder eines der gut aufgemachten Hefte (Monumente) im Briefkasten.

 

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz schickt 160.000 Exemplare seit mehr als 20 Jahren 6 mal jährlich an Spender. Die Schrift kann auch für Euro 36.00 p.a. abonniert werden.

 

Ein Probeheft ist kostenlos.

 

www.monumente-online.de

 

Die Stiftung, 1985 gegründet, hat als Vorbild den englischen National Trust. Beide bemühen sich mit Erfolg, denkmalgeschützte Bauten, aber auch Gärten, vor dem Verfall zu retten. Jüngere Bauten werden ebenso gefördert wie mittelalterliche.

 

Leider ist der Gründer und unermüdliche Motor, Prof. Gottfried Kiesow, vor kurzen verstorben.

 

Einer der bemerkenswertesten Schritte war für mich die Gründung der sogenannten Jugendbauhütten.  In verschiedenen Städten arbeiten junge Menschen unter fachlicher Anleitung im Rahmen des freiwilligen Jahres zur Denkmalpflege an der Restaurierung alter Bauten und Kunstwerke mit.

 

www.denkmalschutz.de/jugendbauhütte.html

 

Wer etwas für schützenswerte Monumente tun will - hier ist sein Geld gut aufgehoben.

 




Die Apokalyptischen Reiter

 

 

Was verbindet die "Baustilkunde", ein Werk zur europäischen Baukunst, mit dem "Sturz der apokalyptischen Reiter", einer ausdrucksstarken modernen Skulptur vor dem Landesmuseum in Detmold?

 

Beider Schöpfer ist Dr. Wilfried Koch, Kunsthistoriker, Bildhauer, Maler, Musiker, Schriftsteller und anderes mehr.

Die Taschenbuchausgabe "Baustilkunde" - "Das Standardwerk zur europäischen Baukunst von der Antike bis zur Gegenwart" in 2 Bänden begleitet mich seit fast 20 Jahren bei meinen Versuchen, mich in mittelalterlicher Baukunst zurechtzufinden. Arg mitgenommen liegt der erste Band "Sakralbau" auf meinem Schreibtisch.

Die Skulptur besuche ich immer, wenn ich in Detmold bin. Jetzt erfahre ich rein zufällig vom Zusammenhang und bewundere die Vielseitigkeit des Autors und Künstlers. www.lippisches-landesmuseum.de/
Koch, Wilfried: Baustilkunde, Sakralbau, Gütersloh, Bertelsmann Lexikon-Verlag, 1993
 

 




Nie erobert - Die Falkenburg

 

 

Etwa 500 Jahre träumten ihre Ruinen am Nordrand des Teutoburger Waldes, in der Nähe von Berlebeck. Viel war nicht übrig geblieben von einer der mächtigsten Höhenburgen Westfalens. Der Wald drohte Restmauern und Bauten völlig  zu überwachsen.

 

Erbaut um 1194 von Bernhard II. und seinem Sohn Hermann II. zur Lippe erhob sich die Burg zwischen den Besitzungen des Bistums Paderborn im Süden und lippischem Besitz im Norden.

 

Mit Ringmauer, 4 Toren, Zwinger und Zugbrücken gesichert, konnte sie nie eingenommen werden. Ein Brand während eines Festgelages des Edelherrn Bernhard VII. „Bellicosus“ aus Anlaß eines erfolgreichen Raubzuges ins Münsterland zerstörte sie Mitte des 15. Jh. weitgehend.

 

Einige Jahrzehnte war sie noch bewohnt, dann wurde sie ganz aufgegeben.

 

Erst 2004 begann eine Gruppe geschichtsbewußter und tatkräftiger Lipper mit Ausgrabungen und teilweisem Wiederaufbau. Auch der Laie kann sich heute - nur im Rahmen von Führungen - ein gutes Bild von einer der wichtigsten hochmittelalterlichen Burgen im Raum Westfalen machen.

 

Das Lippische Landesmuseum, Detmold zeigt im Rahmen der Ausstellung

 

„Die Falkenburg – Ursprung Lippes“

 

bis Ende 2013 Fundstücke von den Ausgrabungen.

 

www.falkenburg-lippe.de/fb/Startseite.html

 www.lippisches-landesmuseum.de/pages_neu/start.php

 




Empires and Barbarians

Ich habe gerade dieses 732-Seiten-Werk zugeklappt, ein Brocken, selbst für Geschichtsinteressierte.

Aber, es lohnt sich. Der Engländer Peter Heather, Professor für mittelalterliche Geschichte, legt eine Studie über die ersten 1000 Jahre europäischer Geschichte ab Christi Geburt vor. Gestützt auch auf die Forschungsergebnisse der Archäologie, bietet er ein zum Teil neues Bild dieser Epoche.

Das Wort „Völkerwanderung“ ist bei heutigen Forschern wie ihm verpönt. Aber der Autor beschreibt im Detail Migrationen der Zeit, analysiert, differenziert. Er zeigt, wie Migration schon damals aus dem Gefälle von Wohlstand und Entwicklung entstand und wie aus den Wirren nach dem Zerfall des römischen Reiches Europa geboren wird.

Ich fand besonders interessant die Kapitel über die Herkunft der Slawen und die Entstehung des russischen Reiches.

Heather schreibt flüssig, mit unverkennbarem britischen Humor. Kartenwerk, Fußnotenverzeichnis und Index fehlen nicht. Sehr empfehlenswert!

Das Buch liegt in deutscher Übersetzung vor: „Invasion der Barbaren"  




Barfußmönche im Tal der Seligen

 
 
Einige Jahre mußten ins Land gehen nach meinem Einzug in Siegburg, ehe mir bewußt wurde, welchem Kleinod der Bettelordensarchitektur, in Seligenthal unterhalb der Wahnbachtalsperre, ich hier nahe bin.
 
Um 1230, kurz nach dem Tod des Hl. Franziskus von Assisi (1181- 1226), kommen Minderbrüder ins Rheinland und finden im Grafenpaar Heinrich III. und Mechthild von Sayn wohltätige Gönner.
 
Die von Sayn, ein bedeutendes rheinisches Geschlecht, hausen am Ende des 12. Jh. auf einem Felssporn an der Sieg, auf dem sie Burg und Stadt Blankenberg gründen. Nicht immer im Einvernehmen mit dem Benediktinerkloster Siegburg und dem Kölner Erzbischof.
 
 
 
Das Grafenpaar läßt die Brüder auf ihrem Besitz im Wahntal um 1231 ein bescheidenes Kloster gründen, um 1231 wohl das erste Franziskanerkloster nördlich der Alpen.
 
Wie fühlten sich Franziskaner in dieser Waldeinsamkeit am Bach, ein Ort der Zisterzienser entzückt hätte. Die Regeln der Minderbrüder verlangten Predigt und Krankenpflege, und sie mußten betteln, um das Armutsgelübde zu erfüllen. Doch Publikum und Wohltäter fanden sie nicht weit von ihrer Klause auf der alten Fernstraße von Köln nach Frankfurt.
 
1255 konnten sie die St. Antonius Kirche weihen, die älteste Franziskanerkirche Deutschlands.
 
Sie ist nur 2-schiffig. Das südliche Mittelschiff war Teil des Kreuzgangs, der mit anderen Klostergebäuden später errichtet wurde.
 
Kunsthistorisch steht der Bau im Übergang zwischen rheinischer Spätromanik und Gotik. Fächerfenster, Rundbogenfries, sowie Nischen im Giebel der Westfront sind spätromanisch, Rippengewölbe und angedeutete Spitzbögen im Innenraum gotisch.
 
Trotz wiederholter Restaurierungen vermittelt der Bau heute ein charakteristisches Bild der ursprünglichen Kirche. Bemerkenswert ist die sehr schöne Farbgebung, nach dem Vorbild originaler Putz- und Farbreste.