lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
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Werners Blog

Nie erobert - Die Falkenburg

 

 

Etwa 500 Jahre träumten ihre Ruinen am Nordrand des Teutoburger Waldes, in der Nähe von Berlebeck. Viel war nicht übrig geblieben von einer der mächtigsten Höhenburgen Westfalens. Der Wald drohte Restmauern und Bauten völlig  zu überwachsen.

 

Erbaut um 1194 von Bernhard II. und seinem Sohn Hermann II. zur Lippe erhob sich die Burg zwischen den Besitzungen des Bistums Paderborn im Süden und lippischem Besitz im Norden.

 

Mit Ringmauer, 4 Toren, Zwinger und Zugbrücken gesichert, konnte sie nie eingenommen werden. Ein Brand während eines Festgelages des Edelherrn Bernhard VII. „Bellicosus“ aus Anlaß eines erfolgreichen Raubzuges ins Münsterland zerstörte sie Mitte des 15. Jh. weitgehend.

 

Einige Jahrzehnte war sie noch bewohnt, dann wurde sie ganz aufgegeben.

 

Erst 2004 begann eine Gruppe geschichtsbewußter und tatkräftiger Lipper mit Ausgrabungen und teilweisem Wiederaufbau. Auch der Laie kann sich heute - nur im Rahmen von Führungen - ein gutes Bild von einer der wichtigsten hochmittelalterlichen Burgen im Raum Westfalen machen.

 

Das Lippische Landesmuseum, Detmold zeigt im Rahmen der Ausstellung

 

„Die Falkenburg – Ursprung Lippes“

 

bis Ende 2013 Fundstücke von den Ausgrabungen.

 

www.falkenburg-lippe.de/fb/Startseite.html

 www.lippisches-landesmuseum.de/pages_neu/start.php

 




Empires and Barbarians

Ich habe gerade dieses 732-Seiten-Werk zugeklappt, ein Brocken, selbst für Geschichtsinteressierte.

Aber, es lohnt sich. Der Engländer Peter Heather, Professor für mittelalterliche Geschichte, legt eine Studie über die ersten 1000 Jahre europäischer Geschichte ab Christi Geburt vor. Gestützt auch auf die Forschungsergebnisse der Archäologie, bietet er ein zum Teil neues Bild dieser Epoche.

Das Wort „Völkerwanderung“ ist bei heutigen Forschern wie ihm verpönt. Aber der Autor beschreibt im Detail Migrationen der Zeit, analysiert, differenziert. Er zeigt, wie Migration schon damals aus dem Gefälle von Wohlstand und Entwicklung entstand und wie aus den Wirren nach dem Zerfall des römischen Reiches Europa geboren wird.

Ich fand besonders interessant die Kapitel über die Herkunft der Slawen und die Entstehung des russischen Reiches.

Heather schreibt flüssig, mit unverkennbarem britischen Humor. Kartenwerk, Fußnotenverzeichnis und Index fehlen nicht. Sehr empfehlenswert!

Das Buch liegt in deutscher Übersetzung vor: „Invasion der Barbaren"  




Barfußmönche im Tal der Seligen

 
 
Einige Jahre mußten ins Land gehen nach meinem Einzug in Siegburg, ehe mir bewußt wurde, welchem Kleinod der Bettelordensarchitektur, in Seligenthal unterhalb der Wahnbachtalsperre, ich hier nahe bin.
 
Um 1230, kurz nach dem Tod des Hl. Franziskus von Assisi (1181- 1226), kommen Minderbrüder ins Rheinland und finden im Grafenpaar Heinrich III. und Mechthild von Sayn wohltätige Gönner.
 
Die von Sayn, ein bedeutendes rheinisches Geschlecht, hausen am Ende des 12. Jh. auf einem Felssporn an der Sieg, auf dem sie Burg und Stadt Blankenberg gründen. Nicht immer im Einvernehmen mit dem Benediktinerkloster Siegburg und dem Kölner Erzbischof.
 
 
 
Das Grafenpaar läßt die Brüder auf ihrem Besitz im Wahntal um 1231 ein bescheidenes Kloster gründen, um 1231 wohl das erste Franziskanerkloster nördlich der Alpen.
 
Wie fühlten sich Franziskaner in dieser Waldeinsamkeit am Bach, ein Ort der Zisterzienser entzückt hätte. Die Regeln der Minderbrüder verlangten Predigt und Krankenpflege, und sie mußten betteln, um das Armutsgelübde zu erfüllen. Doch Publikum und Wohltäter fanden sie nicht weit von ihrer Klause auf der alten Fernstraße von Köln nach Frankfurt.
 
1255 konnten sie die St. Antonius Kirche weihen, die älteste Franziskanerkirche Deutschlands.
 
Sie ist nur 2-schiffig. Das südliche Mittelschiff war Teil des Kreuzgangs, der mit anderen Klostergebäuden später errichtet wurde.
 
Kunsthistorisch steht der Bau im Übergang zwischen rheinischer Spätromanik und Gotik. Fächerfenster, Rundbogenfries, sowie Nischen im Giebel der Westfront sind spätromanisch, Rippengewölbe und angedeutete Spitzbögen im Innenraum gotisch.
 
Trotz wiederholter Restaurierungen vermittelt der Bau heute ein charakteristisches Bild der ursprünglichen Kirche. Bemerkenswert ist die sehr schöne Farbgebung, nach dem Vorbild originaler Putz- und Farbreste.  
 




L'Art est inséparable de la Vie

 

Diese Lebensweisheit verfolgte mich auf Schritt und Tritt, als ich im Mai Paris besuchte, um ein Jubiläum zu feiern: Vor 50 Jahren hatte ich ein Jahr in der Stadt an der Seine verbracht.

 

Es war die Zeit der OAS, der „Organisation de l’Armée Secrète.“ Teile der Armee und Pied-noirs wollten mit Bomben, Attentaten und Terror die von de Gaulle versprochene algerische Unabhängikeit verhindern. Nachts hörten wir Explosionen, tagsüber Vorlesungen in französischer Literatur. Gelegentlich schaute man in die Mündungen der Maschinenpistolen nervöser Gendarmerie-Doppelstreifen. Da war es sinnvoll, den Ausweis dabei zu haben und ihn  s e h r  vorsichtig zu ziehen.

 

Interessanter die Exkursionen, die wir, junge Leute aus aller Welt, in Paris und Umgebung mit unserem Kunst- und Geschichtslehrer, Monsieur Küss, unternahmen. Der ältere Herr war Elsässer mit fundierten Kenntnissen der französischen Geschichte, die er nimmermüde und voller Enthusiasmus in Versailles, den Tuilerien oder dem Invalidendom über uns ausgoß. Unvergessen der invalide Polizeioffizier in Paradeuniform im Panthéon, der mit Grandezza den verbliebenen Arm unter der Pelerine hervorfuhr und intonierte „Voici repose Jean-Jacques Rousseau.“

 

Selbst Profi-Maler, schilderte uns Küss in den Gemäldegalerien den Kampf seiner Kollegen mit der leeren Leinwand und zeigte, wie die Großen seiner Kunst mit Form und Farbe umgingen. Und immer wieder betonte er an Beispielen wie eng Kunst und Geschichte zusammenhängen. „L’art est inséparable de la vie.“

 

Mir machten die Vorlesungen und Exkursionen zu den Kathedralen den größten Eindruck.

 

Vor jedem Besuch die Baugeschichte, immer vor dem Hintergrund der jeweiligen politischen Situation. „L’art est inséparable de la vie,“ rief uns Küss wieder zu.

 

Dann Konstruktionsmerkmale und Fachvokabular. Letzteres schwierig. Die „voûtes en croisée d’ogives „ und „voûtes en berceau“ forderten uns ebenso wie die „églises à double chevet“ und die „chapelles rayonnantes“. Nach der Exkursion dann Aufarbeitung und Diskussion.

 

Unvergeßlich der Ausflug nach Chartres im Jahre 1962 an einem heißen Sommertag, den ich 50 Jahre lang in der Erinnerung als zauberhaft bewahrte.

 

Und 2012?

Die Jahre haben sowohl der Kathedrale als auch mir zugesetzt, stelle ich fest. Der Chor nicht zugänglich. Die Statuen ein wenig mehr verwittert. Der Zauber verflogen. Nur Monsieur Küss sehe ich, der mit erhobenem Arm die „voûtes en croisée d’ogives“ erklärt.

 




Abschied Benediktiner Siegburg

 

Vor 948 Jahren gründete Erzbischof Anno II. von Köln das Benediktinerkloster auf dem Michaelsberg - damals Siegberg - über der Stadt Siegburg.

 

Wenig später zogen Mönche ein und blieben mit kurzen Unterbrechungen bis jetzt.

 

Nach dem Jahre 2012 ist ein Benediktiner-Konvent hier Geschichte, besonders schmerzlich für einen Orden, der „Stabilitas“ zu einem seiner Grundsätze machte. Im Normalfall sterben Benediktiner in dem Kloster, in das sie eingetreten sind.

 

Die Gebäude bleiben erhalten. Die schwarz gekleideten immer freundlichen Fratres und Patres verkörperten in Siegburg Geschichte und erinnerten uns durch bloße Präsenz an Tugenden, wie Bescheidenheit, Disziplin und Spiritualität.

 

siegburg