lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
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Werners Blog

Durchblicke

Wer stand noch nicht fröstelnd in alten Gemäuern, schaute auf die gähnenden Fensteröffnungen und fragte sich, womit man sie bei schlechtem Wetter oder im Winter verschloß. Die bekannten Möglichkeiten (Holzläden, Tierhäute oder Pergament) ließen keine Vision von Behaglichkeit aufkommen.

 

Da sind Transennen solider und eleganter. Schon in der Spätantike verwendete man sie, aber auch im frühen Mittelalter.

 

Ich nahm die ornamentalen Öffnungen, aus flachen Steinplatten herausgeschnitten und mit dünnen Alabasterscheiben hinterlegt, erstmals bewußt in asturischen Kirchen wahr.

 

Auch aus Stuck wurden Transennen gefertigt.

 

 

San Salvador de Priesca - Weihe 921

 

Besonders an Sonnentagen ergeben sich vom Innenraum aus schöne Effekte. Sogar die Ornamentmuster der Steinplatte sind zu erahnen.

 

 

 

mod AP 5784

 Santa Christina de Lena - um 850

 

 

Bei diesem Bild fragt sich der Betrachter, ob um 1200 die „Erfinder“ des Plattenmaßwerks sich an Transennen orientiert haben. Auch sie schnitten Lochornamente in Platten und schufen damit die Vorläufer des eleganten gotischen Maßwerks.

 
 
 




Eine runde Sache

Im Jahre 2013 hat die Besucherzahl dieser Seite erstmals die
 

100.000

 
überschritten.
 
 
Allen Besuchern Dank für ihr Interesse und die besten Wünsche für ein
 

Gutes und erfolgreiches Neues Jahr




Backsteinromanik

 

„Wie bitte ?

"Der Mann meint Backsteingotik.“ Werden Sie sagen.

Nein, es gibt Romanik in wenigen frühen Bauten des 12. Jahrhunderts, ehe die Gotik diesen Stil auch in der Backsteinarchitektur ablöste.

 

      

 

Den wohl ältesten Bau finden wir in den Elbniederungen in Jerichow (Sachsen-Anhalt). Die ehemalige Stiftskirche des Prämonstratenser-Ordens besticht außen am Chor durch zurückhaltende Harmonie und durch einen wehrhaften Westbau.

Im Inneren der Säulenbasilika mit flacher Holzdecke bezaubern die warmen Rottöne des Steins und eine schöne Krypta mit Kreuzgratgewölbe und skulptierten Kapitellen. Baubeginn der Kirche war um 1250. Ein Kreuzgang und Klostergebäude aus dem 13. Jh. sind erhalten.

Auch sehenswert in diesem Zusammenhang ist der romanische Backsteindom in Ratzeburg, Schleswig-Holstein.

 




Das Ende der Bescheidenheit

 

Wir gehen in der Regel bedauernd davon aus, daß die großen Künstler des Mittelalters anonym blieben. Kunsthistoriker sind oft gezwungen, den Schöpfern von Bildern, Skulpturen, Domen Notnamen zu geben, z.B. „Meister von Cabestany“, „Naumburger Meister“, um nur zwei von Hunderten zu nennen.

 

Neuere Forschungen zeigen Lücken in der Anonymität mittelalterlicher Meister auf. Insbesondere in Malerei und Buchmalerei gibt es versteckte Hinweise.

 

Anonym blieben wohl auch die Bildhauer bis ins hohe Mittelalter. Berühmt ist die Inschrift im West-Tympanon der Kathedrale St. Lazare von Autun, in der uns ein Gislebertus mit „Gislebertus hoc fecit“ entgegen tritt (12. Jh.). Es ist unklar, ob es der Stifter oder Bildhauer war, der hier seine Anonymität preisgab.

 

 

 

 

Im Spätmittelalter wurde die Zurückhaltung aufgegeben. In vielen Kirchen haben sich die Meister verewigt, oft mit Selbstbildnissen. Eines der schönsten ist in der Lorenzkirche in Nürnberg zu sehen: Der ernst blickende Meister Adam Kraft zeigt sich mit seinem Werkzeug in Gesellschaft seiner Gesellen, ein von ihm geschaffenes Sakramentshäuschen tragend. (15. Jh.)

 




Die kleinste Kathedrale der Welt

 

Welch ein ungewöhnlicher Superlativ, kennen wir doch Kathedralen im allgemeinen als Großbauten.

 

Zentrum des Kirchleins Sveti Križ (Heilig-Kreuz-Kirche) in Nin, Kroatien mit 60 qm Grundfläche ist eine Rotunde in der Mitte eines griechischen Kreuzes. Der dem Eingang mit Glockenstuhl gegenüber liegende Kreuzarm, flankiert von je einer Apside, war wohl Altarraum. Von Blendnischen abgesehen, ist der Bau heute fast schmucklos.

 

 

Foto: Konstantin Zurawski, Köln

 

Zum Versuch, die Frage zu klären, ob er einen Bischofsstuhl beherbergte, was allein den Titel „Kathedrale“ rechtfertigen würde, müssen wir uns in das 9. Jh. zurückversetzen. Großbauten waren selten, jedenfalls in abgelegenen Gebieten, Steinbauten auch. Aber Nin war der erste Königssitz Kroatiens und die Bischöfe dort spielten eine große politische Rolle. Bischof Gregor von Nin soll Kanzler des Königreiches Kroatien gewesen sein.

 

Die Größe war auch nicht ungewöhnlich, wie das Beispiel aus einer anderen abgelegenen Ecke Europas zeigt. St. Laurence war etwa gleich groß.  St-laurence-bradford-on-avon

 

Ist also der Anspruch glaubhaft?

 

Einen historischen Beleg für einen Bischofsstuhl gibt es nicht. Doch es gab Bischöfe in diesem Zentrum der Macht, historisch verbürgt. Sie hatten eine Bischofskirche. Andere Steinbauten aus dieser Zeit gibt es nicht in Nin. Bliebe eine Holzkirche, eine Möglichkeit, die wir nicht vergessen sollten.

 

 

Crkva svetoga Kriza17 jmodAP

Foto: Konstantin Zurawski, Köln
 

 

Wir können die Frage nach der Richtigkeit des Superlativs nicht beantworten, aber gönnen wir doch dem ehrwürdigen Bau und dem neuen EU-Mitgliedsstaat den Titel, zumal die übrigen Europäer es damit auch nicht so genau nehmen. (siehe Beitrag unten)