lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
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Werners Blog

Wasserspiele

 

 

 

Nachdem die Benediktiner in Cluny über dem Beten in prunkvollen Gewändern das Arbeiten vergessen hatten, gründeten als voraussehbare Reaktion protestierende Mönche unter Robert de Molesme einen Reformorden, ab etwa 1100 als Zisterzienser bekannt. Bei ihnen stand die erste Forderung des hl Benedikt von Nursia, das Arbeiten, im Vordergrund.

 

Die weißen Mönche waren vielseitig. Als Reaktion auf das Verbot jeglicher Skulpturen, bearbeiteten sie die Steine ihrer Kirchen mit unglaublicher Sorgfalt. Sie waren großartige Landwirte und liebten das Wasser. Viele Zisterzienserklöster wurden in einsamen wasserreichen Waldtälern gegründet. Die Mönche schätzten das Wasser als Energiequelle, als Grundlage der Fischzucht, als Mittel zur Abfallentsorgung. Und natürlich brauchten sie Wasser für Küche und Hygiene.

 

 

 

 

In ihren Kreuzgängen errichteten sie für Waschungen vor dem Gebet prachtvolle Brunnenhäuser, wie das oben gezeigte in Maulbronn aus dem 13. und 14. Jh. Allerdings ist nur die untere der 3 Schalen mittelalterlich.

 

Andere Beispiele finden sich in Zwettl und Heiligenkreuz.

 
 




Durchblicke

Wer stand noch nicht fröstelnd in alten Gemäuern, schaute auf die gähnenden Fensteröffnungen und fragte sich, womit man sie bei schlechtem Wetter oder im Winter verschloß. Die bekannten Möglichkeiten (Holzläden, Tierhäute oder Pergament) ließen keine Vision von Behaglichkeit aufkommen.

 

Da sind Transennen solider und eleganter. Schon in der Spätantike verwendete man sie, aber auch im frühen Mittelalter.

 

Ich nahm die ornamentalen Öffnungen, aus flachen Steinplatten herausgeschnitten und mit dünnen Alabasterscheiben hinterlegt, erstmals bewußt in asturischen Kirchen wahr.

 

Auch aus Stuck wurden Transennen gefertigt.

 

 

San Salvador de Priesca - Weihe 921

 

Besonders an Sonnentagen ergeben sich vom Innenraum aus schöne Effekte. Sogar die Ornamentmuster der Steinplatte sind zu erahnen.

 

 

 

mod AP 5784

 Santa Christina de Lena - um 850

 

 

Bei diesem Bild fragt sich der Betrachter, ob um 1200 die „Erfinder“ des Plattenmaßwerks sich an Transennen orientiert haben. Auch sie schnitten Lochornamente in Platten und schufen damit die Vorläufer des eleganten gotischen Maßwerks.

 
 
 




Eine runde Sache

Im Jahre 2013 hat die Besucherzahl dieser Seite erstmals die
 

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überschritten.
 
 
Allen Besuchern Dank für ihr Interesse und die besten Wünsche für ein
 

Gutes und erfolgreiches Neues Jahr




Backsteinromanik

 

„Wie bitte ?

"Der Mann meint Backsteingotik.“ Werden Sie sagen.

Nein, es gibt Romanik in wenigen frühen Bauten des 12. Jahrhunderts, ehe die Gotik diesen Stil auch in der Backsteinarchitektur ablöste.

 

      

 

Den wohl ältesten Bau finden wir in den Elbniederungen in Jerichow (Sachsen-Anhalt). Die ehemalige Stiftskirche des Prämonstratenser-Ordens besticht außen am Chor durch zurückhaltende Harmonie und durch einen wehrhaften Westbau.

Im Inneren der Säulenbasilika mit flacher Holzdecke bezaubern die warmen Rottöne des Steins und eine schöne Krypta mit Kreuzgratgewölbe und skulptierten Kapitellen. Baubeginn der Kirche war um 1250. Ein Kreuzgang und Klostergebäude aus dem 13. Jh. sind erhalten.

Auch sehenswert in diesem Zusammenhang ist der romanische Backsteindom in Ratzeburg, Schleswig-Holstein.

 




Das Ende der Bescheidenheit

 

Wir gehen in der Regel bedauernd davon aus, daß die großen Künstler des Mittelalters anonym blieben. Kunsthistoriker sind oft gezwungen, den Schöpfern von Bildern, Skulpturen, Domen Notnamen zu geben, z.B. „Meister von Cabestany“, „Naumburger Meister“, um nur zwei von Hunderten zu nennen.

 

Neuere Forschungen zeigen Lücken in der Anonymität mittelalterlicher Meister auf. Insbesondere in Malerei und Buchmalerei gibt es versteckte Hinweise.

 

Anonym blieben wohl auch die Bildhauer bis ins hohe Mittelalter. Berühmt ist die Inschrift im West-Tympanon der Kathedrale St. Lazare von Autun, in der uns ein Gislebertus mit „Gislebertus hoc fecit“ entgegen tritt (12. Jh.). Es ist unklar, ob es der Stifter oder Bildhauer war, der hier seine Anonymität preisgab.

 

 

 

 

Im Spätmittelalter wurde die Zurückhaltung aufgegeben. In vielen Kirchen haben sich die Meister verewigt, oft mit Selbstbildnissen. Eines der schönsten ist in der Lorenzkirche in Nürnberg zu sehen: Der ernst blickende Meister Adam Kraft zeigt sich mit seinem Werkzeug in Gesellschaft seiner Gesellen, ein von ihm geschaffenes Sakramentshäuschen tragend. (15. Jh.)