lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
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Werners Blog

Einsäulenräume

 

Einsäulenräume sind nicht häufig, aber oft imponierend.

 

An den Beispielen wird deutlich, welche Entwicklung mittelalterliche Architektur in rund 400 Jahren genommen hat.

 

 

Hier eine Krippenkrypta in den Pyrenäen aus dem 11. Jh., im Kloster Saint-Michel-de-Cuxa. Die gewaltige Ringtonne mit 9 m Durchmesser stützte eine nicht erhaltene Dreifaltigkeitskapelle. Die Säule soll einen Durchmesser von 1,8 m haben. Das ist erdverhaftet und mystisch und sehr beeindruckend.

 

 

 

Dort - wie anders - das Kapitelhaus (chapter house) in der Kathedrale von Wells, dem ersten Bau reiner englischer Gotik. Obwohl der Bau der Kathedrale schon im 12. Jh. begann, baute man das Kapitelhaus mehr als 100 Jahre später.

 

Nichts deutet auf Erdenschwere. Alles strebt himmelwärts. 32 Rippen steigen von der einen schlanken Säule auf in alle Richtungen und entfalten sich zum eleganten  Fächergewölbe.

 

 

 




Knotensäulen

 

Sie sind selten, nur in Italien etwas häufiger anzutreffen.

Meist werden sie so dargestellt als seien 2 Säulen durch Knoten miteinander verbunden.

Es gibt viel Mystik um diese Skulpturen aus der Romanik.  Knoten stehen als Symbol für Festhalten/Verbinden. Die Knotensäulen aber werden mit „Abwehrzauber“ und Freimaurern in Verbindung gebracht.

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San Pietro, Gropina, Tuscany

 

In der schönen Pfarrkirche San Pietro in Gropina, ebenfalls Südtoscana, steht die Knotensäule genau am Scheitelpunkt der Chor-Zwergalerie. Im Inneren schmückt eine Weitere den Altar.

 

S Quirico OrciaSüdtosk small 043Tos1(1)San Quirico, Orcia, Tuscany

Oft findet man sie an Eingängen von Gebäuden, wie hier am Portal von San Quirico in Orcia (Südtoscana)

 

In Deutschland stehen sie im Würzburger Dom..

 

Was aber würden die Alten Griechen zu den Künsten ihrer mittelalterlichen Kollegen sagen?

 

 

 

 




Die Schöne im Tal

 
Etwa 15 km nordwestlich von Caen liegt in einem stillen Tal ein Kleinod normannischer Baukunst, die Pfarrkirche von St. Pierre de Thaon. Ein Bächlein rauscht, Bäume werfen ihren Schatten auf den alten Bau. Auf saftigen Wiesen weiße Rinder.
 

 

 

Es ist so romantisch wie beschrieben. Eigentlich ein idealer Platz für eine Zisterzienserkirche, doch den Orden gab es noch nicht.

 

In der Kirche aus der zweiten Hälfte des 11. Jh., einer Zeit in der auch die berühmten Klöster Wilhelm des Eroberers, St. Etienne und Sainte-Trinité in Caen errichtet wurden, traf sich eine weit verstreute Gemeinde zum Gottesdienst.

 

Im Kern ist der Bau fast unverändert, nur die Seitenschiffe wurden im 18. Jh. abgerissen, die Arkaden zugemauert.

 

Bemerkenswert sind Bauschmuck und Turm.

 

 

Eine gute Beschreibung findet sich in:

 

Musset, Lucien, Romanische Normandie (West), Echter Verlag, Würzburg, 1989

 

Die Kirche wird sehr zurückhaltend restauriert. Innen finden Ausgrabungen statt. Besichtigungen sollen nach Anmeldung möglich sein. Eine Gruppe von Enthusiasten bemüht sich um den Erhalt des alten Gotteshauses.

 

http://vieilleeglisedethaon.free.fr/

 




Das Kreuz auf den Märkten

 

 

Die Gewährung des Marktrechts durch Könige und andere Fürsten war im MA ein ungemein wichtiges wirtschaftliches Privileg, egal ob es sich um ständige Märkte, Wochen- oder Jahrmärkte handelte. Neben den Kaufleuten profitierten Städte und Landesherren von Abgaben und Zöllen.

 

Meist wurde das Marktrecht zusammen mit dem Stadtrecht verliehen. Auch die Verleihung des Münzrechtes in diesem Zusammenhang war üblich.

 

Fahnen oder Marktkreuze markierten den Marktplatz, an dem auch das Rathaus lag. Der Marktfrieden wurde durch den Landesherren geschützt.

 

 
   Kreuz mit Turm der Marktkirche

(Wiki – Kurt Wichmann)

 

Die Kreuze waren mehr oder weniger aufwendig. Relativ schlicht ist das älteste Marktkreuz Europas in Trier, verliehen vom Erzbischof Heinrich I. im Jahre 958.

 

Im Gegensatz zu Kontinental-Europa, waren Marktkreuze in England häufig. Oft waren es nicht nur Kreuze, sondern offene, begehbare Bauten, reich skulptiert, wie das gotische „Kreuz“ in Salisbury.

 

 

Salisbury - Poultry Cross, 14. Jh.

 

Diese Stadt hatte sogar 4 Kreuze für ebenso viele Teilmärkte. Neben dem „Geflügelkreuz“ (poultry cross) oben, solche für Käse und Wolle. Die Bauten demonstrierten Reichtum der Bürger und Kaufleute.

 

 

 




Wieviel kostet der Kölner Dom

 

Mit einem Ferienkind besuchen wir den Dom. Wir umrunden ihn, staunen über die Westfassade mit den zweithöchsten Kirchtürmen Deutschlands, bewundern das Strebewerk, stellen fest, daß die Nordseite weniger Bauschmuck trägt, als die zur Stadt gewandte Südseite, schauen uns die Bronzetüren in der Querhausfassade dort an.

Frauke findet den Innenraum fast noch beeindruckender, fragt nach dem Richter-Fenster und betrachtet es kommentarlos. Ich zeige ihr ungefragt den Schrein der Heiligen Drei Könige und das Gerokreuz.

Und dann kommt irgendwann die Frage. „Was kostet denn so ein Dom?“ Und ich gestehe, ich wußte keine Antwort, wohl aber, wo ich sie finde.

Professor Wolff, der ehemalige Dombaumeister, schätzte 1998 (Zitat: „Natürlich haben wir darüber auch schon spekuliert.“) einen Neubau auf etwa 5,6 Milliarden DM, eine für mich damals ungeheure Summe.

Inzwischen, abgestumpft durch teure Rettungsschirme, nehmen sich die > 2,5 Milliarden Euro schon irgendwie bescheiden aus.

Und wenn man nur bedenkt, daß sich die Kosten der Dombauhütte z. Zt. jährlich auf 6-7 Millionen Euro belaufen, ferner unterstellt, daß sie in den letzten 50 Jahren ähnlich hoch waren, kommen wir in diesem kurzen Zeitraum schon auf >300 Millionen Euro. Das läßt die obige Summe schon realistischer erscheinen.

Die tatsächlichen Baukosten über die Jahrhunderte aber sind kaum zu ermitteln. Allein für die Vollendung des Baues im 19. Jh. mußten 8 Millionen Taler ausgegeben werden, also ca. 2.8 Mrd. DM.

Wolff, Arnold, Interview in Ibykus Nr. 64 (3/1998) aus Anlaß des 750. Jahrestages der Grundsteinlegung

 




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