lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
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Werners Blog

Die Schöne im Tal

 
Etwa 15 km nordwestlich von Caen liegt in einem stillen Tal ein Kleinod normannischer Baukunst, die Pfarrkirche von St. Pierre de Thaon. Ein Bächlein rauscht, Bäume werfen ihren Schatten auf den alten Bau. Auf saftigen Wiesen weiße Rinder.
 

 

 

Es ist so romantisch wie beschrieben. Eigentlich ein idealer Platz für eine Zisterzienserkirche, doch den Orden gab es noch nicht.

 

In der Kirche aus der zweiten Hälfte des 11. Jh., einer Zeit in der auch die berühmten Klöster Wilhelm des Eroberers, St. Etienne und Sainte-Trinité in Caen errichtet wurden, traf sich eine weit verstreute Gemeinde zum Gottesdienst.

 

Im Kern ist der Bau fast unverändert, nur die Seitenschiffe wurden im 18. Jh. abgerissen, die Arkaden zugemauert.

 

Bemerkenswert sind Bauschmuck und Turm.

 

 

Eine gute Beschreibung findet sich in:

 

Musset, Lucien, Romanische Normandie (West), Echter Verlag, Würzburg, 1989

 

Die Kirche wird sehr zurückhaltend restauriert. Innen finden Ausgrabungen statt. Besichtigungen sollen nach Anmeldung möglich sein. Eine Gruppe von Enthusiasten bemüht sich um den Erhalt des alten Gotteshauses.

 

http://vieilleeglisedethaon.free.fr/

 




Das Kreuz auf den Märkten

 

 

Die Gewährung des Marktrechts durch Könige und andere Fürsten war im MA ein ungemein wichtiges wirtschaftliches Privileg, egal ob es sich um ständige Märkte, Wochen- oder Jahrmärkte handelte. Neben den Kaufleuten profitierten Städte und Landesherren von Abgaben und Zöllen.

 

Meist wurde das Marktrecht zusammen mit dem Stadtrecht verliehen. Auch die Verleihung des Münzrechtes in diesem Zusammenhang war üblich.

 

Fahnen oder Marktkreuze markierten den Marktplatz, an dem auch das Rathaus lag. Der Marktfrieden wurde durch den Landesherren geschützt.

 

 
   Kreuz mit Turm der Marktkirche

(Wiki – Kurt Wichmann)

 

Die Kreuze waren mehr oder weniger aufwendig. Relativ schlicht ist das älteste Marktkreuz Europas in Trier, verliehen vom Erzbischof Heinrich I. im Jahre 958.

 

Im Gegensatz zu Kontinental-Europa, waren Marktkreuze in England häufig. Oft waren es nicht nur Kreuze, sondern offene, begehbare Bauten, reich skulptiert, wie das gotische „Kreuz“ in Salisbury.

 

 

Salisbury - Poultry Cross, 14. Jh.

 

Diese Stadt hatte sogar 4 Kreuze für ebenso viele Teilmärkte. Neben dem „Geflügelkreuz“ (poultry cross) oben, solche für Käse und Wolle. Die Bauten demonstrierten Reichtum der Bürger und Kaufleute.

 

 

 




Wieviel kostet der Kölner Dom

 

Mit einem Ferienkind besuchen wir den Dom. Wir umrunden ihn, staunen über die Westfassade mit den zweithöchsten Kirchtürmen Deutschlands, bewundern das Strebewerk, stellen fest, daß die Nordseite weniger Bauschmuck trägt, als die zur Stadt gewandte Südseite, schauen uns die Bronzetüren in der Querhausfassade dort an.

Frauke findet den Innenraum fast noch beeindruckender, fragt nach dem Richter-Fenster und betrachtet es kommentarlos. Ich zeige ihr ungefragt den Schrein der Heiligen Drei Könige und das Gerokreuz.

Und dann kommt irgendwann die Frage. „Was kostet denn so ein Dom?“ Und ich gestehe, ich wußte keine Antwort, wohl aber, wo ich sie finde.

Professor Wolff, der ehemalige Dombaumeister, schätzte 1998 (Zitat: „Natürlich haben wir darüber auch schon spekuliert.“) einen Neubau auf etwa 5,6 Milliarden DM, eine für mich damals ungeheure Summe.

Inzwischen, abgestumpft durch teure Rettungsschirme, nehmen sich die > 2,5 Milliarden Euro schon irgendwie bescheiden aus.

Und wenn man nur bedenkt, daß sich die Kosten der Dombauhütte z. Zt. jährlich auf 6-7 Millionen Euro belaufen, ferner unterstellt, daß sie in den letzten 50 Jahren ähnlich hoch waren, kommen wir in diesem kurzen Zeitraum schon auf >300 Millionen Euro. Das läßt die obige Summe schon realistischer erscheinen.

Die tatsächlichen Baukosten über die Jahrhunderte aber sind kaum zu ermitteln. Allein für die Vollendung des Baues im 19. Jh. mußten 8 Millionen Taler ausgegeben werden, also ca. 2.8 Mrd. DM.

Wolff, Arnold, Interview in Ibykus Nr. 64 (3/1998) aus Anlaß des 750. Jahrestages der Grundsteinlegung

 




Der Löwe

 

Niemand, der sich näher mit dem Römischen Reich im 12. Jh. beschäftigt, kommt an Heinrich dem Löwen (um 1130-1195) vorbei. Der Welfe war Herzog von Sachsen und Bayern und nach dem Kaiser der mächtigste Fürst im Reich. Seinen Beinamen erwähnen schon zeitgenössische Quellen.

 

Er war ehrgeizig, tüchtig, rücksichtslos. Seine Nachbarn in Sachsen, die Slawen und auch Kaiser Friedrich I. Barbarossa mußten diese Erfahrung machen. Und er hatte ein gesundes Selbstbewußtsein. Davon zeugt vor seiner Burg Dankwarderode in Braunschweig die Kopie eines Löwendenkmals.

 

 

Das Monument, um 1170 aufgestellt, ist erwähnenswert, nicht nur wegen seiner Größe. Die Kunsthistoriker halten es für das älteste erhaltene vollrunde Standbild des Mittelalters nördlich der Alpen. Es unterstrich Heinrichs Herrschaftsanspruch. Auch das Material, Bronze, betonte den außergewöhnlichen Rang des Denkmals.

 

Aber sein Löwe konnte den großen Mann nicht vor tiefem Fall schützen. Nachdem Barbarossa die italienischen Angelegenheiten geregelt hatte, zog er Heinrich zur Rechenschaft. (www.wernernolte.de/index.php/geschichte-des-mittelalters/jahrhunderte/12-jahrhundert) Um 1180 wurde er geächtet und zu seinem Schwiegervater, König Heinrich II. von England ins Exil geschickt.

 

Sein treuer Gefolgsmann, Bernhard II. zur Lippe soll ihn dort besucht haben, nachdem auch er in Ungnade gefallen war. Am Ende verzieh Barbarossa beiden. Doch der Löwe ging erneut ins Exil, Bernhard begann eine neue Karriere als Zisterziensermönch, Abt in Dünamunde und zuletzt Bischof von Semgallen in Livland.

 




Gratulation

„Das Karolingische Westwerk und die Civitas Corvey“ ist 39.Weltkulturerbe Deutschlands und erstes in Westfalen.

 

Damit steht das Kloster im gleichen Rang wie die Dome zu Köln und Aachen.

 

 

 

Über das Westwerk habe ich vor einigen Jahren geschrieben.