lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
  • Aktuelle Seite:  
  • Home
  • Blog

Werners Blog

Köln feiert...

 

Karneval? Wäre nicht erwähnenswert, weil normal.

Nein, es wird gefeiert der 850. Jahrestag der Ankunft der Gebeine der Heiligen Drei Könige, die Barbarossa im unterworfenen Mailand dem Erzbischof von Köln und Reichskanzler Rainald von Dassel geschenkt hatte.

 

Die Heiligen Drei Könige – Mosaik in San Apollinare Nuovo, Ravenna (6. Jh.)

 

Die Reliquien hatten große Bedeutung für Stadt und Erzbischof. Köln wurde zu einem der großen europäischen Pilgerziele mit entsprechenden Einnahmen. Der Erzbischof versprach sich eine Stärkung seiner politischen Stellung im Reich.

Für die Gebeine wurde in der Werkstatt des Nikolaus von Verdun in 40-jähriger Arbeit (um 1200) ein goldener mit Edelsteinen besetzter Schrein geschaffen, der nun im Domchor seinen Platz hat. Er soll das größte und wertvollste Reliquiar des Mittelalters sein.

Der Schrein wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach restauriert, zuletzt aufwändig nach dem 2. Weltkrieg. Im Verlauf dieser Arbeiten untersuchte man das Alter der Reliquien nach neuesten wissenschaftlichen Methoden. Ergebnis: Alter etwa 1900 Jahre.

So ein Mitarbeiter der Dombauhütte vor vielen Jahren im Rahmen einer Führung. Er stellte selbst die Frage: Sind es nun die Gebeine der Drei Könige? Und gab auch eine bedenkenswerte Antwort: „Sollten sie es nicht sein, sind sie doch durch ihr schieres Alter der Anbetung würdig.“

 

„Bernwardtüren“, Bronze, Dom zu Hildesheim (nach 1015)

 

Mittelalterliche Künstler haben sich des Themas häufig angenommen. Besonders beeindruckend die Darstellung auf den „Bernwardtüren“ in Hildesheim.

 




Feldsteinbauten - Aus der Not eine Tugend gemacht

 

An der Autobahn E 30, südwestlich von Brandenburg a.d.Havel, liegt das alte Städtchen Ziesar (948 erstmals erwähnt.)

 

Für Freunde mittelalterlicher Architektur lohnt ein Abstecher. Hier haben sich Reste einer Burg und eine Kirche aus Feldsteinen erhalten, die, Überbleibsel aus der Eiszeit, in Massen Felder und Wiesen bedeckten.

 

Feldsteine als Baumaterial sind in den nördlichen neuen Bundesländern recht häufig, vor allem bei Dorfkirchen und Befestigungen. Meist sind sie aber mit anderen Materialien kombiniert, häufig mit Backsteinen. Mehr...

 

Große Bauten, ausschließlich aus Feldsteinen errichtet, sind selten.

 

    Bergfried der Burg

 

 Klosterkirche der Zisterzienserinnen 

 

Die spätromanische Klosterkirche St. Crucis wurde im 13. Jh. vollständig aus Feldsteinen gebaut. Die spätere Backsteinapsis ist gotisch.

 

Auf dem Gelände der Burg ist ein 35 m hoher Bergfried aus der Zeit um 1200 erhalten. Der ursprüngliche Eingang befand sich in etwa 10 m Höhe. Die sogenannte Bischofsmütze wurde im 16. Jh. aufgesetzt und als Wachstube genutzt.

 

Wem nun der Sinn mehr nach Farbigkeit steht, verwöhnt seine Augen beim Besuch der spätgotischen Burgkapelle mit reichem Bauschmuck. Bei diesem Backsteinbau wurden Feldsteine im Fundament eingesetzt.




Die unglaubliche Eleonore

 

Tochter eines Troubadors, Herzogin von Aquitanien, französische Königin (1137-1152). Nichts Ungewöhnliches im 12. Jh. , auch nicht, daß sie 10 Kinder gebar, 8 aus ihrer 2. Ehe.

 

Aber dann – Teilnahme am 2. Kreuzzug, als Königin! Das geht ebenso wenig, wie das Abhören von Angela Merkels Mobiltelefon. Oder? Geht doch. Leonore bzw. Barack Obama machen es möglich.

 

Zurück in Europa: Annullierung der Ehe, angeblich wegen zu naher Verwandtschaft.

 

Zwei Monate später Vermählung der 30-jährigen mit dem 11 Jahre jüngeren Herzog der Normandie, Graf von Anjou. Als Heinrich II. wird er englischer König. Sie bringt ihm einen gewaltigen Batzen französischen Territoriums als Morgengabe und legt damit unbeabsichtigt den Grundstein für den 100-jährigen Krieg zwischen Frankreich und England.

 

In der 35-jährigen Ehe gibt es viele politische und persönliche Gegensätze, die in einer von ihr geförderten Konspiration dreier Söhne gegen den König münden. Eleonore bezahlt mit 15 Jahren Hausarrest.

 

Nach Heinrichs Tod und ihrer Entlassung tatkräftiger Einsatz für ihren Sohn Richard Löwenherz, der im Kerker Kaiser Heinrichs VI. schmachtet. Im Alter von 72 Jahren überbringt sie persönlich das geforderte Lösegeld.

 

Acht Jahre später stirbt sie 80-jährig, fünf Jahre nach Richard, und ruht nun neben zwei englischen Königen, Vater und Sohn, in der Abtei Fontevraud.

 
 
 




Es werde Licht

 

Wie kam es nach Einbruch der Dunkelheit in die Schwärze von Schiffen und hohen Gewölben mittelalterlicher Kirchen?

 

Es waren Wachskerzen, die gegen das Dunkle kämpften. Obwohl teuer, und mögliche Brandursache, waren sie unverzichtbar. Gläubige brachten Opfer in Gestalt von Kerzen für die Beleuchtung ihrer Gotteshäuser.

 

Die eindrucksvollsten Möglichkeiten, Licht ins Dunkel zu bringen waren Radleuchter. Sie symbolisierten die Mauern des Himmlischen Jerusalems und wurden bestückt mit Lichtern aus Kerzenopfern.

 

Vier mittelalterliche Leuchter sind in Deutschland erhalten, drei davon aus dem 12. Jh.:

Der Barbarossa-Leuchter, erst kürzlich restauriert, Durchmesser >4 Meter, im Aachener Dom. Er trägt 48 Kerzen.

 

Aachen4893modAP NEU Barbarossa-Leuchter

 

Der Hartwig-Leuchter, Durchmesser >5 Meter, im Kloster Groß-Comburg. Auch er trägt 48 Kerzen.

 

Der Hezilo-Leuchter, Durchmesser 6 Meter, im Dom zu Hildesheim , der größte. Er trägt 72 Kerzen.

 

Welch einen Anblick muß er bieten mit dem Widerschein seiner brennenden Kerzen auf Türmen und Mauern der symbolischen Stadt.

 

Der Azelin-Leuchter, (auch Thietmar-Leuchter), im Dom zu Hildesheim ist wohl ein kleineres aber älteres Schwesterwerk des Hezilo-Leuchters.

 

Der Vollständigkeit halber: Der sehr schöne Radleuchter in der Godehard-Kirche, auch in Hildesheim, ist aus dem 19. Jh.

 




Statik und Ästhetik

Statik und Ästhetik gingen, wahrscheinlich um 1338, in der Vierung der Kathedrale zu Wells eine harmonische Ehe ein.

 

Ich spreche von den berühmten Scherenbögen. Der Schöpfer ist nicht sicher bekannt. Wahrscheinlich war es ein Baumeister namens Joy, wahrlich ein passender Name, denn dieses Architekturelement bereitet vielen Besuchern Freude.

 

 

Aber die scissor arches, insgesamt drei, hatten nicht nur die Aufgabe zu erfreuen. Sie sollten den wankenden Vierungsturm retten. Das Begeisternde ist: Hier verband ein genialer Meister das Nützliche mit dem Schönen.

Einige Puristen unter den Fachleuten sind weniger erfreut. Alec Clifton Taylor meint „Just think it away.“

Die Scherenbögen hatten wenig bekannte und weniger spektaluläre Vorgänger in Salisbury, erbaut etwa 1320, mit dem gleichen Ziel wie in Wells.

 

(Clifton-Taylor, Alec, The Cathedrals of England, Thames & Hudson, London, 1967 and 1986)

 

 

 

 




Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.