lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
  • Aktuelle Seite:  
  • Home
  • Blog

Werners Blog

Der Heilige auf der Schaukel

 

Der Vinschgau gehört zu den Regionen die Besuchern geballte Kunstschätze und kulinarische Genüsse inmitten wunderschöner Landschaft bieten.

Für Kunstliebhaber ist die Kirche St. Prokulus in Naturns ein „Muss.“ Bis in das 7. Jahrhundert zurück ist die Baugeschichte zu verfolgen. Umbauten in Romanik und Gotik verdecken nicht das ehrwürdige Alter.

Der Star aber findet sich im Inneren: Der „Schaukler“ inmitten reicher Wandmalereien, von Experten stets kontrovers diskutiert.

 

 

 

Soweit ich sehe, hat sich die Forschung bei diesen Bildern auf „vorkarolingisch , 8. Jh.“ geeinigt. Es sind die ältesten Wandmalereien im deutschen Sprachgebiet.

Die Frage nach der Identität des Fliehenden wird heute zugunsten des Bischofs Prokulus von Verona beantwortet, der vor dem Martyrium flieht.

Auch der Apostel Paulus auf der Flucht in Damaskus war im Gespräch, doch das Bild einer Rinderherde wies auf Prokulus, den Patron der Tiere.




Der Kopf ist das Wichtigste,

 

 

sagte sich der mittelalterliche Künstler in Stralsund, der die achteckigen Mittelschiff-Pfeiler in der Nikolai-Kirche bemalte.

 

Als Krönung der Figur setzte er in der Kapitellzone eine plastische Männerkopfkonsole aus Terrakotta auf den gemalten Körper. Es gibt weitere Figuren dieser Art in der Kirche. Der Kapitellschmuck an sich ist neuzeitlich.

 

Strals Nikolai0623 modAP2

 

Trotz des protestantischen Bildersturms von 1525 besitzt die Ratskirche St. Nikolai eine großartige Ausstattung aus Mittelalter und Neuzeit.

 

Die Kirche, gleich neben dem prächtigen Rathaus, wurde 1270 erstmals erwähnt.

 
 




Kühe im Turm

 
Mittelalterliche Bauten sind nicht arm an skurrilen Einfällen der Baumeister und Bildhauer.

 

Schon aus dem Rahmen fallend ist aber die Idee, den Turm einer gotischen Kathedrale mit den Vollplastiken von 16 Kühen zu schmücken, wie um 1200 in Laon geschehen.

 

           IMG 5465      

 

Der Einfall fand Nachahmer in Bamberg in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die sogenannten „Domkühe“ in den gotischen Westtürmen des Domes, auch sie Kopien der Türme von Laon, sind kleiner und sollen wohl Maultiere darstellen.

 

In beiden Fällen wollte man wohl den Lasttieren ein Denkmal setzen, die so schwer „am Bau“ gearbeitet haben.

 

 




Wie hoch ist der Wert des Kölner Domes?

 
 
Es fällt mir auf, dass ein alter Blogeintrag mit dem Titel: „Wie viel kostet der Kölner Dom?“ wieder häufig aufgerufen wird und vermute, dass die kürzlichen Meldungen über den Buchwert des Denkmals der Grund sind.
 
Für alle Leser, die nicht im Dunstkreis der Kölner Regionalpresse wohnen, hier einige Hinweise.
 
Der Dom hat einen Buchwert von 27 Euro!!! (siebenundzwanzig).
 
Wie das? Wenn Fachleute die Neubaukosten auf wohl inzwischen 3 Milliarden Euro schätzen?
 
 
 
IMG 7523
Dom von Ost
 
Der tatsächliche Wert des Domes, so wie er als Gesamtkunstwerk vor uns steht, ist nicht zu schätzen und wird nicht benötigt. Der Dom – wen wundert’s – ist unverkäuflich.
 
In den Büchern des Erzbistums muss gleichwohl ein Eintrag stehen, als Erinnerungsposten sozusagen. Als könne man vergessen, einen Dom zu haben. Vorschrift ist Vorschrift.
 
Warum 27 Euro? Der Dom steht auf 26 Grundstücken, bewertet mit je einem Euro - plus einem ganzen Euro für den Dom.
 
Ich schlage vor, wir lassen den Dom nicht nur in Kölle, sondern erhalten uns uneingeschränkt die Bewunderung dieser Spitzenleistung gotischer Baumeister, auch wenn er nur mit einem Euro im Buche steht.
 
 
 




Zisterzienser - Verbotener Bauschmuck

 

Die Zisterzienser, Reformorden der Benediktiner, wollten sich durch asketisches Leben und Rückkehr zu den Idealen des hl. Benedikt bewußt von Pracht und Prunk der Mönche von Cluny - auch sie Benediktiner - absetzen. Beide Forderung Benedikts, „Ora et labora“, sollten wieder befolgt werden, nicht nur das Beten.

 

Architektur und Ausstattung der Kirchen sollten Demut und Bescheidenheit demonstrieren. Unter Bernhard von Clairvaux wurden strenge Vorschriften erlassen: KeineTürme, nur bescheidene Dachreiter, keine Triforien (Laufgänge), keine Farbe im Inneren, d.h. auch keine farbigen Fenster, keine Statuen, außer einer Marienstatue, keine aufwendig skulptierten Kapitelle.

 

 
dob0343
 
Gemaltes Triforium in der Klosterkirche Doberan
 

 

Das war zu ersetzen durch handwerklich hochwertige Architektur, die sich vor allem in sorgfältiger Steinbearbeitung zeigte.

 

Anfangs wurden die Regel streng befolgt und überwacht. Aber das Schmuckbedürfnis war stärker. Es gab immer mehr Abweichungen. Echte Triforien wurden vermieden, aber man malte sie an die Wand wie in Doberan.

 

 

Bebens

Überdimensionierter „Dachreiter“ der Klosterkirche in Bebenhausen, 1407-1409.

 

Dachreiter fielen nicht bescheiden, sondern protzig aus, wie in Bebenhausen.

Anfang des 15. Jh., nach 300 Jahren, waren die strengen Vorschriften in Vergesssenheit geraten.