lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
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Werners Blog

Zisterzienser - Verbotener Bauschmuck

 

Die Zisterzienser, Reformorden der Benediktiner, wollten sich durch asketisches Leben und Rückkehr zu den Idealen des hl. Benedikt bewußt von Pracht und Prunk der Mönche von Cluny - auch sie Benediktiner - absetzen. Beide Forderung Benedikts, „Ora et labora“, sollten wieder befolgt werden, nicht nur das Beten.

 

Architektur und Ausstattung der Kirchen sollten Demut und Bescheidenheit demonstrieren. Unter Bernhard von Clairvaux wurden strenge Vorschriften erlassen: KeineTürme, nur bescheidene Dachreiter, keine Triforien (Laufgänge), keine Farbe im Inneren, d.h. auch keine farbigen Fenster, keine Statuen, außer einer Marienstatue, keine aufwendig skulptierten Kapitelle.

 

 
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Gemaltes Triforium in der Klosterkirche Doberan
 

 

Das war zu ersetzen durch handwerklich hochwertige Architektur, die sich vor allem in sorgfältiger Steinbearbeitung zeigte.

 

Anfangs wurden die Regel streng befolgt und überwacht. Aber das Schmuckbedürfnis war stärker. Es gab immer mehr Abweichungen. Echte Triforien wurden vermieden, aber man malte sie an die Wand wie in Doberan.

 

 

Bebens

Überdimensionierter „Dachreiter“ der Klosterkirche in Bebenhausen, 1407-1409.

 

Dachreiter fielen nicht bescheiden, sondern protzig aus, wie in Bebenhausen.

Anfang des 15. Jh., nach 300 Jahren, waren die strengen Vorschriften in Vergesssenheit geraten.

 

 




Ein Blick zurück in die Geschichte

Am Jahresende lohnt der immer.
 

Vor 1000 Jahren

wurden dem letzten Kaiser aus dem sächsischen  Geschlecht der Liudolfinger, Heinrich II. und seiner Frau Kunigunde, von Papst Benedict VIII. in Rom die Kaiserkronen aufgesetzt. 10 Jahre später beginnt mit Konrad II. die Dynastie der Salier

 

Vor 800 Jahren 

besiegte in der Schlacht von Bouvines König  Philipp II. von Frankreich ein Heer unter dem Welfen-Kaiser Otto IV. und dem englischen König Johann Ohne Land. 

Der Verfall dessen angevinischen Reiches beschleunigte sich.

 

Vor 700 Jahren 

wurde der Großmeister des Templerordens, Jacques de Molay, in Paris verbrannt.

Die Vernichtung des Ordens,geplant vom französischen König Philipp IV und unterstützt vom Papst, war abgeschlossen

 

Vor 600 Jahren

begann das 2 Jahre währende Konzil in Konstanz. Angestrebt und erreicht wurde die Beendigung des sogenannten Großen  Abendländischen Schismas, das 1378 mit der Wahl eines Gegenpapstes begonnen hatte.

 

Im Zuge der Bekämpfung der Ketzerei wurde der böhmische Reformator Jan Hus, trotz Zusicherung freien Geleites durch Kaiser Sigismund, verbrannt.

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Allen Besuchern Dank für ihr Interesse

und die besten Wünsche

 für ein

  Gutes und erfolgreiches Neues Jahr

 




Eine Braut mit Mängeln

 
Das Mittelalter kennt große Frauen und Herrscherinnen.
 
 
Aus ihnen ragt Teophanu hervor, Kaiserin und Regentin des ottonischen Reiches im 10. Jahrhundert.   Otto I., Kaiser von >>962 bis 973 suchte aus politischen und Prestige-Gründen eine engere Verbindung zu Byzanz, das sich als Erbe der römischen Cäsaren verstand.   Heiratspolitik bot sich an. Der Thronerbe - später Otto II. - war im heiratsfähigen Alter. So schickte der Hof eine Delegation nach Byzanz mit dem Auftrag, nach einer purpurgeborenen Braut, d.h. einer Kaisertochter, Ausschau zu halten.
 
 
Es kam Theophanu, nicht Tochter, sondern Nichte des Basileus. Die Enttäuschung am ottonischen Hof war groß, trotz des überaus wertvollen Brautschatzes. Teile sollen nach einer wissenschaftlichen Hypothese in der Kanzel Heinrichs II. im Dom zu Aachen verarbeitet worden sein.
 
 
 
Ambo im Dom zu Aachen
 
 
 Der Hof erwog, das Mädchen zurückzuschicken. Aber entweder verfügte Otto I. über gute Menschenkenntnisse oder er scheute den Eklat. Theophanu blieb, heiratete ihren 17-jährigen Bräutigam, den späteren Kaiser Otto II. >>(967-983), verteidigte nach dessen Tod resolut Krone und Thron für ihren 3-jährigen Sohn gegen einen bayrischen Verwandten, der nicht grundlos den Beinamen „Der Zänker“ trug und übernahm die Regentschaft für den späteren Otto III..
 
 
 Sarkophag Theophanus in St. Pantaleon Köln
 
 
 
Die Kaiserin starb 991 (36 oder 31 Jahre alt), 4 Jahre vor der Kaiserkrönung ihres Sohnes, Otto III. Sie ruht in einem weißen Marmorsarkophag in St. Pantaleon in Köln.   Die ebenfalls hoch angesehene Adelheid, Witwe Ottos I., übernahm die Regentschaft.  




Abhänglinge

 

Dieses hässliche Wort aus dem Fachvokabular der Architekten steht für etwas sehr Attraktives - den hängenden Schlussstein, der im Normalfall am höchsten Punkt eines Rippengewölbes thront.

Aber wie oft am Ende einer großen Stilepoche war die Kraft für grundlegende Neuerungen auch in der Gotik aufgebraucht. Die Baumeister versuchten sich in ästhetischen Spielereien.

 

  Fächergewölbe Abteikirche Bath (E), Kopie aus dem 19. Jh., nach mittelalterlichem Vorbild
        

Wer genau hinsieht wird hängende Schlusssteine gelegentlich auch in deutschen Kirchen finden. Manchmal sind sie nur angedeutet, z.B. in Form eines Knaufes. Auch ganze Hängegewölbe sind zu bewundern, die reine Schmuckfunktion haben.

   

Hängegewölbe St. Pierre. Caen (F), Spätgotik  

 

Doch es bieten sich dem Betrachter noch andere abenteuerliche Gebilde: Abhänglinge, als eigenständige Konstruktion an der Decke befestigt und nicht in das Gewölbe integriert.

 

 




Blick zurück in die Geschichte

 
Am Ende des Jahres lohnt der immer.

 

Beim Rückblick im 100-Jahre-Rhythmus ab 2012 finde ich besonders wichtig:

 

Vor 1200 Jahren 

erkannte Byzanz mit kleinen Vorbehalten die Kaiserwürde Karls des Großen an. Bedeutung: Anerkennung des neuen Kaisers durch die oströmischen Erben der Cäsaren.

Siehe: Architektur des Mitttelalters >Sakralarchitektur>Karolingisch

 

Vor 1100 Jahren

bestieg Abd-ar-Rahman III., der größte Herrscher des islamischen Spaniens den Thron. 27 Jahre später erhob er das Emirat zum Kalifat von Córdoba.

 

Damit legte er sich mit den Fatamiden in Nordafrika an, die ebenfalls das Kalifat beanspruchten. Sie wiederum bekämpften die Abbasiden-Kalifen in Bagdad, die um 750 das Kalifat der Omayaden gestürzt hatten. Der Vorfahr des Kalifen von Córdoba, Abd-ar-Rahman I., war der letzte Überlebende gewesen.

 

Bedeutung: Die Gefahr der Rückeroberung durch die christlichen Königreiche des Nordens war zunächst gebannt, zumal nach dem Tode Alfonsos III. das Reich unter dessen 3 Söhne aufgeteilt wurde.

 

Siehe auch:

>Geschichte des Mittelalters >Kurzbiographie Alfonsos III.

Und: >Architektur des Mittelalters >Sakralarchitektur >Vorromanik >San Miguel de Escalada

 

Vor 800 Jahren

Schlacht bei Las Navas de Tolosa (Spanien)

Bedeutung: Im wechselvollen Geschehen der Reconquista schlugen die im Rahmen eines Kreuzzuges versammelten christlichen Heere Spaniens und Portugals die aus Nordafrika gekommenen Almohaden vernichtend, der Anfang vom Ende muslimischer Herrschaft auf der iberischen Halbinsel (Fall Granadas 1492)

 

Vor 700 Jahren

Auflösung des Templerordens durch Papst Clemens V. (französische Herkunft) auf dem Konzil von Vienne. Übertragung der Güter an die Johanniter.

Inszeniert hatte die Vernichtung des Ordens der frz. König Philipp IV. (Der Schöne), von dem der Papst abhängig war.