lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
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Werners Blog

Backsteine

 
 

Tausende von Jahren vor der christlichen Zeitrechnung begannen Baumeister mit Steinen wie diesem, zunächst an der Sonne getrocknet, später gebrannt, in den Hochkulturen Architekturgeschichte zu schreiben.

 

 

Die Römer brachten sie nach Germanien. Mit ihrem Abzug im 5. Jh. starb, abgesehen von Einzelfällen, die Kunst der Backstein- und Ziegelproduktion* (=> Einhard-Basilika in Michelstadt-Steinbach).

Erst der geniale Bischof Bernward von Hildesheim ließ um die Jahrtausendwende in größerem Umfang Dachziegel brennen.

Im 12. Jahrhundert begann die hohe Zeit des unscheinbaren Backsteins im Norden Europas, rund um die Ostsee.

Zunächst wurde kurze Zeit im romanischen Stil gebaut. (Kloster Jerichow) Dann schufen die Baumeister in 3 Jahrhunderten eine einmalige Architektur - die Backsteingotik.

      Stralsd 2012 0833 modHP(3)   Rathaus Stralsund

 

 Münster Doberan

 

Mit Millionen und Abermillionen des unscheinbaren Kunststeines aus Lehm und Ton wurden profane und sakrale Meisterwerke geschaffen. Man schätzt, dass allein für die Marienburg der Kreuzritter im ehemaligen Ostpreussen 4,5 Millionen Backsteine und Ziegel verbraucht wurden.

 Fassade Bürgerhaus Greifswald

 

Viele Bauten wurden, vor allem den Forderungen des städtischen Patriziats nachkommend, verschwenderisch mit Glasuren und einer Fülle von Friesen, Maßwerk und Terrakotta-Reliefs verziert.

 

 

Netz

https://www.baufachinformation.de/denkmalpflege/Hildesheimer-Dachziegel/2003077100025

(*) Fachleute, wie Bau- und Kunsthistoriker, möchten „Ziegel“ nur für Dachbedeckung verwendet sehen.

 




Bauten der Templer

 
Der erste mönchische Ritterorden der Kreuzzüge gibt trotz intensiver Forschung immer noch Rätsel auf. Er bleibt von Mysterien umgeben.
 
 
Das mag an den geheimnisvollen Riten liegen, am sagenhaften Reichtum aber auch am schändlichen Ende des Ordens und seiner Führer Jacques de Molay und Geoffroy de Charnay, die 1314 auf dem Scheiterhaufen starben.
 
 
Templerkapelle Laon (Mitte 12. Jh.)
 
Papst Clemens V., in Frankreich residierend und vom hoch verschuldeten französischen König Philipp IV. (Der Schöne) abhängig, hatte bereits 1312 den Orden aufgelöst.
 
 
Wegen des allgemeinen Interesses schmücken sich eine Reihe von Orten in Mittel- und Westeuropa mit Templerkapellen oder -kirchen. Nach Alain Demurger verdienen nicht alle diese Zuordnung. Das gilt für die Kapelle in Metz oder die manchmal den Templern zugeschriebenen Rundkirchen Bornholms. Eine Reihe von angeblichen Templerkapellen sind den Johannitern zuzuordnen.
 
 
 
Templerburg in Ponferrada, Spanien
(Baubeginn 12. Jh.
 
 
Die meisten Templerbauten sind dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen. Die Burg in Ponferrada ist wohl die einzig erhaltene in Europa.
 
 
 
Demurger, Alain, Die Templer, Aufstieg und Untergang, Verlag C.H. Beck, München, 1991
 




Stolz auf Holz

 
 
Stolz auf Holzbauten sind die Norweger zu Recht, vor allem bezogen auf ihre mittelalterlichen Holzkirchen - die Stabkirchen.
 
 
borgund09
Stabkirche Borgund (N), 12. Jh.
 
 
Bei der Natur des Werkstoffes ist es erstaunlich, dass immerhin rund 30 überlebt haben. Sie zeugen vom großen Können der alten Zimmerleute ebenso wie von ihrem Sinn für Ästhetik, die Elemente nordischer Sagen und Legenden einbezieht.
 
 
 
Wikingerschiff, Museum Roskilde (DK)
 
 
Drachenkopf Roskilde
 
 
In Museen bewundern wir die Relikte anderer Holzkonstruktionen - die Wikingerschiffe. Sie trugen Drachenköpfe am Bug, ähnlich denen, die die Stabkirchen heute noch zieren.
 
Elegant und schnittig waren diese Boote, aber ihr Erscheinen an Flüssen und Küsten in England und auf dem Kontinent ab dem 9. Jh. verbreitete Angst und Entsetzen. Damit glichen die Wikinger den Ungarn, die etwa zeitgleich auf kleinen anspruchslosen Pferden Mittel- und Westeuropa verheerten.
 




„Unser tägliches Mus gib uns heute...“

 
 
Der von Fachleuten geschätzte Brotgetreideverbrauch pro Kopf und Jahr schwankt sehr, abhängig zum Beispiel von Region und Jahrhundert. Als Mittel darf man 200 bis 250 kg annehmen. Das bedeutete einen Bedarf von 8000 -10.000 Tonnen jährlich für die Bevölkerung einer deutschen Großstadt wie Köln oder Lübeck, in der, sagen wir, 40.000 Menschen lebten.
 
 

Kornhaus Dinkelsbühl

 

Sehen wir einmal davon ab, wie schwierig es war, mit damals üblichen Methoden und einem Aufwand/Ertragsverhältnis von 1:4 diese Menge zu produzieren, erforderten auch Transport und Lagerung ungewöhnliche Anstrengungen.

 

Adlige Grundherren, Städte und Klöster errichteten Kornhäuser, auch Zehntscheunen oder Fruchtkästen genannt, aus Bruchstein oder Fachwerk. Architektonisch auffallend waren lange Fensterreihen zur Belüftung. Die riesigen Bauten dominierten ihr Umfeld und waren imagebildend für die Bauherren.

 

Kornhaus der Domäne Schieder, nach Detmold umgesetzt

 

Die erhaltenen Bauten, meist aus dem Spätmittelalter, sind interessante Elemente mittelalterlicher Profanarchitektur. Sie hatten eine wichtige Funktion bei der Vermeidung von Hungersnöten, dienten aber auch der Spekulation.

 




Der Heilige auf der Schaukel

 

Der Vinschgau gehört zu den Regionen die Besuchern geballte Kunstschätze und kulinarische Genüsse inmitten wunderschöner Landschaft bieten.

Für Kunstliebhaber ist die Kirche St. Prokulus in Naturns ein „Muss.“ Bis in das 7. Jahrhundert zurück ist die Baugeschichte zu verfolgen. Umbauten in Romanik und Gotik verdecken nicht das ehrwürdige Alter.

Der Star aber findet sich im Inneren: Der „Schaukler“ inmitten reicher Wandmalereien, von Experten stets kontrovers diskutiert.

 

 

 

Soweit ich sehe, hat sich die Forschung bei diesen Bildern auf „vorkarolingisch , 8. Jh.“ geeinigt. Es sind die ältesten Wandmalereien im deutschen Sprachgebiet.

Die Frage nach der Identität des Fliehenden wird heute zugunsten des Bischofs Prokulus von Verona beantwortet, der vor dem Martyrium flieht.

Auch der Apostel Paulus auf der Flucht in Damaskus war im Gespräch, doch das Bild einer Rinderherde wies auf Prokulus, den Patron der Tiere.