lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
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Werners Blog

Blut und Baukunst

 
Die Ritter des MA neigten nicht dazu, sinnend in die Flammen des Kamins zu schauen. Da waren Fehden zu führen, im eigenen Namen oder im Auftrage der Lehnsherren. Heiden waren zu bekehren oder auszurotten. Viel Blut floss, meist das der Schwachen.
 
 
Aber  irgendwann kamen die Helden „in die Jahre“. Die mittlere Lebenserwartung der Männer lag zwischen 40 und 60 Jahren. Da dachten auch die schlimmsten Raufbolde an Tod, Jüngstes Gericht und ewige Verdammnis.
 
 
Was war zu tun? Da gab es die Pilgerfahrt nach Jerusalem, sofern es die Umstände zuließen. Auch Santiago de Compostella und Rom boten sich an.
 
 
 Grab des Markgrafen Gero in der... 
 
 
Stiftskirche St. Cyriakus
 
Doch große und reiche Sünder oder deren Beichtväter beschlichen gelegentlich Zweifel an der Verhältnismäßigkeit von Sünde und Sühne.
Dann musste eine Stiftung her, ein Kloster gegründet werden.
 
 
Zu dieser Gruppe gehörte der Markgraf Gero (um 900 bis 965).
 
 
Diesem Slawenschlächter verdanken wir die Gründung des Kanonissenstiftes Gernrode. Die Stiftskirche ist eines der schönsten Beispiele ottonischen Bauens.  




Viele Hunde sind des Hasen Tod

 
Wir wissen nicht, ob Nicolaus von Verona dieses Sprichwort kannte. Jedenfalls spielen Hasen die Hauptrolle in seinem berühmten Jagdfries an der Apsis des Kaiserdoms zu Königslutter.  Zunächst nimmt alles den erwarteten Verlauf. Der Hund packt den Hasen im Genick, der Jäger trägt die Beute heim.  
 
 
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Aber dann das Unerwartete:
 
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 Der Jäger am Boden, von den Hasen gefesselt.  
 
Wen wundert es, dass es verschiedene Deutungen gibt?
 
Die Populärste: Der Sieg des Guten über das Böse.  
 
Die Kirche ist schönste Romanik, auf einem Hügel unter alten Linden, mit viel wertvollem Bauschmuck und einem prächtigen Kreuzgangflügel.
 
Eigentlich eine Benediktiner-Klosterkirche, ist der Bau Grablege Lothars III. (1125 - 1137 König bzw. Kaiser), dem es nach dem Ende der Salierdynasatie gelang, die Machtergreifung der Staufer zunächst zu verhindern (siehe auch: 12. Jahrhundert - das Römische Reich)  
 
Ein Besuch lohnt sich. Königslutter liegt in der Nähe von Braunschweig.  




Backsteine

 
 

Tausende von Jahren vor der christlichen Zeitrechnung begannen Baumeister mit Steinen wie diesem, zunächst an der Sonne getrocknet, später gebrannt, in den Hochkulturen Architekturgeschichte zu schreiben.

 

 

Die Römer brachten sie nach Germanien. Mit ihrem Abzug im 5. Jh. starb, abgesehen von Einzelfällen, die Kunst der Backstein- und Ziegelproduktion* (=> Einhard-Basilika in Michelstadt-Steinbach).

Erst der geniale Bischof Bernward von Hildesheim ließ um die Jahrtausendwende in größerem Umfang Dachziegel brennen.

Im 12. Jahrhundert begann die hohe Zeit des unscheinbaren Backsteins im Norden Europas, rund um die Ostsee.

Zunächst wurde kurze Zeit im romanischen Stil gebaut. (Kloster Jerichow) Dann schufen die Baumeister in 3 Jahrhunderten eine einmalige Architektur - die Backsteingotik.

      Stralsd 2012 0833 modHP(3)   Rathaus Stralsund

 

 Münster Doberan

 

Mit Millionen und Abermillionen des unscheinbaren Kunststeines aus Lehm und Ton wurden profane und sakrale Meisterwerke geschaffen. Man schätzt, dass allein für die Marienburg der Kreuzritter im ehemaligen Ostpreussen 4,5 Millionen Backsteine und Ziegel verbraucht wurden.

 Fassade Bürgerhaus Greifswald

 

Viele Bauten wurden, vor allem den Forderungen des städtischen Patriziats nachkommend, verschwenderisch mit Glasuren und einer Fülle von Friesen, Maßwerk und Terrakotta-Reliefs verziert.

 

 

Netz

https://www.baufachinformation.de/denkmalpflege/Hildesheimer-Dachziegel/2003077100025

(*) Fachleute, wie Bau- und Kunsthistoriker, möchten „Ziegel“ nur für Dachbedeckung verwendet sehen.

 




Bauten der Templer

 
Der erste mönchische Ritterorden der Kreuzzüge gibt trotz intensiver Forschung immer noch Rätsel auf. Er bleibt von Mysterien umgeben.
 
 
Das mag an den geheimnisvollen Riten liegen, am sagenhaften Reichtum aber auch am schändlichen Ende des Ordens und seiner Führer Jacques de Molay und Geoffroy de Charnay, die 1314 auf dem Scheiterhaufen starben.
 
 
Templerkapelle Laon (Mitte 12. Jh.)
 
Papst Clemens V., in Frankreich residierend und vom hoch verschuldeten französischen König Philipp IV. (Der Schöne) abhängig, hatte bereits 1312 den Orden aufgelöst.
 
 
Wegen des allgemeinen Interesses schmücken sich eine Reihe von Orten in Mittel- und Westeuropa mit Templerkapellen oder -kirchen. Nach Alain Demurger verdienen nicht alle diese Zuordnung. Das gilt für die Kapelle in Metz oder die manchmal den Templern zugeschriebenen Rundkirchen Bornholms. Eine Reihe von angeblichen Templerkapellen sind den Johannitern zuzuordnen.
 
 
 
Templerburg in Ponferrada, Spanien
(Baubeginn 12. Jh.
 
 
Die meisten Templerbauten sind dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen. Die Burg in Ponferrada ist wohl die einzig erhaltene in Europa.
 
 
 
Demurger, Alain, Die Templer, Aufstieg und Untergang, Verlag C.H. Beck, München, 1991
 




Stolz auf Holz

 
 
Stolz auf Holzbauten sind die Norweger zu Recht, vor allem bezogen auf ihre mittelalterlichen Holzkirchen - die Stabkirchen.
 
 
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Stabkirche Borgund (N), 12. Jh.
 
 
Bei der Natur des Werkstoffes ist es erstaunlich, dass immerhin rund 30 überlebt haben. Sie zeugen vom großen Können der alten Zimmerleute ebenso wie von ihrem Sinn für Ästhetik, die Elemente nordischer Sagen und Legenden einbezieht.
 
 
 
Wikingerschiff, Museum Roskilde (DK)
 
 
Drachenkopf Roskilde
 
 
In Museen bewundern wir die Relikte anderer Holzkonstruktionen - die Wikingerschiffe. Sie trugen Drachenköpfe am Bug, ähnlich denen, die die Stabkirchen heute noch zieren.
 
Elegant und schnittig waren diese Boote, aber ihr Erscheinen an Flüssen und Küsten in England und auf dem Kontinent ab dem 9. Jh. verbreitete Angst und Entsetzen. Damit glichen die Wikinger den Ungarn, die etwa zeitgleich auf kleinen anspruchslosen Pferden Mittel- und Westeuropa verheerten.