lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
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Werners Blog

Der Gotische Traum

 
Es gibt unterschiedliche Theorien für das Entstehen der Gotik. Eine davon ist die Lichtmystik verbunden mit dem Ehrgeiz der Baumeister, die steinernen Wände der Kirchen durch solche aus buntem Glas zu ersetzen.
 
 
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Versuche sind schon in der Romanik zu erkennen. In der Oberkirche der Sainte Chapelle in Paris jedoch ist dieser Traum mit 15 großen Glasfenstern und einer Fensterrose Wirklichkeit geworden. Mehr als die Hälfte der Glasmalereien soll noch mittelalterlich sein.
 
 
 
 
König Ludwig der IX, der Heilige, ließ diesen äußerlich schlichten hochgotischen Bau in der Mitte des 13. Jh. errichten, als Schrein für wichtige Reliquien, wie die Dornenkrone. Er hatte sie von Balduin II. gekauft, dem Herrscher des lateinischen Kaiserreiches, das nach der Eroberung Konstantinopels durch Kreuzfahrer und Venezianer im 4. Kreuzzug im Wesentlichen nur noch aus der Stadt bestand.
 




Henkel und Ösen

 
Wer am Skurrilen in mittelalterlicher Kunst interessiert ist, dem fallen immer wieder Details auf, deren Bedeutung wir heute nicht erklären können und die vielleicht auch sinnfrei sind.
 
An und in der sehenswerten Neuwerkkirche in Goslar – Baubeginn 12. Jh. - kommt man auf seine Kosten. An dieser Stelle sei nur ein interessantes Element im Mittelschiff der Basilika erwähnt.
 
 
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Einige der das Gewölbe tragenden Dienste verlassen die Wand – und damit ihre eigentliche Aufgabe – ragen henkelförmig in den Raum und kehren pflichtbewusst wieder an die Wand und in die Senkrechte zurück.
 
Doch damit nicht genug. In die „Henkel“ sind „Ringe“ eingehängt, oder sie tragen eine Masken-Skulptur.
 
Die „Ringe“ werden gedeutet als „Ouroboros“, einer sich in den Schwanz beißenden Schlange, ein antikes Symbol.
 
Auch sogenannte „Grüne Männer“ oder Blattmasken sind unter der Bauornamentik der Kirche zu finden.
 




Jahreswechsel

 
 

 La Sainte Chapelle Paris

 

Allen Besuchern Dank für das Interesse im vergangenen Jahr

und meine besten Wünsche 

 für ein 

  friedliches und gesundes 2017




Backstein gegen Kanonen

         
Das Erscheinen von Kanonen auf den Schlachtfeldern gegen Ende des Mittelalters änderte vieles, vor allem in der Festungstechnik.
 
Die oft wenig starken Mauern und Stadttore, ausreichend zur Abwehr von Infanterie, brachen unter Vollkugeln aus Stein- und Eisen zusammen.
 
Das mussten schon die Verteidiger Konstantinopels erfahren. 1453 schoss ein Hagel von über hundert Kilogramm schweren Steinkugeln in den berühmten doppelten Mauerring eine Bresche für die Janitscharen des Sultans Mehmet II.. Konstantinopel fiel an das osmanische Reich.
 
 
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Zingel in Neubrandenburg stadtseitig
 
 
In Europa versuchten sich Burgen und Stadtbefestigungen mit halbkreisförmigen Artillerie-Türmen zu schützen. In der fast komplett erhaltenen mittelalterlichen Stadtbefestigung Neubrandenburgs (Mecklenburg-Vorpommern) bewacht ein Zingel mit dicken Mauern und Kanonen das Friedländer Doppeltor.
 
  Zingel feldseitig
 
 
Eine Weiterentwicklung waren niedrigere Rundtürme mit Wehrplatte. Die dort aufgestellten Kanonen konnten im Gegensatz zu denen im Zingel in alle Richtungen feuern. Doch auch das konnte den  Siegeszug der schweren Feuerwaffen nicht aufhalten, obwohl die neuzeitlichen  sternförmigen Bastionen mit Erdwällen, deren Reste vor den Städten noch häufiger zu sehen sind, ein Fortschritt waren.
 
 




Alte Kreuzgänge

 
 
In mittelalterlichen Klöstern waren die Kreuzgänge nach den Klosterkirchen die interessantesten und wichtigsten Bauten. Die Wandelgänge, manchmal zweigeschossig, öffneten sich mit Arkaden zu einem oft quadratischen Innenhof. Sie waren Orte der Erholung, der Kommunikation, der Lektüre. Brunnen und Brunnenhäuser erlaubten Waschungen.
 
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 Stiftskirche San Pedro de Teverga, Asturien (E)
 
 
Im frühen Mittelalter - nachgewiesen seit dem 8. Jh. - waren die Anlagen schlicht, bei Klostergründungen oft aus Holz. Ein Beispiel aus Asturien, obgleich aus früher Neuzeit, möge der Anschauung dienen.
 
 
St. Pantaleon, Köln
 
 
Frühe Kreuzgänge sind rar. In St. Pantaleon in Köln ist das älteste Fragment Deutschlands mit 6 Bogen erhalten (um 1000).
 
 
Die seltenen Pilzkapitelle tauchen vor dem Würfelkapitell in der ottonischen Baukunst auf.