lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
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Gesellige Eremiten

Die Psychologen definieren die Einsamkeit als einen unserer
größten Albträume.
 
Jedoch in vielen Kulturen und zu allen Zeiten hat es Menschen gegeben, die gerade Einsamkeit suchten, in Bergen, Wüsten, Sümpfen, für Gebete, Meditation, Askese.
 
Da mutet es merkwürdig an, dass einige „Aussteiger“, aus welchen Gründen auch immer, nach gewisser Zeit zwar Eremit bleiben, aber
doch in Gemeinschaft leben wollten. Die Quadratur des Kreises.
 
Das Eremitentum des 4. Jahrhunderts als die früheste Form christlichen Mönchtums des Westens fand Antworten, deren Spuren wir – selten - in der Architektur finden.
 
In Asturien stieß ich an einem Bau der präromanischen Architektur auf dieses Phänomen in Form der cámera oculta.
 
Drillingsfenster zur cámera oculta. Mit Rundbogen aus Backstein.
 
Nur durch dieses Fenster gibt es in San Pedro de Nora Zugang zu einem abgeschlossenem Raum über dem Chor. Solche Räume finden sich auch in der westgotischen Architektur
 
 
SanPedro de Nora (E) (um 790)
 
Der Sinn ist nicht erforscht, sagen die meistenExperten, doch gibt Barral i Altet in „Frühes Mittelalter“einen Hinweis, der zum Nachdenken anregen sollte: Eremiten in extremer Klausur könnten hier gehaust haben, inmitten des normalen Klosterlebens.
 
Das wäre ein Gegenstück zu iro-schottischen Eremiten-Klöstern des 5./6. Jh. und zugemauerten Zellen an mittelalterlichen Kirchen in England. Die „Bewegung“ fände ihren Höhepunkt in den Kartausen des Bruno von Köln im 11. Jh.