lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
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Barfußmönche im Tal der Seligen

 
 
Einige Jahre mußten ins Land gehen nach meinem Einzug in Siegburg, ehe mir bewußt wurde, welchem Kleinod der Bettelordensarchitektur, in Seligenthal unterhalb der Wahnbachtalsperre, ich hier nahe bin.
 
Um 1230, kurz nach dem Tod des Hl. Franziskus von Assisi (1181- 1226), kommen Minderbrüder ins Rheinland und finden im Grafenpaar Heinrich III. und Mechthild von Sayn wohltätige Gönner.
 
Die von Sayn, ein bedeutendes rheinisches Geschlecht, hausen am Ende des 12. Jh. auf einem Felssporn an der Sieg, auf dem sie Burg und Stadt Blankenberg gründen. Nicht immer im Einvernehmen mit dem Benediktinerkloster Siegburg und dem Kölner Erzbischof.
 
 
 
Das Grafenpaar läßt die Brüder auf ihrem Besitz im Wahntal um 1231 ein bescheidenes Kloster gründen, um 1231 wohl das erste Franziskanerkloster nördlich der Alpen.
 
Wie fühlten sich Franziskaner in dieser Waldeinsamkeit am Bach, ein Ort der Zisterzienser entzückt hätte. Die Regeln der Minderbrüder verlangten Predigt und Krankenpflege, und sie mußten betteln, um das Armutsgelübde zu erfüllen. Doch Publikum und Wohltäter fanden sie nicht weit von ihrer Klause auf der alten Fernstraße von Köln nach Frankfurt.
 
1255 konnten sie die St. Antonius Kirche weihen, die älteste Franziskanerkirche Deutschlands.
 
Sie ist nur 2-schiffig. Das südliche Mittelschiff war Teil des Kreuzgangs, der mit anderen Klostergebäuden später errichtet wurde.
 
Kunsthistorisch steht der Bau im Übergang zwischen rheinischer Spätromanik und Gotik. Fächerfenster, Rundbogenfries, sowie Nischen im Giebel der Westfront sind spätromanisch, Rippengewölbe und angedeutete Spitzbögen im Innenraum gotisch.
 
Trotz wiederholter Restaurierungen vermittelt der Bau heute ein charakteristisches Bild der ursprünglichen Kirche. Bemerkenswert ist die sehr schöne Farbgebung, nach dem Vorbild originaler Putz- und Farbreste.