lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
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Schwarze Löcher

Bei den ersten Begegnungen mit Backsteinbauten rätselte ich über in regelmäßigen Abständen angeordnete schwarze Löcher in den Wänden.
 

 

Nach einer Weile wußte ich, es waren Rüstlöcher, die waagerechte Balken aufnahmen. Quer darüber gelegte Bohlen bildeten die Arbeitsebene.

 

Diese Auslegergerüste wurden später durch Stangengerüste abgelöst, gesichert durch senkrechte Pfosten und Streben. Stricke verbanden das Ganze.

 

Sobald die Höhe der Wand das Aufmauern einer weiteren Backsteinlage unmöglich machte, wurde das Gerüst entfernt und weiter oben unter Verwendung der gleichen Hölzer wieder aufgebaut. Die Löcher blieben in der Regel in der Wand.

 

 

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An der Marienkirche in Wismar haben Mittelalter-Liebhaber ein Stangengerüst nachgebaut.

 

Die Wiederverwendung der Hölzer hatte vor allem einen Grund: Holzmangel.

 

Riesige Urwälder waren Feldern und Wiesen gewichen. Der erhaltene Rest wurde stark beansprucht: Englische Wälder schwammen als Kriegsschiffe auf den Weltmeeren, ganze Forste verbrannten unter den Salzpfannen, z.B. in Lüneburg. Die riesigen Dachstühle der großen Kirchen verbrauchten viel Holz. Köhler und Glashütten hatten großen Bedarf, dazu kam der Hausbrand.

 

Siehe auch: Decken und Gewölbe