lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
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Die kleinste Kathedrale der Welt

 

Welch ein ungewöhnlicher Superlativ, kennen wir doch Kathedralen im allgemeinen als Großbauten.

 

Zentrum des Kirchleins Sveti Križ (Heilig-Kreuz-Kirche) in Nin, Kroatien mit 60 qm Grundfläche ist eine Rotunde in der Mitte eines griechischen Kreuzes. Der dem Eingang mit Glockenstuhl gegenüber liegende Kreuzarm, flankiert von je einer Apside, war wohl Altarraum. Von Blendnischen abgesehen, ist der Bau heute fast schmucklos.

 

 

Foto: Konstantin Zurawski, Köln

 

Zum Versuch, die Frage zu klären, ob er einen Bischofsstuhl beherbergte, was allein den Titel „Kathedrale“ rechtfertigen würde, müssen wir uns in das 9. Jh. zurückversetzen. Großbauten waren selten, jedenfalls in abgelegenen Gebieten, Steinbauten auch. Aber Nin war der erste Königssitz Kroatiens und die Bischöfe dort spielten eine große politische Rolle. Bischof Gregor von Nin soll Kanzler des Königreiches Kroatien gewesen sein.

 

Die Größe war auch nicht ungewöhnlich, wie das Beispiel aus einer anderen abgelegenen Ecke Europas zeigt. St. Laurence war etwa gleich groß.  St-laurence-bradford-on-avon

 

Ist also der Anspruch glaubhaft?

 

Einen historischen Beleg für einen Bischofsstuhl gibt es nicht. Doch es gab Bischöfe in diesem Zentrum der Macht, historisch verbürgt. Sie hatten eine Bischofskirche. Andere Steinbauten aus dieser Zeit gibt es nicht in Nin. Bliebe eine Holzkirche, eine Möglichkeit, die wir nicht vergessen sollten.

 

 

Crkva svetoga Kriza17 jmodAP

Foto: Konstantin Zurawski, Köln
 

 

Wir können die Frage nach der Richtigkeit des Superlativs nicht beantworten, aber gönnen wir doch dem ehrwürdigen Bau und dem neuen EU-Mitgliedsstaat den Titel, zumal die übrigen Europäer es damit auch nicht so genau nehmen. (siehe Beitrag unten)