lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
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Das Ende der Bescheidenheit

 

Wir gehen in der Regel bedauernd davon aus, daß die großen Künstler des Mittelalters anonym blieben. Kunsthistoriker sind oft gezwungen, den Schöpfern von Bildern, Skulpturen, Domen Notnamen zu geben, z.B. „Meister von Cabestany“, „Naumburger Meister“, um nur zwei von Hunderten zu nennen.

 

Neuere Forschungen zeigen Lücken in der Anonymität mittelalterlicher Meister auf. Insbesondere in Malerei und Buchmalerei gibt es versteckte Hinweise.

 

Anonym blieben wohl auch die Bildhauer bis ins hohe Mittelalter. Berühmt ist die Inschrift im West-Tympanon der Kathedrale St. Lazare von Autun, in der uns ein Gislebertus mit „Gislebertus hoc fecit“ entgegen tritt (12. Jh.). Es ist unklar, ob es der Stifter oder Bildhauer war, der hier seine Anonymität preisgab.

 

 

 

 

Im Spätmittelalter wurde die Zurückhaltung aufgegeben. In vielen Kirchen haben sich die Meister verewigt, oft mit Selbstbildnissen. Eines der schönsten ist in der Lorenzkirche in Nürnberg zu sehen: Der ernst blickende Meister Adam Kraft zeigt sich mit seinem Werkzeug in Gesellschaft seiner Gesellen, ein von ihm geschaffenes Sakramentshäuschen tragend. (15. Jh.)