lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
  • Aktuelle Seite:  
  • Home
  • Blog
  • „Unser tägliches Mus gib uns heute...“

„Unser tägliches Mus gib uns heute...“

 
 
Der von Fachleuten geschätzte Brotgetreideverbrauch pro Kopf und Jahr schwankt sehr, abhängig zum Beispiel von Region und Jahrhundert. Als Mittel darf man 200 bis 250 kg annehmen. Das bedeutete einen Bedarf von 8000 -10.000 Tonnen jährlich für die Bevölkerung einer deutschen Großstadt wie Köln oder Lübeck, in der, sagen wir, 40.000 Menschen lebten.
 
 

Kornhaus Dinkelsbühl

 

Sehen wir einmal davon ab, wie schwierig es war, mit damals üblichen Methoden und einem Aufwand/Ertragsverhältnis von 1:4 diese Menge zu produzieren, erforderten auch Transport und Lagerung ungewöhnliche Anstrengungen.

 

Adlige Grundherren, Städte und Klöster errichteten Kornhäuser, auch Zehntscheunen oder Fruchtkästen genannt, aus Bruchstein oder Fachwerk. Architektonisch auffallend waren lange Fensterreihen zur Belüftung. Die riesigen Bauten dominierten ihr Umfeld und waren imagebildend für die Bauherren.

 

Kornhaus der Domäne Schieder, nach Detmold umgesetzt

 

Die erhaltenen Bauten, meist aus dem Spätmittelalter, sind interessante Elemente mittelalterlicher Profanarchitektur. Sie hatten eine wichtige Funktion bei der Vermeidung von Hungersnöten, dienten aber auch der Spekulation.