lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
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Der umgefärbte Heilige

 

Mauritius, zuständig für das Heer, die Infanterie und die Waffenschmiede, ist nicht gerade der populärste Heilige der römisch-katholischen Kirche. Der Legende nach erlitt er um 300 n.Chr. im Wallis das Martyrium als Anführer der Thebaischen Legion zusammen mit Tausenden seiner Männer.

Seine Verehrung breitete sich langsam nach Norden und Nordosten aus, um schließlich auf das Gebiet des ostfränkischen Reiches zu gelangen. Unter Otto I. war ihre Blütezeit.

Mauritius wurde Schutzheiliger des Reiches und Patron des neuen Kaiserdomes in Magdeburg. Mit anderen Märtyrern steht er dort auf antiken Säulen hoch im Chor.

Das alles wäre nicht erwähnenswert, wenn die Darstellung des Heiligen in dieser Zeit nicht grundlegend verändert worden wäre. Aus dem Hl. Mauritius, bisher als weißer Ritter dargestellt, wurde in der Mitte des 13. Jh. ein Schwarzer, ein Mohr. Es soll das erste Bildnis eines Schwarzafrikaners in nachantiker Zeit sein.

 

Magdebg Mauritius 0472 resol 3 hell

 

Ein Torso steht an der Südseite des Domchores. Die Forschung datiert seine Entstehung auf die Mitte des 13. Jh., also in die frühe Bauzeit des Domes.

Die Gründe für diese Wandlung - sind rätselhaft, zumal die Darstellung als Mohr in späteren Kunstwerken, abgesehen von wenigen Ausnahmen in südlichen Gebieten, beibehalten wurde.