lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte
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Stützenwechsel

Beim Gang durch die Mittelschiffe romanischer Basiliken begleiten den Besucher rechts und links Arkaden, deren Bögen entweder von Säulen oder von Pfeilern gestützt werden.
 
Besonders bei Bauten mit Holzdecken werden aufmerksamen Beobachtern gelegentlich Abweichungen auffallen. Anstelle von 2 Reihen gleicher Stützen wechseln auf jeder Seite Säulen und Pfeiler, entweder im strengen Rhythmus oder 2 Säulen folgen auf einen Pfeiler. Im ersten Fall sprechen die Fachleute vom rheinischen, im zweiten vom (nieder)sächsischen Stützenwechsel.
 
 
 

St. Godehard Hildesheim, sächsischer Stützenwechsel

 
Die Gründe scheinen vielfältig.
 
Man denkt zunächst an die Geografie, doch sowohl der für die Epoche wichtige Bau St. Cyriakus vom Ende des 10. Jh. in Gernrode, als auch die Basilika St. Georg und Pancratius aus dem 12. Jh., beide im Herrschaftsgebiet der ottonischen Sachsen, zeigen einen einfachen, sprich rheinischen Stützenwechsel.
 
 
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Basilika St. Georg und Pancratius, Hecklingen

 

Logisch scheint er bei Bauten mit gebundenem System. Hier markieren die Pfeiler die Ecken der Mittelschiffjoche, deren Quadrate, ausgehend vom Vierungsquadrat, den gesamten Grundriss bestimmen. Die schwächeren Säulen zwischen den Pfeilern stützen die halb so großen Seitenschiffjoche.  

 

Auch Zahlensymbolik wird als Begründung herangezogen: Beim sächsischen Stützenwechsel könnten  insgesamt 4 Pfeiler auf die Evangelisten, 12 Säulen auf die Jünger oder die Stämme Israels hinweisen