lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte

Romanische Kirchen

 

Romanik

Stabkirche Borgund

 

Zwischen Gräberfeld und grünem Hügel ein merkwürdig anmutendes Gebäude aus altersschwarzem Holz, an eine Pagode erinnernd. Heidnische Drachenköpfe auf sich stufenden Dächern, ein christliches Kreuz über dem Rundchor: Die Stabkirche Borgund, eine der schönsten der etwa 30 Bauten, die von rund Eintausend erhalten sind.

 

 

Geschichtliches

Bei der Einordnung des Baus darf die sich über einen langen Zeitraum hinziehende Christianisierung Norwegens nicht außer Acht gelassen werden.

 

Im 10. Jh. hatten einige norwegische Könige, mit dem Christentum in England in Berührung gekommen, die Bekehrung ihrer heidnischen Untertanen mit nicht überwältigendem Erfolg versucht. Daneben gab es Missionierungsversuche durch Gesandte des Erzbistums Hamburg-Bremen. 1024 unterstellte König Olav II. (Der Heilige) die sicher noch bescheidene norwegische Kirchenorganisation dem Erzbistum Hamburg.

 

Borgund
Kirche Borgund von NO

 

130 Jahre später kam die Christianisierung Norwegens - als eigene Kirchenprovinz und mit der Errichtung des Erzbistum Nidaros (Trondheim) - zu einem gewissen Abschluss.

 

In diese Zeit fiel auch der Bau der Kirche in Borgund mit ihrer Verschmelzung von Wikinger-Traditionen und christlicher Kultur.

 

Borgund
Eckstab auf Steinfundament

 

Konstruktion

Im Osten Skandinaviens dominierte bei Holzbauten die materialverschlingende und erdverbundene Blockbauweise. Aber auch in Norwegen haben sich aus dem 15. Jh. zwei Kirchen in diesem eher primitiven Stil erhalten.

 

Dagegen sind die größeren Stabkirchen der Höhepunkt der in Skandinavien im Mittelalter verbreiteten Holzkonstruktionen (meist aus Kiefer).

 

Ursprünglich waren die Skelette der Stabkirchen Pfostenkonstruktionen deren Lebensdauer wegen im Boden verrottender Pfosten gering war. Bei den heute erhaltenen Bauten wurden gelegentlich Vorgänger in der überholten Technik nachgewiesen.

 

Borgund
Svalgang mit Zwergarkaden

 

Heute sehen wir Stäbe (Masten) auf soliden Steinfundamenten ruhend. Sie tragen den erhöhten Mittelraum des Langschiffes. Schmale Seitenschiffe unter Pultdächern umgeben ihn, nach außen abgetrennt durch senkrechte mit Nut und Feder verbundene Bretterwände. Ein wenig erinnert der Grundriss an steinerne Basiliken. Um die Seitenschiffe herum verläuft ein ebenfalls mit Pultdächern gedeckter Umgang (Svalgang) mit Zwergarkaden zwischen niedriger Traufe und senkrechter Bretterwand.

 

Den Chor im Osten mit apsidialem Abschluss umgeben vier Eckstäbe.

 

Borgund ist eine der technisch anspruchsvollsten Kirchen, die einer ganzen Typenreihe ihren Namen gegeben hat.

 

Borgund
Wand des Mittelraumes mit Stäben und Andreaskreuzen
 
 
Borgund
Dachstuhl

 

Während einfache Stabkirchen mit 4 Masten an den Ecken auskommen, tragen hier allein 14 Stäbe den erhöhten Mittelraum. Das Skelett wird durch ein kompliziertes System von Streben und Andreaskreuzen gehalten und schließt ab mit einer anspruchsvollen schindelgedeckten Dachkonstruktion.

 

Die Kirche hat einen West- und einen Südeingang. Die Portale sind mit Schnitzwerk geschmückt, das westliche reichhaltiger als das südliche.

 

Restaurierungen

Diese Stabkirche ist eine der am besten restaurierten. Ganz sauber ist die Trennung zwischen Alt und Neu nicht möglich. Der größte Eingriff ist wohl die Entfernung des Querschiffes nach der Reformation.

 

Stäbe, Streben, Dielen und Wandbretter sind weitgehend mittelalterlich. Das gilt vor allem für die Mittelräume von Schiff und Chor. Auch der Svalgang stammt größtenteils aus jener Zeit, wie auch Dachreiter und Apsis mit Turmaufbau. Die Drachenköpfe und weitere Teile der Dachkonstruktion wurden erneuert.

 

Stabkirchen hatten keine Fenster, sondern nur kleine runde Öffnungen. In Borgund hat man die bei früheren Restaurierungen eingesetzten Fenster wieder entfernt.

 

Borgund
Glockenturm
 
 
Borgund
Südeingang

 

Der Glockenturm - die einzige freistehende hölzerne Konstruktion aus dem Mittelalter in Norwegen, - mit einer Glocke aus jener Zeit, hatte sehr unter Witterungseinflüssen gelitten und musste umfassend erneuert und geschützt werden.

 

 

Bauschmuck

Die Reformation, nach der keine Stabkirchen mehr errichtet wurden, hat in Norwegen nicht in dem Maße gewütet wie in anderen Ländern. So blieb in manchen Kirchen wertvolle mittelalterliche Innenausstattung erhalten.

 

Nicht so in Borgund. Das schlichte Taufbecken soll aber mittelalterlich sein.

 

Die Andreaskreuze sind durch Schnitzerei ornamentiert und schlicht bemalt. Die meisten Stäbe tragen oben anstelle eines Kapitells geschnitzte Masken.

 

Borgund
Germanischer Tierstil
 
 
Borgund
Südportal...
 
 
Borgund
...Löwen auf Kapitellen

 

Dafür aber sind West- und Südportal reich mit Schnitzereien im Stile der germanischen Tierornamentik geschmückt. Schlangen, Drachen und Vögel sind so eng miteinander verwoben, dass es dem ungeübten Auge schwer wird, Einzelheiten zu erkennen. Wilde Tiere und Fabelwesen sollten bösen Geistern den Zutritt verwehren. Die gleiche Aufgabe hatten die Drachenköpfe auf den Dächern, die auch an den Bugschmuck der Wikingerschiffe erinnerten.

 

Borgund
Westportal

 

 

 

Literatur

Futagawa, Yukio, in: Holzhäuser in Europa, Nachwort, W. Kohlhammer, Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz, 2. Auflage, 1980

 
Haupt, Albrecht, Kunst und Baukunst der Germanen, Leipzig, Reprint-Verlag, Reprint der Originalausgabe von 1909 – S. 65
 
Kiesow, Gottfried, Gebaut in Gottvertrauen, in Monumente 11/12-2006, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
 
Möbius, Michael/Ster, Annette, Chiffren des Mittelalters – Die Stabkirchen, in: Hurtigruten, Die schönste Seereise der Welt, DuMont Reiseverlag, Ostfildern, 2011
 
Norberg-Schulz, Christian, in: Holzhäuser in Europa, Einleitung, W. Kohlhammer, Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz, 2. Auflage, 1980 – S. 66ff.
 
Sakuma, Yasuo/Storsletten, Ola, Die Stabkirchen Norwegens: Meisterwerke nordischer Baukunst, Bechtermünz Verlag, Augsburg 1997

 

 

 Eigene Beobachtungen




 

romanisch

Backstein und Jerichow

 

Die Klosterkirche Jerichow läutete den Beginn einer Architektur-Epoche ein, die für einige Jahrhunderte profane und sakrale Baukunst vor allem and der Ostseesee und im Hinterland prägen sollte.

 

Backsteinbaukunst ist allgemein als Backstein-Gotik bekannt. Ihr ging die weniger bekannte Backsteinromanik voraus, die mit Jerichow begann. Die Stiftskirche ist eine Pionierleistung. Bald folgten andere Gotteshäuser, z. B. der romanische Dom zu Ratzeburg.

 

Nun aber beginnen die Fragen: Gab es in der Region Ziegeleien bzw. Kenntnisse über die Produktionsprozesse? Die Archive geben nichts her und bei der Eigenart des Baumaterials (Lehm) und der Gebäude (Holz) hat die Archäologie keine Chancen, vor allem nicht, wenn im Feldbrand gearbeitet wurde.

 

Die Forschung übergeht mehr oder weniger das Problem. Schmitt allerdings räumt ein, daß es ungeklärt ist. Die Fachwelt geht wohl davon aus, daß nicht nur die Bauhütte/n, sondern auch die Ziegler aus Norditalien kamen, hier ziegelten und ihr Wissen an einheimische Kräfte weiter gaben.

 

Allerdings gibt es in Holland die Backsteinkirche von Egmont, Baubeginn wohl 1130. Und Prämonstratenser haben flämische und holländische Kolonisten rings um Jerichow angesiedelt. Könnten nicht auch von dort Ziegler gekommen sein?

 

Wie auch immer. Zweifel an der Herkunft von Bauhütte und Baumeister aus Oberitalien gibt es bei den Experten kaum.

 

 

Geschichte der Backsteinbauten in Deutschland

Abgesehen von Einhards Kirche waren Backsteinproduktion und –bauten nach dem Abzug der Römer in Deutschland so gut wie verschwunden, bis der geniale Bischof Bernward von Hildesheim in der 1. Hälfte des 11. Jh. eine archäologisch belegte Dachziegelproduktion in Gang setzte.

 

Aber erst Heinrich der Löwe förderte im 12. Jh. die Produktion von Mauerziegeln in größerem Umfang, auch im Zuge der Ostbesiedlung. Rohstoffe in Form von Ton- und Lehmvorkommen gab es reichlich.

 

Das neue Baumaterial war hochwillkommen, weil bisher bekannte Holzkirchen oder Gotteshäuser aus Feldsteinen nicht mehr den Ansprüchen genügten.

 

 

Rangordnung der Baumaterialien

Allerdings, obwohl eine Aufwertung gegenüber den häufigen Holzkirchen, ist die rasche Verbreitung von Backsteinkirchen nicht ohne eine gewisse Ironie. Stand doch dieser Kunststein aus Sicht höherer Kleriker im Rang deutlich unter dem Hau- oder Naturstein. Der schlecht beleumundete Turm zu Babel, aus Ziegeln gefertigt, soll ihre Abneigung gegen sakrale Backsteinbauten erklären.

Aber da waren die Mönche. Wie so oft Vorreiter, auch hier. Klösterlichen Ziegeleien trugen erheblich zur Neubelebung der Backsteinproduktion bei.

 

 

Produktionsprozesse

Generell wurden wie auch immer geformte Rohlinge aus gut durchmischtem Lehm zunächst an der Luft einige Monate lang regensicher getrocknet. Das noch ungebrannte Produkt wird Grünling genannt und in verschiedenen Verfahren gebrannt, im Mittelalter oft im primitiven Feldbrand. Dabei wurden nach bestimmten Regeln Brennmaterial und Grünlinge auf freiem Feld aufgeschichtet und gebrannt, was viel Erfahrung erforderte. Die Ausschußquote war hoch.

 

Wenn wir von mittelalterlichen Backsteinen sprechen, meinen wir in der Regel „gestrichene“ Ziegel: Ein Lehmklumpen wird in eine auf einem Arbeitstisch aufliegende oben und unten offene rechteckige Holzform gedrückt. Der oben überflüssige Lehm wird mit einem Draht abgestrichen. Dieser Prozeß setzte sich aber erst ab etwa 1200 durch.

 

Holzformen
 
 
Formsteine

 

Davor wurden, auch in Jerichow, Rohlinge aus größeren Lehmblöcken mit Drähten oder Schnüren herausgeschnitten. Das erlaubte Flexibilität hinsichtlich der Maße.

 

Nach Kiesow wurden diese „geschnittenen“ Mauerziegel in der ersten Bauphase verwendet, wohl auch für Einzelelemente der Kreuzbogenfriese. Es war nicht schwer, sie aus einer Lehmplatte entsprechender Stärke herauszustanzen, zu trocknen, zu brennen und dann am Bau zum Fries zusammen zu setzen. Das Foto aus Lüneburg zeigt deutlich die Ansätze.

 

Kreuzbogenfries vor weißer Blende, darüber Diamantfries, Lüneburg

 

Auch Keilsteine sind in Jerichow auf diese Weise hergestellt worden.

 

Im 13. Jh. wurden dann Profile in Standard-Holzformen eingesetzt. Das ermöglichte die Serienproduktion von Ornamentteilen. (>> Bauschmuck)

 

 

Besonderheiten

In Jerichow und anderswo fallen an den vermauerten Ziegeln so genannte „Riefelungen“(Scharrierungen) auf, in der Regel schräg parallel verlaufende Rillen, auf dem noch nicht gebrannten Ziegel angebracht. Nach Kiesow kommen sie bei fast allen Backsteinbauten des 12. Jh. vor, wobei sich auch, z.B. in Jerichow, fischgratähnliche Muster entdecken lassen.

 

Über den Sinn dieser Schraffuren diskutieren die Fachleute. Einige glauben, daß sie einer besseren Haftung der Ziegeltünche dienen sollten. Andere halten sie für Spuren des Drahtes, mit dem die Rohlinge ausgeschnitten wurden. Dagegen sprechen die gegenläufigen Musterungen.

 

Eine andere interessante Theorie bezieht sich auf den Rang des Backsteins gegenüber dem Haustein. Danach soll die Riefelung den Mauerziegel „veredeln“, weil die Spuren denen ähneln, die ein bestimmtes Werkzeug an der Oberfläche von Hausteinquadern hinterläßt.

 

Ein auch kontrovers diskutiertes Problem sind die seltenen Backsteinkapitelle, in Jerichow als Trapezkapitelle ausgebildet. Sie schmücken die Säulen der Mittelschiffarkaden. Es soll sie auch in der Lombardei geben.

 

Kapitell Jerichow, Langschiffarkade

 

Das Trapezkapitell leitet sich ab vom romanischen Würfelkapitell. Die unteren Rundungen wurden zu Dreiecken geformt. Nach Badstübner/Schumann kannte man schon in Byzanz solche Kapitelle.

 

Zum Herstellungsprozeß gibt es wieder unterschiedliche Meinungen. Wahrscheinlich wurde ein Würfel geformt. Doch wie wurde das Kapitell herausgearbeitet? Immerhin gab es noch leichte Rundungen.

 

Steinmetztechniken waren bei vollständig gebrannten Blöcken wegen der Sprödheit des Materials unbrauchbar. Möglich, daß man die Formen in lederhartem Zustand des Würfels herausschnitt. Ich frage mich allerdings, wie der Mörtel diese Prozeduren überstanden hat. Oder handelte es sich um einen reinen Ziegelwürfel, in den die Fugen nachträglich eingearbeitet bzw. gemalt wurden. Mein Foto läßt nicht genügend Details erkennen.

 

Wer sehen möchte, welche Herstellungsprozesse zur Modellierung von Lehmrohlingen heute in Spezialwerkstätten angewandt werden, sieht hier einen kleinen Film.

 

 

Literatur

Kiesow, Gottfried, Kulturgeschichte sehen lernen, Band I, 4. Auflage, Verlag MONUMENTE Publikationen, Bonn 1997

 

Kiesow, Gottfried, Backsteinbaukunst, ihre Ursprünge und Entwicklungen in Backsteinbaukunst –Zur Denkmalkultur des Ostseeraums, Hrsg. Dt. Stiftung Denkmalschutz, Verlag: Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Monumente Publikationen, Bonn 2007

 

Nawrocki, Paul, Der frühe dänische Backsteinbau, Studien zur Backsteinarchitektur, Bd. 9, Lukas-Verlag, Berlin, 1. Auflage, 2010, - S. 43ff, S. 50, S. 61f.
http://books.google.de/books?id=eom_S2QXPQ4C&pg=PA47&lpg=PA47&dq=Riefelung+backstein&source=bl&ots=TeFyQarFUm&sig=Tl7POV8eQVmfIE8_Z1Onm_VeBvw&hl=de&sa=X&ei=UyqLUpTpGYGZ4gSq_YHICQ&ved=0CDAQ6AEwAA#v=onepage&q=Riefelung%20backstein&f=false

Schäfke, Werner, Mittelalterliche Backsteinarchitektur von Lübeck zur Marienburg, DuMont Buchverlag, Köln, 1995, - S. 14Ff

 

 
Netz
 
Badstübner, Ernst, Schumann, Dirk, Hrsg., Backsteintechnologien in Mittelalter und Neuzeit, Studien zur Backsteinarchitektur Bd. 4, Lukas-Verlag, Berlin, Erstausgabe 2003
https://www.google.de/#q=backsteintechnologien+in+mittelalter+und+neuzeit
 
 
Koller, Manfred, Gestaltungstechniken sowie Fugensysteme und Materialbedeutung in der Romanik und Frühgotik
http://www.baufachinformation.de/denkmalpflege
 
 
Schmitt, Reinhard, Backsteinarchitektur in Mitteleuropa – Neue Forschungen, Hrsg. Ernst Badstüber, Lukas-Verlag, Berlin
http://books.google.de/books/about/Backsteinarchitektur_in_Mitteleuropa.html?id=n_F-YKbdClAC&redir_esc=y
 
 
Studium Hallense e.V. –Interdisziplinäre Forschungsgruppe zur Geschichte Sachsen-Anhalts
http://www.studium-hallense.de
 
 
 
 
 
 
Herstellung und Verwendung von Backsteinen im Mittelalter in den Niederlanden
http://www.baufachinformation.de/denkmalpflege
 
 
Badstübner, Ernst, Hrsg., Die Kunst des Mittelalters in der Mark Brandenburg, Google Books
 
Eigene Beobachtungen
 
 
 
 
 




 

romanisch

Kloster Jerichow

 

Aus den grünen Elbauen im nördlichen Sachsen-Anhalt steigen braun-rote Doppeltürme auf und weisen seit 800 Jahren den Weg zur Klosterkirche, dem frühesten Denkmal romanischer Backstein-Architektur.

 

Auch ich wollte sie unbedingt sehen. Mich hat das geographisch und stilistisch etwas Abgelegene schon immer fasziniert.

 

Eigentlich stehen Besucher vor einer ehemaligen Prämonstratenser-Stiftskirche. Der Orden mit dem zungenbrecherischen Namen (von Prémontré in Burgund) wurde von einem Grafensohn und ehemaligen Kanoniker in Xanten namens Norbert mit Unterstützung Bernhards von Clairvaux um 1120 gegründet.

 

Es war, in Anlehnung an die Augustiner-Regeln, ein Orden von Chorherren, der sich in den folgenden Jahren stark ausbreitete. Ab 1126, nach Ernennung des Ordengründers zum Erzbischof von Magdeburg, war der Orden in der Slawenmission tätig.

 

Als ich vor 16 Jahren zum ersten Mal vor der Kirche stand, wußte ich nicht, daß mit ihr im Norden und Osten Deutschlands eine neue Epoche der Baukunst begann, die der Backsteinarchitektur. Das hat nichts mit dem Architekturstil zu tun – in der Ile de France begann man gerade erst Neues, später als Gotik bekannt. Um 1150 aber baute man in Deutschland romanisch. Es gab viele Basiliken als Vorbilder.

 

 

Geschichte des Klosters

Es wurde 1144 von Chorherren aus dem Liebfrauenstift Magdeburg gegründet, 10 Jahre nach dem Tod des Erzbischofs. Kurz darauf begannen die Bauarbeiten an der Stiftskirche, die in wesentlichen Teilen um 1200 vollendet wurde.

Liebfrauenstift Magdeburg (Foto: Peter Kramer, Troisdorf)

 

Der Baubeginn fiel in kriegerische Zeit: 1147 hatten Heinrich der Löwe und Albrecht der Bär den Wendenkreuzzug begonnen (>>Backsteinbaukunst). Zehn Jahre später gründete der siegreiche Albrecht, der auch seine Hand über Jerichow hielt, die Mark Brandenburg. In der Anfangsphase förderte Propst Isfried, später Dompropst in Ratzeburg und Beichtvater Heinrichs des Löwen, den Aufbau des Klosters tatkräftig.

 

Zur Zeit der Reformation wurde die Gemeinschaft 1552 aufgelöst. 1680 ging der Besitz an die Hohenzollern.

 

 

Geschichte des Baus

Sie ist besser zu verstehen mit einer Reihe von Anmerkungen zu Backsteinproduktion und Backsteinbau, die ich in einem Sonderbeitrag behandele.

 

Um 1170, nach dem ersten Bauabschnitt, war eine bescheidene Kirche erstanden. Ihr fehlten die beiden Nebenchöre mit ihren Apsiden, ein Langhaus-Joch, die Krypta und der Westbau. Die Qualität des Mauerwerks des ersten Bauabschnitts, besonders am Chor, wird gerühmt.

 

Etwa zwischen 1180 und 1200 wurde der Bau ergänzt, wenn auch die oberen Turmgeschosse bis zur 2. Hälfte des 15. Jh. warten mußten.

 

Die meisten Klausurbauten entstanden nach und nach bis hin zum Spätmittelalter. Nur der Ostflügel des Kreuzgangs stammt aus der Zeit um 1200.

 

1684/85 unter dem Großen Kurfürsten wurde renoviert und barockisiert.

 

Auch 1853-56 restaurierte man sorgfältig und stilgerecht. Ab Mitte des 20. Jh. widmeten sich Restauratoren und Bauhandwerker wieder intensiv und erfolgreich Kirche und Klausur, mit Unterbrechungen bis in die Gegenwart.

 

 

Vorbilder der Architektur

Fast alle Autoren weisen auf Norditalien hin, wo die alte Backsteinbaukunst der Römer wieder zur Blüte gelangt war. Was veranlaßt zu dieser Theorie?

 

Die Krypta des aus Backsteinen erbauten, außen mit Marmor verkleideten Domes von Modena könnte mit dem darüber liegenden Hochchor Vorbild für Jerichow gewesen sein.

 

Im gleichen Dom sieht Schäfke Vorbilder für die Backstein-Trapezkapitelle in Jerichow.

 

Glasierte „Schalen“, wie an der Vorhalle der Abtei Pomposa, finden sich, wenn auch wenig eindrucksvoll, außen am Chor in Jerichow.

 

Terrakotta-Schalen an der Vorhalle der Abtei Pomposa (Foto: Matthias Holländer, Wikipedia, CC BY-SA 3.0)
 
 
 Kreuzbogenfries

 

Kiesow weist auf den in Jerichow häufigen Kreuzbogenfries hin, dessen Weg er vom maurischen Spanien über Norditalien nach Jerichow verfolgt. Diese Ähnlichkeiten haben zweifellos Gewicht.

 

 

Die Architektur

Die Kirche mit neuzeitlicher flacher Holzdecke ist eine 5-jochige Pfeilerbasilika mit 3 Schiffen und Querhaus im Osten, nach dem gebundenen System gebaut – die Maße der Vierung bestimmen den Grundriß.

 

Westbau Jerichow

 

Außen imponieren die zwei hohen Türme des Westbaus, bis zum 3. Geschoß verbunden mit einem wuchtigen leicht vorspringenden Mittelbau. Horizontal ist das Bauteil durch Friese gegliedert. Besonders auffallend sind Rund- und Kreuzbogenfriese.

 

Bis auf ein großes Drillingsfenster über dem Eingang und schießschartenähnliche Öffnungen in den Türmen sind die unteren Geschosse schmucklos. Weiße Blenden zieren die oberen Geschosse, im Spätmittelalter entstanden und 8-teilige gotische Helme tragend.

 

Der Chor aber mit seinen Apsiden und harmonischen Formen ist die Schauseite der Architektur.

 

Die Hauptapsis ist durch Lisenen vertikal gegliedert. Kreuzbogen- und andere Friese schmücken das Traufgesims. Der attraktive Kreuzbogenfries kommt am Bau immer wieder vor, hier am Giebel über der Mittelapsis, die von drei großen Rundbogenfenstern beleuchtet wird. Drei kleinere Fenster in ihren Achsen spenden der Krypta Licht.

 

Chor von Ost (Foto: MDM/Konstanze Wendt)

 

An den Nebenapsiden wird der Kreuzbogenfries durch weiße Blenden hervorgehoben, wie auch an den Armen des Querhauses. Alles in allem: ‚Romanik wie es sich gehört’, wie einer meiner Lehrer sagte. Da übersieht man schon mal, daß die Rundbogenfenster der kleinen Apsiden nicht auf gleichem Niveau liegen.

 

Beim Betreten des Innenraumes atmete der Besucher einmal tief durch. Ich, ziemlich befangen in meist steinsichtigen sakralen Räumen aus Naturstein, fand den Eindruck überwältigend. Kein Vergleich mit der 350 Jahre älteren Einhardsbasilika oder den noch älteren spätantiken Backsteinbauten in Ravenna, die ich besucht hatte.

 

Erst später lernte ich, daß die Wände mit Ziegelfarbe getüncht sind. Daher die einheitliche Farbigkeit. Die Fugen sind weiß ausgemalt. Letzteres wurde häufiger angewandt, auch bei Hausteinbauten.

 

 

Innenansicht nach Ost
 
Innenansicht nach West zur Turmhalle (Foto: Varus 111, Wikipedia, CC BY-SA 3.0)

 

Im 5-jochigen Langhaus tragen die seltenen Säulen aus Backstein ungewöhnliche Trapez-Kapitelle aus dem gleichen Material. Als Kontrast dienen ornamentierte Kämpferplatten aus Haustein, die den Blick zu weiß getünchten Bögen führen. Der Wandaufriß ist 2-zonig mit großer Backsteinfläche zwischen Arkaden und Obergaden.

 

Im Westen der Arkaden lösen 2 Backsteinpfeiler ohne Kapitelle die Säulen ab. Die Turmhalle wird von einer Zwillings-Arkade unter einer Empore begrenzt, deren Hausteinstützen skulptierte Kapitelle tragen. Darüber das gekuppelte Drillingsfenster des Westbaus.

 

Aufriß Nord. Vorn romanische Taufe.
 
Blick nach Südost

 

Nach Osten geht der Blick zur 2-schiffigen Krypta unter dem höher gelegenen Chor, der durch 4 hohe Bögen ausgeschieden ist. Die Brüstung wurde im Zuge von Restaurierungen im 19. Jh. eingebaut. In der Krypta enden die Naturstein-Säulen in reich skulptierten Kapitellen aus Haustein. Sie tragen ein Kreuzgratgewölbe.

 

Krypta mit Haustein-Kapitellen.
 
Krypta, Detail.

 

Die Klausurbauten konnte ich nur kurz besuchen. Sie sind sehenswert, vor allem nach den Restaurierungen der letzten Jahre.
 
Wer nicht allzu sehr unter Zeitnot leidet, sollte bei einem Besuch Magdeburgs einen Abstecher nach dem etwa 60 km entfernten Jerichow nicht versäumen.
 
 
 
 
 
Literatur
 
 
Eisold, Norbert, Lautsch, Edeltraut, Sachsen-Anhalt, Kunst-Reiseführer DuMont, 4. Auflage, 2005, DuMont Reiseverlag, Ostfildern, - S.79ff
 
Kaiser, Wolfgang, Romanische Architektur in Deutschland, in: Romanik - Die Kunst der Romanik, Hrsg. Toman, Rolf, Könemann-Verlagsgesellschaft mbH, Köln, 1996
 
Kiesow, Gottfried, Kulturgeschichte sehen lernen, Band 2, 1. Auflage, Verlag MONUMENTE Publikationen, Bonn 2001, - S. 34ff
 
Kiesow, Gottfried, Hrsg., Backsteingotik, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Köln, Frankfurt a. M., 2. Auflage, 2000, - S. 5, 9
 
Kiesow, Gottfried, Backsteinbaukunst, ihre Ursprünge und Entwicklungen, in: Backsteinbaukunst – Zur Denkmalkultur des Ostseeraums, Hrsg. Dt. Stiftung Denkmalschutz, Verlag: Deutsche Stiftung Denkmalschutz, MONUMENTE Publikationen, Bonn 2007 - S. 60ff, 198ff
 
Laule, Ulrike, Bednorz, Achim, Borngässer, Barbara, Architektur der Gotik, Die Ästhetik großartiger Baukunst, edel entertainment GmbH, Hamburg – Sonderausgabe, - S. 15
 

Mrusek, Hans-Joachim, Deutsche Baukunst, Romanik, VEB E.A. Seemann Verlag, Leipzig, 1983

Plumridge, Andrew und Meulenkamp, Wim, Brickwork, Architecture and Design, Seven Dials, Cassell & Co., London, Paperback, 2000, - S. 78ff, 165ff
 
Schäfke, Werner, Mittelalterliche Backsteinarchitektur von Lübeck zur Marienburg, DuMont Buchverlag, Köln, 1995, 14ff
 
Wagner-Rieger, Renate, Architektur, in: Das Mittelalter I, Hermann Filitz, Propyläen-Kunstgeschichte, Berlin, Propyläen-Verlag, 1990, - S. 225
 
 
 
 
Netz
 
Transromanica
Kloster und Klosterkirche St. Marien und St. Nikolai - Jerichow
http://www.transromanica.com/de
 
Modell der frühstädtischen Siedlung Hildesheim
https://www.baufachinformation.de/denkmalpflege
 
 
Dehio, Gottfried, Außenbaubeschreibung der Stiftskirche des Prämonstratenserstiftes zu Jerichow
Quelle: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen-Anhalt I, 1974
http://www.baufachinformation.de/denkmalpflege/Au%C3%9Fenbaubeschreibung-der-Stiftskirche-des-Pr%C3%A4monstratenserstiftes-zu-Jerichow/1988017114118
 
Dehio, Gottfried, Innenraumbeschreibung der Stiftskirche des Prämonstratenserstiftes zu Jerichow, Quelle: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen-Anhalt I, 1974
http://www.baufachinformation.de/denkmalpflege/Innenraumbeschreibung-der-Stiftskirche-des-Pr%C3%A4monstratenserstiftes-zu-Jerichow/1988017114119
 
Schmitt, Reinhard : Backsteinarchitektur in Mitteleuropa – Neue Forschungen, Hrsg. Ernst Badstüber, Lukas-Verlag, Berlin
http://books.google.de/books/about/Backsteinarchitektur_in_Mitteleuropa.html?id=n_F-YKbdClAC&redir_esc=y
 
Die Kunst des Mittelalters in der Mark Brandenburg
http://books.google.de
 
Prämonstratenserorden
http://www.heiligenlexikon.de
 
 
Eigene Beobachtungen




 

romanisch

Die Rundkirchen Bornholms

 

Auf der Granitinsel Bornholm zeugen vier schneeweiße Rundbauten seit acht Jahrhunderten von Religiosität und Verteidigungsbereitschaft. Heute sind sie, weil schön und legendenumwoben, ein Anziehungspunkt für die Besucher.

 

Auch ich wollte sie unbedingt sehen. Mich hat das geographisch und stilistisch etwas Abgelegene schon immer fasziniert.

 

Zunächst grundsätzlich: Romanische Architektur ist vielseitig, auch im Bautypus. Sie hat uns neben vielen Längsbauten auch Zentralbauten hinterlassen, rund oder polygonal, sowie die Kombination von beiden, wie >St. Maria im Kapitol in Köln.

 

Zentralbauten finden sich in allen Gegenden und zu allen Zeiten. In der Regel sind sie zweckgebunden, sei es als Taufkirche, Krypta, Grabkirche (Grabmal Theoderichs des Großen) oder Herrscherkirche (Pfalzkapelle Karls des Großen).

 

Über die Gründe für den kreisförmigen Grundriß der Bornholmer Bauten ist viel diskutiert worden. Hier mein Beitrag:

 

Zunächst ist der Kreis mit viel Symbolik behaftet. Er steht für das Ewige, Absolute und für das Himmlische. Mittelalterlichen Menschen war das sehr bewußt. Auch ist ein runder Bau verteidigungstechnisch optimal. Die stärksten Teile einer Stadtmauer waren die Rundtürme. Dann fallen mir in diesem Zusammenhang die runden Kirchtürme in Irland ein (ab 10. Jh.) und die frühen Campanile in Italien (San Apollinare Nuovo). Gründe genug also für den kreisförmigen Grundriß.

 

 

Baustil

Drei der vier Rundkirchen sind Wehrbauten. Das macht sie so interessant. Der Stil ist eindeutig romanisch, mit starken Mauern, vielen Rundfenstern und –portalen, Ringtonnen, großen Rundbogen innen. Kein Spitzbogen, kein Rippengewölbe erinnerte mich an die Gotik bei meinem Besuch. Ich erwähne das deshalb, weil Haagensen von gotisch/romanischer Architektur spricht. Nur die Fresken sind wohl frühgotisch.

 

Einige Merkmale haben alle vier Kirchen gemeinsam: Getrennte Eingänge für Frauen und Männer, kräftige Mittelpfeiler stützen alle Stockwerke und tragen im Erdgeschoß eine Ringtonne, für den Bau wurden heimischer Granit und Feldsteine verwendet, die Mauern werden jährlich geweißt. Alle Kirchen sind umgeben von schönen und außerordentlich gepflegten Friedhöfen.

 

Im Gegensatz zu den Kirchen haben die frei stehenden Glockentürme quadratischen oder rechteckigen Grundriß.

 

Entsprechend ihrer Funktion bestand bei den Wehrbauten das oberste Stockwerk aus einer Plattform evtl. mit Wehrgang und flachem Dach. Die heutigen Dächer sind neuzeitlich.

 

Funktion und Ursprung

Der Ursprung scheint im Dunklen zu liegen. Nicht einmal alle Baudaten sind eindeutig. Man spricht von einer Zeitspanne zwischen 1150 und 1250. Wer waren die Erbauer?

 

In ihrem bemerkenswerten Buch bringen Haagensen und Lincoln Templer und baltische Kreuzzüge mit den Rundkirchen in Verbindung.

 

Laon, (F) Templerkapelle

 

Die Kirchen auf die Templer zurückzuführen, finde ich verführerisch, aber sehr problematisch. Es war der Schwertbrüderorden, auf den die Autoren offensichtlich anspielen. Der wurde 1202 in Riga gegründet. Er hatte zwar den Templerorden zum Vorbild und auch dessen Ordensregeln, die aber galten auch für den Deutschen Ritterorden.

 

Die Schwertbrüder waren keine Templer, und schon im Mittelalter wurde Vorsorge gegen Verwechslungen getroffen. In einer Bulle des Papstes Innozenz II. wird bestimmt, daß die Schwertbrüder das Abbild eines Schwertes auf dem weißen Mantel tragen sollten, um sich dadurch von den Templern abzuheben. Die ersten Schwertbrüder waren Deutsche, während der Templerorden von Franzosen gegründet wurde. Eine Verbindung der Schwertbrüder nach Frankreich ist nicht festzustellen. Anderseits hat es für den Templerorden nach Sippel keine Aktion im Ostseeraum gegeben.

 

Crypta de la Crèche, Saint Michel de Cuxa (F)

 

Das Architekturargument ist angreifbar. Nicht alle den Templern zugeschriebene Kapellen haben einen runden Grundriß oder waren Zentralbauten. Nach Demurger – der Historiker hat lange wissenschaftlich über die Templer gearbeitet – sind Kirchen mit zentralem Grundriß, egal ob rund oder polygonal, in der Sakralarchitektur der Templer die Ausnahme und keine Spezialität dieses Ordens. In Laon ist die Templerkapelle jedoch achteckig.

 

Rundkirchen mit Mittelpfeiler und Ringtonne wurden schon früh gebaut, z.B. im Kloster Saint Michel de Cuxa, in den Pyrenäen, etwa 100 Jahre vor Gründung des Templerordens.

 

Doch selbst wenn die Templer keine Rolle spielen, ist nicht ausgeschlossen, daß während des Kreuzzuges ins Baltikum (etwa von 1170 – 1225) diese Bauten von anderen Kreuzfahrern als Vorratshäuser und Stützpunkte genutzt und vielleicht sogar errichtet wurden. Vom Zeitfenster her würde das passen. Und da Steinbauten teuer waren, nutzte man die Gebäude gleichzeitig als Kirchen für Bewohner Bornholms und Reisende.

 

Auch die Abwehr wendischer Piraten könnte ein Grund für die Errichtung der Kirchen in dieser Form gewesen sein. Nicht ausgeschlossen, daß mehrere Gründe zusammen kommen.

 

Die einzelnen Kirchen

Ny Kirche in Nyker

Sie liegt nordöstlich der Inselhauptstadt Rönne und ist die Kleinste und Jüngste. Hinz sieht sie als einzige nicht als Wehrkirche an, weil ohne Wehrgeschoß. Sie wurde im 13. Jh. erbaut.

 

Der Eingang liegt zur Straße hin. Eine kleine rechteckige Vorhalle mit Staffelgiebel und Satteldach empfängt den Besucher.

 

Um etwa 90° versetzt ein kleiner Rechteck-Chor mit Satteldach und halbrunder Apsis. Durch 3 schmale, schräg in die dicke Mauer geschnittene Rundbogenfenster fällt Licht auf den Altar.

 

Nyker Kirche
 
Nyker, Turm mit Anbau

 

Der Unterbau des abseits stehenden rechteckigen Turmes ist massiv gemauert. Die erhöht liegende Eingangspforte diente besserer Verteidigung. Das obere Stockwerk wurde in Fachwerk ausgeführt.

 

Die Mittelsäule zeigt als Kapitellersatz sehr schöne Fresken aus der Leidensgeschichte Christi. Weitere Malereien schmücken zum Beispiel den großen Rundbogen, der zum Chor führt.

 

Malerei an der Mittelsäule, 13. Jh.

 

Olsker Kirche – St. Olskirche

Sie liegt im Norden der Insel. Olav der Heilige von Norwegen ist der Namenspatron. Vielleicht war er die christliche Entsprechung des germanischen Thor. Der ist jedenfalls an einer der Zugangsbauten vertreten.

 

Diese Kirche soll um 1150 erbaut worden sein. Sie ist mit 26 Metern die höchste der vier Bauten. Weil auch auf einer 100 m hohen Erhebung errichtet, hatten die Verteidiger gute Sicht. Schießscharten unter der Traufe zeugen von Verteidigungsbereitschaft im 12. Jh.

 

Thor-Symbol mit Axt, eine Schlange zertretend
 
 
Rundkirche Olsker mit Vorhalle und „Turm“ am Giebel der Eingangspforte

 

Die roten Ziegel des Satteldaches der rechteckigen Vorhalle setzen einen freundlichen Farbfleck inmitten der Weiß-, Schwarz -und Grautöne der übrigen Gebäude.

 

Wie auch bei der Nykirche ist der Chor, auch hier mit halbrunder Apsis, um etwa 90° vom Eingang versetzt angebaut.

 

Die beiden Stützpfeiler waren im 19. Jh. wegen des unsicheren Untergrundes erforderlich.

 

Der rechteckige Glocken“turm“, auch hier mit gemauertem Untergeschoß, liegt direkt an der Straße.

 

Beim typischen Mittelpfeiler dehnt sich die Malerei auf die Ringtonne aus. Die nachgebaute enge Treppe mit versetzten Stufen unterstreicht die Funktion als Wehrbau.

 

Olsker Kirche, Mittelpfeiler
 
 
Treppe (nicht original) zu oberen Stockwerken

 

Nach einem Aufstieg in das obere Stockwerk können sich die Besucher in etwa einen Eindruck von der Situation im Verteidigungsfall machen. Die Schießscharten lassen Dämmerlicht in den urigen Raum. Auf dem Mittelpfeiler ruht eine phantasievolle Sparrenkonstruktion, mittelalterlich aussehend, obwohl erst später eingebaut.

 

Olsker, Obergeschoß
 
 
Olsker, Sparrenwerk Dachgeschoß

 

Rundkirche in Nylars, dem Hl. Nikolaus geweiht

Sie liegt im Südosten von Rönne, soll die schönste der vier Kirchen sein und wurde relativ früh, in der Mitte des 12. Jh., erbaut. Ein roter Farbtupfer auch hier - das Satteldach des Turmes.

 

Kirche in Nylars mit Turm und Friedhofsmauer

 

Gemeinsam hat sie mit den drei bisher besprochenen Kirchen einen Durchmesser von 11 m und natürlich auch die Mittelsäule, die besonders reich bemalt ist und unten mit einem Rundbogenfries abschließt.

 

Mittelpfeiler, unten Rundbogenfries, Erschaffung Adams und Evas, Sündenfall
 
 
Vertreibung

 

Im Vorraum befinden sich einige Runensteine. Der größte ist fast 3 m hoch. Die Runen sind im christlichen Symbol des Kreuzes angeordnet, an dessen Fuß sich eine Schlange bewegt.

 

Runenstein, am Fuß des Kreuzes eine Schlange, 11. Jh

 

Die Rundkiche von Österlars

Im Norden der Insel liegend ist sie ist die Größte und gleichzeitig Älteste. Sie wird jährlich von über 100.000 Interessierten besucht. Ihr Patron ist der Hl. Laurentius.

 

Von außen fallen die mächtigen Stützen auf, die wohl neuzeitlich sind, ebenso wie das heutige Dach aus dem 18. Jh.. Der Chor ähnelt den anderen, ist aber unverputzt und weist mit unbeholfen gearbeiteten Lisenen und Rundbogenfries typisch romanische Merkmale auf.

 

Rundkirche Österlars

 

Innen hat der übliche Mittelpfeiler einen viel größeren Durchmesser als der der anderen Kirchen und kann durch eine Rundarkade betreten werden. Dadurch entsteht, verglichen mit den übrigen Kirchen, ein völlig anderes Raumgefühl.

 

Begehbarer Mittelpfeiler
 
 
Detail Mittelpfeiler - Kreuzabnahme

 

Auch in dieser Kirche haben Runensteine überlebt, wohl aus der Mitte des 11. Jh.

 

Runenstein mit Kreuzsymbol

 

Ein Besuch der Rundkirchen lohnt sich für jeden. Für mich haben sie eine ganz besondere Ausstrahlung.

 

 

 

 

Literatur

Binding Günther: Architektonische Formenlehre, Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1998 – S.13ff.

Biedermann, Hans: Knaurs Lexikon der Symbole, München, Droemer/Knaur, 1989  - S. 246f.

Demurger, Alain, Die Templer, Aufstieg und Untergang, Verlag C.H. Beck, München, 1991, S. 159ff.

Haagensen, Erling und Lincoln, Henry, The Templars’ Secret Island, The Windrush Press, Gloucestershire, 2000, S. 15ff.

Jaspert, Nikolaus, Die Kreuzzüge, Hrsg. Martin Kintzinger, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 2003

Pistohlkors, Gert von, Deutsche Geschichte im Osten Europas, Baltische Länder, Siedler Verlag, Berlin, 1992

Sippel, Hartwig, Die Templer, F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, Wien, München, 1996

 

Netz

http://books.google.de/books?id=m7gjpGIdeAIC&pg=PA96&lpg=PA96&dq=Rundkirchen+bornholm&source
Neumann, Sabine, Schwarz, Horst, Bornholm, S. 96f.

http://books.google.de/books?id=wt2OmJaGuIYC&lpg=PA166&dq=bornholm%20rundkirchen
Hinz, Hermann, Die ostskandinavischen Wehrkirchen, S. 166,
Château Gaillard, Etude de Catellogie, 1982, Actes du Colloque International tenu à Karrebaeksminde (Danmark)

http://www.festsange-cordua.dk
Homepage Jean Cordua

http://www.schwertbrueder.at/cms/website.php?id=/de/index/prinzipien_und_regeln.htm
Orden der Schwertbrüder Christi

http://www.bernievancastle.de/index.php?option=com_content&view=article&id=780
Burgen und Stadtmauern in Europa

http://www.bornholm-ferien.de
Bornholm, Dänemark

http://www.ny-kirke.dk

http://www.ferienhaus-bornholm.com/bornholm-rundkirchen.html
Rundkirchen auf Bornholm

http://graildiary.blog.de/2006/10/19/bornholm_rundkirchen_templer_und_der_gra~1239944/
Der „Heilige Gral“ – Neuigkeiten und Notizen

 

 

Eigene Beobachtungen

 

 

 
 
 

 




 

romanisch

St. Maria im Kapitol, Köln

 

Mehr als 1000 Jahre Geschichte umwehen diesen größten und schönsten Bau der Romanik in Köln. Römer, Karolinger, Salier und Staufer haben hier gebaut und gebetet. Er zitiert in der Architektur die Geburtskirche in Bethlehem, die Pfalzkapelle Karls des Großen und den Dom zu Speyer.

 

Vorgängerbauten

Wer in Köln den Ursprüngen romanischer Kirchen nachspürt, stößt oft, wen wundert es, auf die Römer. Lange vor mittelalterlichem Bauen hatten Menschen am gleichen Ort zu den römischen Staatsgöttern Jupiter; Juno und Minerva gebetet, deren Tempel  nach Hugo Borger archäologisch eindeutig nachgewiesen ist.

 

Plektrudis (gotische Grabplatte 12. Jh. im Mittelschiff)

 

Im 7. Jahrhundert verehrten die Franken ihren Gott auf den Ruinen, unter ihnen der mächtige karolingische Hausmeier Pippin der Mittlere, seit 687 Alleinherrscher im Frankenreich, und seine Gemahlin Plektrudis.

 

Nach Pippins Tod (714) mußte sie die Macht an ihren Stiefsohn Karl Martell abgeben. (Er wurde später (732) dadurch berühmt, daß er den Mauren bei Tours und Poitiers das weitere Vordringen nach Europa verwehrte.) Plektrudis residierte nun dauerhaft in Köln, an der Peripherie des Reiches.

 

Dann wird es schwierig mit den Quellen. Gab es in den Ruinen des römischen Tempels schon ein Kirchlein, das Plektrudis um 700 übernahm oder erweiterte? Oder baute sie selbst eine Kapelle? Für Wolff und Borger scheint das wahrscheinlicher. Auf der Internet-Seite des „Fördervereins Romanische Kirchen Köln“ werden sogar die vermutlichen Maße angegeben (10,4 x 31.8) mit der Aussage, daß Reste des Tempels für den Bau benutzt wurden.

 

Welche Folgebauten hatte die Kirche in den Jahrhunderten bis zum Bau der heutigen? Soweit mir bekannt, ist diese Frage nicht erschöpfend beantwortet. Hat zum Beispiel der Plektrudis-Bau unter den Normannenüberfällen des 9. Jh. gelitten, die dann Baumaßnahmen erforderten?

 

Untergeschoß Westbau

 

Der mächtige Brun, Bruder Kaiser Ottos des Großen und Erzbischof von Köln (953-65), scheint nach der obigen Quelle im 10. Jh. einen Um- oder Neubau finanziert zu haben. Wir wissen nicht, wie er aussah.

 

Die Basis des wohl dreitürmigen Westbaus der Vorgängerkirche, - nach Werner Schäfke bis zu 5 m Höhe erhalten – ist heute fast zugebaut. Möglicherweise entsprechen die noch sichtbaren Teile mit Tuffblöcken und Ziegeln der alten Westwand des Brun-Baues. In ihrer Mächtigkeit macht sie nicht den Eindruck eines Mauerwerks aus der Zeit der Plektrudis.

 

Auf der Seite des Frauenhofer IRB aber lesen wir: „die machtvolle mittelalterliche Dreiturmgruppe war jedoch bereits seit dem 17. Jh. stark reduziert“. War das ein Teil des Brun-Baues?

 

Essener Münster, Westwerk

 

Zusätzlich zur architektonischen Problematik wird diskutiert, ob bereits Plektrudis ein Damenstift gründete, wie es eine mittelalterliche Überlieferung besagt. Borger meint, erst Brun sei der Gründer des Stifts.

 

Der heutige Bau

Da Architektur oft von Geschichte beeinflußt wird, werfen wir zum besseren Verständnis einen Blick auf die Kaiserdynastien der Ottonen und Salier. Mit Kaiser Heinrich II. aus einer Nebenlinie endete 1024 die ottonische Herrschaft, Konrad II. folgte als erster Kaiser der salischen Dynastie.

 

Aber die Ottonen waren nur im Mannesstamm ausgestorben. Frauen lebten in der Familie der Ezzonen weiter und auch Hermann II., ein Enkel Kaiser Ottos II., seit 1036 Erzbischof in Köln. Vermutlich sorgte sein Einfluß dafür, daß seine Schwester Ida das Amt der Äbtissin im einflußreichen Damenstift übernahm. Erzbischof und Stift müssen reich gewesen sein, denn sie begannen um 1040 eine große und ungewöhnliche Kirche zu bauen. Nach etwa 25 Jahren Bauzeit wurde St. Maria im Kapitol endgültig geweiht.

 

Auch Schwester, Theophanu, ab 1039 Äbtissin in Essen, begann bald einen eindrucksvollen Neubau, dessen Westteil erhalten ist.

 

Äbtissin Ida (1015 – 1065?)

 

Die Erben der Dynastie waren noch aktiv, der alte Glanz nicht vergessen.

 

Im 12. Jh., zur Zeit der Staufer, wurde umgebaut. Die Konchen erhielten Rundbogenfries und größere Fenster in den Obergaden des Umgangs. Im 13. Jh. ersetzte man die Holzdecke des Mittelschiffs durch ein Gewölbe.

 

Im 2. Weltkrieg wurde St. Maria stark zerstört. Es wurde beschlossen, sie im ursprünglichen Stil der Salierzeit wieder aufzubauen.

 

Trotz aller Umbauten wird, völlig zu Recht, die Kirche mit Superlativen aller Art bedacht:

 

„Hauptwerk der salischen Kirchenbaukunst“ (Förderverein Romanische Kirchen Köln)

 

„Eine der bedeutendsten Schöpfungen der mittelalterlichen Baukunst“ (v. Winterfeld).

 

Kaiser sieht einen „Grundriß, der in einer bis dahin nicht erreichten Vollkommenheit der Form konzipiert wurde“.

 

Auf alle Fälle ist sie die größte der romanischen Kirchen Köln, und für mich die schönste und interessanteste.

 

Es fällt auf, daß die Ottonen-Erben nicht auf die Bautradition ihrer Dynastie zurückgriffen, sondern „modern“ bauten. Schäfke meint, man habe dem wichtigsten Projekt des Salier-Geschlechts, dem Dom zu Speyer, Paroli bieten wollen.

 

Kleeblattchor von SO

 

Architektur

Anders als St. Pantaleon liegt die Kirche in dicht bebautem Gebiet im Südosten des alten Köln. Als Ganzes kann man sie nicht „auf Tuchfühlung“ umwandern.

 

Das spektakulärste und wichtigste Bauelement im Osten jedoch hat Raum. Schon der Zugang - über Marienplatz - ist interessant. Durch das schöne Dreikönigen-Pförtchen aus dem 14. Jh. erreicht der Besucher den Lichhof.

 

Gewaltige Baumassen beherrschen den Platz: Drei große Konchen mit halbrundem Grundriß und drei in die Winkel gebaute gotische Kapellen.

 

Der hohe Sockel der Ostkonche hat eine Mauerstärke von 7 m und ist mit Blendbogen gegliedert.

 

Die Wand des Chorumgangs darüber ist zwischen den Rundbogenfenstern mit Halbsäulen und Pilastern aus rot-hell alternierenden Quadern geschmückt und trägt Konsolen unter der Traufe. Einfarbige Lisenen und Rundbogenfenster beleben, zusammen mit Rundbogenfriesen, die Obergaden des Chorumgangs.

 

Die Kapellen mit quadratischem Grundriß, Pyramidendächern und gotischen Fenstern stören aus meiner Sicht das Bild sonst reiner romanischer Formen.

 

Den Eingang zur Kirche findet man an der Westseite, von der Kasinostraße her.

 

Gleich rechts vor der Kirche überrascht einer der wenigen in Köln erhaltenen Kreuzgänge mit beachtlichen Resten.

 

Westbau von NW
 
 
Kreuzgang (teilweise Mitte 12. Jh.)
 
 
Kapitell mit Vogelmotiven

 

Innenräume

Durch eine Turmhalle und eine von Säulen gestützte Dreierarkade betritt man den Längsbau, eine dreischiffige Pfeilerbasilika.

 

Oberhalb der Arkade befindet sich vor einer Empore als Zitat der Pfalzkapelle Karls des Großen das 2-stufige „Säulengitter“. Damit wollten sich die Ottonen – Kaiser Otto III. verehrte Karl - nach Meinung der Kunsthistoriker als kaiserliches Herrscherhaus in Erinnerung bringen. Der Westbau der Theophanu in Essen zeigt eine ähnliche, wenn auch großzügigere Säulenanordnung.

 

Säulengitter der Ida in Köln
 
 
Säulengitter der Theophanu in Essen
 
 
Zum Vergleich das Vorbild: Pfalzkapelle Aachen

 

Im Osten verstellen Renaissance-Lettner und Orgel leider den Blick zu Vierung und Ostkonche.

 

Mittelschiff Längsbau nach Ost

 

Beim Wiederaufbau nach dem Krieg hat das Mittelschiff, nach dem Vorbild des 11. Jahrhunderts, wieder eine Holzdecke erhalten. An das Gewölbe des 13. Jh. erinnern sinnlos anmutende Säulchenelemente an der ansonsten schmucklosen Wand oberhalb der Arkade – ehemalige Dienste.

 

Die Seitenschiffe waren schon im 11. Jh., wie der sich anschließende Chorumgang, zwischen Gurtbogen kreuzgratgewölbt.

 

Am Lettner kommt der Besucher zum interessantesten Teil des Grundrisses, dem Tri-Konchos oder Kleeblatt-Chor. Es ist diese ungewöhnliche Kombination von 3-schiffigem Längsbau mit einem Zentralbau, die Aufsehen erregt. Vorbild war die Geburtskirche in Bethlehem. Da sie keinen Chorumgang hatte, griffen die Kölner Baumeister auch auf die Grabeskirche in Jerusalem zurück. Damit sind nach Wolff „Anfang und Ende des irdischen Lebens Jesu symbolisiert.“

 

Man stelle sich einen Zentralbau mit 4 Armen und großen Apsiden vor, um eine Vierung mit Kuppel gruppiert. Der westliche Arm wird durch den Längbau ersetzt.

 

Quelle: Wikipedia/ Public Domain
 

Nur zum besseren Verständnis hier ein alter Grundriß, der in Einzelheiten nicht die aktuelle Situation wieder gibt.

 

Daß die Seitenschiffe als Umgang um die Apsiden weiter geführt werden, macht den besonderen Reiz dieser Architektur aus. Die Gurtbogen ruhen in den Seitenschiffen auf Halbsäulen mit Würfelkapitellen, die den Pfeilern der Arkaden vorgelegt sind.

 

Blick in die Ostkonche
 

Im Umgang setzt sich an der Außenwand diese Anordnung fort. Frei stehende Säulen bilden die inneren Arkaden. Deren Scheidbogen, wie die Lisenen am Außenbau alternierend zwischen rot und hell, ruhen auf schlichten Würfelkapitellen. Darüber trägt ein zweifarbiges Gesims zierliche Halbsäulen in der Achse der unteren Stützen. Sie tragen spitzbogige Blendarkaden, in die Rundfenster eingelassen sind. Der Monumentalität des Außenbaus stehen hier grazile Formen gegenüber.

 

Die Zweifarbigkeit betont kaiserlichen Anspruch. (Purpur als Farbe der Kaiser). Sie fällt auch auf bei einigen Pfeilern, Gurtbogen und den Rundbogen über den Türen.

 

Zwischen die Säulen des Chorraumes sind gotische Chorschranken gespannt.

 

 

Krypta

Sie ist mit 3 Schiffen und einem angedeuteten Querhaus nach Speyer die zweitgrößte romanische, mindestens in Deutschland. Auf stämmigen Säulen mit Würfelkapitellen ruhen die Gurtbogen des Kreuzgratgewölbes der Mittelschiffarkaden. In den Seitenschiffen sind, wie oben im Langhaus, Halbsäulen den Pfeilern bzw. Wänden vorgelagert.

 

Krypta nach West
 
 
Kapelle

 

Drei Kapellen sind in die dicken Mauern eingelassen.

 

Idas Schwester, Richeza, nahm in Brauweiler diese Unterkirche zum Vorbild einer kleineren Krypta für ihre Klosterkirche. Sogar die Baumeister der Kathedrale von Canterbury (1110-30) ließen sich von St. Maria inspirieren.

 

Gabelkreuz

 

Ausstattung

Die Kirche beherbergt erfreulich viele Kunstwerke, darunter das beeindruckende Gabelkreuz aus dem 14. Jh.

 

Das für mich schönste und wertvollste Kunstwerk aber sind die hölzernen Portale aus der Mitte des 11. Jh., früher am Eingang der Nordkonche. Ich habe sie noch ungeschützt erlebt. Heute sind sie hinter einem schönen schmiedeeisernen Gitter im südlichen Seitenschiff aufgestellt.

 

Die beiden Flügel sind 2,3 m hoch, die Figuren aus Nußbaumholz geschnitzt, auf Eichenbohlen befestigt. Die einzelnen Felder sind von Wülsten und Flechtornamenten umgeben, mit dicken Knäufen an den Ecken.

 

Die wunderbar naive Darstellung der Szenen aus dem Leben Jesu tragen noch deutliche Farbspuren. Die Zuordnung ist für den Laien schwierig. Ich habe es trotzdem versucht.

 

Vor uns sehen wir die ältesten Holz-Portale nördlich der Alpen. Nur die Türen in Santa Sabina auf dem Aventin-Hügel in Rom sind etwa 600 Jahre älter. Holzportale sind die Ausnahmen unter den erhaltenen Türen des Mittelalters. Von den teureren und aufwendigeren Bronzeportalen (St. Michal, Hildesheim) haben vergleichsweise viele überlebt.

 

Ich habe die Szenen in Köln oft aufgenommen, schwierig wegen des Gitters. Es ist immer wieder faszinierend, zu sehen wie das Holz lebt, abhängig von den Lichtverhältnissen.

 

Oben: Abendmahl;
links darunter: Himmelfahrt; Rechts: Kreuzigung;
links darunter: Erscheinung Christi vor den Jüngern; rechts: Frauen am leeren Grabe
 
Erscheinung Christi vor den Jüngern (?)
 
 
Links: Himmelfahrt; rechts: Kreuzigung

 

Abschließend mein Rat: Wenn Sie nur kurz in Köln sind und nicht wissen, welche der 12 romanischen Kirchen Sie besuchen sollten, wählen Sie diese.

 

 

Literatur

Borger, Hugo, Die Abbilder des Himmels, Band I, Greven-Verlag Köln, 1979 – S. 238ff.

 

Kaiser, Wolfgang, in: Romanik, Die Kunst der Romanik, Hrsg. Toman Rolf, Könemann-Verlagsgesellschaft mbH, Köln, 1996, - S. 52f.

 

Laule Ulrike, in: Architektur der Romanik, Die Ästhetik großartiger Baukunst, edel entertainment GmbH, Hamburg, – S.75f.

 

Schäfke, Werner, Kölns Romanische Kirchen, Geschichte und Ausstattung, DuMont Kunstreiseführer, DuMont Buchverlag Köln, 1996 – S. 142ff.

 

Schmidt, Heinrich, Margarethe, Die vergessene Bildersprache christlicher Kunst, Verlag C.H. Beck, München, 1989 – S. 312.

 

Wagner-Rieger, Renate, Architektur, in: Das Mittelalter I, Hermann Filitz, Hrsg., Propyläen-Kunstgeschichte, Berlin, Propyläen-Verlag, 1990 - S.188f.

 

Winterfeld, Dethard von: Romanik am Rhein, Stuttgart: Konrad Theiss Verlag, 2001 – S. 125ff.

 

Netz

Förderverein Romanische Kirchen Köln
www.romanische-Kirchen-Koeln.de

Sankt Maria im Kapitol als Bauwerk
http://www.maria-im-kapitol.de/kirche/index.htm

Stadt Köln - Sehenswertes
http://www.stadt-koeln.de/6/sehenswertes/

Köln Altstadt – Maria im Kapitol
http://www.koeln-altstadt.de/kultur/romanischekirchen/stmariaimkapitol/index.html

Bauinformationen – Fraunhofer IRB
http://www.baufachinformation.de/denkmalpflege.jsp?md=2000047108785

Romanik in Deutschland (Rolf Tomm, Romanik. Feierabend-Verlag, Berlin 2002)

http://kunst.gymszbad.de/architektur/arch-romanik/bauten/deutschland/romanik-deutsch.htm

Verschiedene Wikipedia-Dokumente

 

Vorträge/Seminare

Thiesen, Rainer, „Romanik – Einführung und Hintergründe“, Romanik-Seminar Burgund, Dr. Tigges Studienreisen, Autun Oktober 1996

Thiesen, Rainer, Romanik-Seminar, Thomas-Morus-Akademie, Bensberg, 15/16. Febr. 2009

Wolff, Arnold, Romanische Kunstlandschaften, „Späte Hochblüte“, Vorlesungsreihe Karl-Rahner-Akademie, Köln, Januar/Februar 2003

 

Eigene Beobachtungen

 




GOTIK

Kathedrale von Saint-Denis

st denis paris 2 2

Während Saint-Denis, ein nördlicher Vorort, heute gelegentlich durch wenig erfreuliche Schlagzeilen von sich reden macht, war es im 12. Jh. ein befestigtes Städtchen, dem das Kloster, Grablege der französischen Könige seit dem 10. Jh., große Bedeutung verlieh. weiter >>

EINZELTHEMEN

Mittelalterliche Holzdecken und Dachstühle

decken5

Wenn Gläubige ihr Antlitz erheben, erwarten sie Pracht und Schönheit der symbolischen Himmel. In mittelalterlichen Kirchen gaben Baumeister, Zimmerleute und Maler für die Gestaltung von Holzdecken und Gewölben das Beste ihrer Kunst. weiter >>

ROMANISCH

Der Dom zu Speyer

speyer4

Immer beseelte große Herrscher der Wunsch, sich in möglichst imposanten Bauten zu verewigen. Das war in der Antike so und endete nicht im Mittelalter. Karl der Große schuf in Aachen seine Pfalzkapelle, die ottonischen Kaiser Otto I. und Heinrich II. errichteten Dome in Magdeburg und Bamberg. Die Salier schufen innerhalb von einhundert Jahren – der Dauer der Dynastie – einen Bau der Superlative, der den Titel Weltkulturerbe mehr als verdient. weiter >>

KURZBIOGRAFIE

Einhard

einhard1

Der Sohn einer unbedeutenden mainfränkischen Adelsfamilie schaffte es über eine Klosterausbildung in den engsten Beraterkreis Karls des Großen aufzusteigen. Als einziger der Karlsberater faßte Einhard Fuß am Hof des Thronfolgers. Den Zerfall des fränkischen Reiches sah er voraus, aber seine mahnende Stimme war leise geworden. Sein Ruhm, vor allem als Historiker und Biograf, begleitete ihn in die Einsamkeit des Odenwaldes. weiter >>

ROMANISCH

Klosterkirche Jerichow

jerichow02

Aus den grünen Elbauen im nördlichen Sachsen-Anhalt steigen braun-rote Doppeltürme auf und weisen seit 800 Jahren den Weg zur Klosterkirche, dem frühesten Denkmal romanischer Backstein-Architektur. weiter >>

GOTIK

Kathedrale von Wells

wells09

Inmitten großer Rasenflächen bezeugt The Cathedral Church of St Andrew den Willen englischer Baumeister der in Frankreich gewachsenen Gotik mit Ideenreichtum und virtuosem Können ein eigenes Gepräge zu geben. Sie bieten dem Besucher einige ihrer charakteristischen Entwicklungen, wie Chapter House, Lady Chapel und - einmalig in der Architekturgeschichte - die berühmten Scherenbögen. weiter >>