lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte

Zum Schmunzeln

Zum Schmunzeln

Die Lipper

Moritz zieht vorsichtig an der richtigen Leine, und langsam steigt die Flagge am Mast empor. Das gelbrote Tuch mit der Lippischen Rose entfaltet sich in einer steifen südöstlichen Brise.
 
Der Kleine belegt die Leinen vorschriftsmäßig kreuzweise auf der Klampe. Da hat er Lob des Nachbarn verdient.
 
Die Lipper können kommen.
 
Als die drei Jugendlichen schellen, stürzt Moritz nach draußen.
 
"Ich habe die Flagge ganz allein gehisst", kräht er.
 
Nele, Heike und Jens werfen kaum einen Blick hinauf. Die Marotten der vor 60 Jahren ins Rheinland ausgewanderten Alten kennen und langweilen die Teens seit langem.
 
Der Kleine ist enttäuscht. Er schaut hinauf zu seinem alten Freund. Der macht eine beschwichtigende Handbewegung.
 
Innen kommt Unterhaltung nur stolpernd in Gang. Die Themen "Wie war die Fahrt?" "Wie geht es den Eltern?" sind schnell abgehandelt.
 
Moritz springt in die Bresche: "Mit was für einem Auto seid Ihr gekommen? Mit der Antwort: "Opel Kadett" ist für den Autofan dieser Punkt auch erledigt.
 
Er wird wird nach der Schule gefragt, was bei dem erst vor einer Woche Eingeschulten keine Begeisterung aber auch nicht die üblichen negativen Reaktionen hervorruft.
 
Moritz spürt, hier droht Langeweile, ein Zustand, der um jeden Preis verhindert werden muss. Da muss er selbst ran.
 
"Wie viele lippische Lieder kennt Ihr denn?"
 
Die Jugendlichen sehen sich verstört an. "Was meinst Du?
 
"Ich kenne Zwei", brüstet sich Moritz. "Als die Römer frech geworden…" und "Lippe Detmold eine wunderschöne Stadt."
 
"So was kennen wir nicht", rafft sich Jens zu einer Antwort auf.
 
Moritz versteht die Welt nicht mehr." Ich kann das sogar singen."
 
Und eine Ermunterung nicht abwartend stellt er sich hin und singt die erste Strophe von
 
"Lippe Detmold eine wunderschöne Stadt, darinnen ein Soldat…"
 
Fremdschämen in den Gesichtern der lippischen Teens.
 
Es geht dann zum Essen, und nach einigen Stunden haben die jungen Leute auch diesen Besuch hinter sich gebracht.
 
Auf der Straße winkt auch Moritz pflichtschuldigst dem Opel Kadett nach.
 
Etwas aber muss er noch loswerden:
 
Er stupst dem Nachbarn in die Rippen. "Waren das wirklich echte Lipper?"




Wie das Leben zu mir sprach

 
Kindheit
 
 
„Wenn Hitler den Krieg gewinnt, schickt man uns alle nach Sibirien."
     Oma
 
„Steuht de Steert, steuht de Verstand.“
     Oma bei der Nachricht, dass ein Mädchen schwanger ist und Ehe droht.
 
 
„Et gifft keun grauter Leid os dat wat sik de Minske sümst andeit.“
     Oma: „Selbst schuld.“
 
 
"Je öller, je döller."
     Lippische Spruchweisheit
 
 
„Das ungeschickte Fleisch muss weg.“
     Oma bei kleineren Verletzungen
 
 
„Ra- und Frisiersalon“
     Ladenschild im Sauerland
 
 
Jugend/Ausbildung
 
 
„Wo ist das Problem? Dann lässt er den Jungen in Ruhe.“
     Meine Mutter zum Hinweis einer Freundin, dass der künftige Ausbilder einen schlechten Ruf als Casanova habe
 
 
„Das schnellere Fahrzeug hat immer Vorfahrt.“
     Amtsgericht - Mein Chef (Porsche-Fahrer) auf die Frage des Richters nach den Vorfahrtsregeln.
 
„Es gibt nichts Eiliges, was nicht durch längere sachgerechte Lagerung noch eiliger wird und sich am Schluss von selbst erledigt.“
     Ausbilder
 
 
„…um die Breite eines blonden Frauenhaares“ (Toleranz verfehlt)
    Werkzeugmachermeister zum Lehrling
 
Erwachsen/Beruf
 
„Keine Sorge. Fünf Zentimeter machen wir mit dem Putz und einen mit der Farbe.“
     Bauunternehmer zum Zweifel des Bauherren ob des korrekten Fluchtens einer Wand
 
 
„Bedenken Sie bitte: Ich komme aus der freien Wirtschaft.“
     Seiteneinsteiger in einem Großkonzern in Diskussion mit Vorgesetztem
 
 
„Für diesen Stuhl ist mir mein Hintern zu schade.“
     Neuer Kollege zum Chef
 
„Technik ist Glückssache.“
     Mein Chef zu einem Besucher, der sich dann indigniert als Diplom-Ingenieur outete
 
„Tubize or not Tubize, that’s the question.“
     Kollege, Verballhornung Hamlet-Zitat: Wettbewerber, der gelegentlich unterbot, hatte seinen Sitz in Tubize.
 
 
„Softlee, softlee catchee monkee.“
     Firmenseminar - Lehrer zum überhasteten Versuch eines Schülers
 
 
„The sun is shining, the birds are singing, and it’s good to be alive“.
     Englische Sprachschule - Lehrer zu missgestimmten Schülern
 
 
„He’s too eager to sell“.
     Britischer Marketing Manager auf die Frage nach den Fähigkeiten eines jungen Verkäufers (Prä-Thatcher-Zeit)
 
 
„And nothing to eat?“
     London - Ober im Frühstücksraum als ich nach durchzechter Nacht nur Toast, Butter und Jam bestellte.
 
 
"Oh, somebody must be taking a shower upstairs."
     London, Kensington Palace Hotel, Frühstücksraum. Restaurant-Chef beim Anblick eines Rinnsals, das aus der hohen Decke direkt auf einen gedeckten Tisch platschte.
 
 
„Think of the poor Indian children“.
     Indischer Einkäufer nach halbstündigem Feilschen und meiner Verweigerung weiterer Zugeständnisse.
 
 
„Hot and wet“
     Englischer Kollege zur Qualität meines selbst gebrauten Tees.
 
 
„L’art est inséparable de la vie.“
(Die Kunst ist vom Leben nicht zu trennen.)
     M. Küss, Kunstlehrer in Paris
 
 
„…pas de Nord-Africains, pas de noirs, pas de putains“.
(…keine Nordafrikaner, keine Schwarzen, keine Nutten)
     Anweisung meiner Hotel-Chefin an mich als Nachtportier (1962, OAS-Terror)
 
 
„Sois belle et tais-toi“
(Sei schön und schweige)
Aufforderung französischer Machos an ihre Frauen
 
„Chacun est le fils d’un père“
(Jeder ist der Sohn eines Vaters)
Burgund, Kundenbesuch. Besitzer der Firma G. Père et Fils zur unter den Umständen unpassenden Frage, ob er der Vater oder der Sohn sei.
 
„L’Ancien Régime était quand-même une belle chose »
(Das « Ancien Régime » [Absolutismus] war doch eine gute Sache)
Kollege (alter Adel) zu seinem kommunistischen Mitarbeiter
 
Hür ens Mattes, de Ieserühre dohinge”
        Für mich erste Bekanntschaft mit rheinischer Mundart
       
 
„Isch han keen Zick, dat flockt.“
Fabrikhof – Gestresster Auszubildender am ersten Arbeitstag zu einem störenden Kollegen.
(Aprilscherz - im blau gefärbten Wasser, das er transportiert, konnte nichts „flocken“.)
 
„Hätte ich Kinder, würde ich sie auf’s Kamener Kreuz zum Spielen schicken.“
Kollege (wohl nicht ernst gemeint)
 
„Die Haare wachsen auch während der Arbeitszeit.“
Neuer Kollege auf die Frage, warum man hier während der Arbeitszeit zum Friseur gehen könne (lang ist’s her)
 
„Bei schönen Frauen und edlen Pferden ist das Langhaar der schönste Schmuck.“
Antwort auf die Bitte einer Kollegin um Beurteilung ihrer neuen Frisur (brandrot gefärbte Stoppelhaare)
 
 
„Libelle, was bist du nur für ein Mensch!“
Schlimmer Vorwurf von Hufschmied „Krusen Hein“ an unruhiges Pferd
 
 
„Gute Frau, zwei Dinge müssen stehen ohne Einwirkung: Der Penis eines Mannes und ein Pferd beim Beschlagen.
    „Krusen Hein“
 
 
    „Würden Sie doch nur so viel von Autos verstehen wie von Pferden!“
            Genervter Kfz-Meister in meine Richtung
           
 
    „Ich will kein Hausfrauen-Tai Chi“
            Sifu Tomás Fernandez
 
„Sie haben aber eine jugendliche Aorta.“
        Jungärztin bei Ultraschall-Untersuchung meines rund 40-jährigen Bauches
 
 
„Morgens erste Pippi!“
        Therapievorschlag einer chinesischen Ärztin zum Haarausfall
 
 
„Wie in jedem Beruf gibt es auch in unserem Spitzenkönner, Mittelmaß und Kollegen von denen ich mir nicht einmal aqua destillata verschreiben lassen würde.“
            Medizin-Professor in einem Vortrag
 
 
„Romanik, wie es sich gehört.“
        Professor Wolff, zweiter Dombaumeister in Köln
 
 
„Wenn ich nach Beauvais fahre, frage ich mich, ob, wenn ich dort bin, wie lange der Chor noch steht.“
Professor Wolff, zum höchsten gotischen Gewölbe der Welt
 
 
Ruhestand
 
„Dann müssen Sie aber schlechte Lehrer gehabt haben.“
     Spanier nach meinem Geständnis, dass ich kaum seine Sprache spreche, obwohl ich 40 Jahre lang Unterricht hatte.
 
 
„Boah, 1700 Seiten für DM 2,50“
       Konstantin nach Bucheinkauf mit größerem Gutschein
 
„Warum habt Ihr eigentlich keine Kinder?“
       Konstantin nach unaufgefordertem präzisen Vortrag über Zeugung und Geburt
„Ja, hättest du uns das früher erklärt!“   
   Unsere Antwort
 
 
„Du verdienst das Geld und wir geben es aus.“
     Konstantin zu mir nach seiner Rückkehr mit Hausfrau und umfangreichen Einkäufen
 
 
„Das macht die Kraft, die in dem Hebel sitzt.“
    Konstantin nach dem Aushebeln einer Baumwurzel
 
 
„Die Tante Inge ist keine Gebärmutter.“
    Udo bringt seiner Mutter Erkenntnisse aus dem Sexualkunde-Unterricht nahe
 
 
„Es reicht, wenn du einmal pro Woche gehst“.
Sebastian: Nach den Versprechen seines kleineren Bruders in meine Richtung „Wenn du mal tot bist, besuche ich dich jeden Tag auf dem Friedhof.“




Zum Schmunzeln

Das Gedächtnis

 
Moritz nimmt ausnahmsweise die Einladung des Nachbarn an und plumpst in den Sessel neben ihm auf der sonnigen Terrasse. Er kommt vom Schwimmen, hat sich wohl verausgabt.
 
"Lass uns ein bisschen plaudern."
 
"Was ist plaudern?"Das Kind fragt mit dem Anflug eines Grinsens. Es weiß genau was gemeint ist. Ein Ritual.
 
Nach einer Weile geselligen Schweigens: "Gestern haben wir einen Ausflug gemacht".
 
"Mit dem Kindergarten?"
 
Moritz nickt. Das wird schwierig, merkt der Nachbar.
 
"Und, womit seid ihr gefahren? Mit der Bahn?"
 
"Ja"
 
"Wohin ging denn die Reise?"
 
Schweigen. Moritz wirft einen Blick hinüber, in dem sich Unverständnis und Unlust mischen.
 
"Na", ermuntert der Nachbar.
 
Moritz richtet sich im Sessel auf. "Hör mal. Ich bin schon sechs. Als ich noch vier war, wäre es mir eingefallen.
 
 
 
 
 
 




 

Zum Schmunzeln

Das Kaugummi

 

„Es zieht“, klagt Moritz, neben dem Nachbarn vorm PC sitzend.
 
Auf dem Monitor tanzen schwarze und weiße Autos Walzer auf einer großen Eisfläche. Der Clip ist gerade von einem Freund aus den USA gekommen, der seine überschüssige Zeit als Rentner mit der Suche nach solchen - immer ästhetischen – Bildern vergeudet.
 
Obwohl auch fasziniert, besteht der kleine Autofan auf seiner Beschwerde.
 
„Es zieht“! Sein Zeigefinger weist auf die linke untere Ecke zwischen Flügel und Rahmen des großen Velux-Fensters über dem Schreibtisch.
 
Und tatsächlich. Dort, kaum zu sehen, ist ein Löchlein, groß wie ein Stecknadelkopf. Unglaublich.
 
Gerade jetzt erscheint die Hausfrau und staunt auch. „Das hättest du doch bemerken müssen“, überreicht sie ihrer „besseren Hälfte“ die fällige Zigarre.
 
„Moritz, gibt doch mal dein Kaugummi.“
 
Das Kind guckt bekümmert hoch. Kaugummi gibt’s selten. Doch die Nachbarin meint es ernst, und brav überreicht er das Fäden ziehende klebrige Klümpchen. Mit spitzen Fingern wird es an die reklamierte Stelle befördert.
 
„Jetzt muss aber ein neues Fenster her“, mahnt die Hausfrau mit Nachdruck.
 
Nun ja, es ist wirklich an der Zeit.
 
Schon am nächsten Tag erscheint ein Handwerker in Arbeitskleidung, guckt sich die Sache an und verspricht ein Angebot.
 
„Macht der jetzt was?“, interessiert sich Moritz, immer zur Stelle, wenn Interessantes passiert.
 
„Ja, wir bekommen nächste Woche ein neues Fenster“, freut sich die Nachbarin.
 
Ein Hoffnungsschimmer geht über das Kindergesicht.
 
„Kann ich dann bitte mein Kaugummi zurück haben?“
 




 

Zum Schmunzeln

Die Alternative

 

Moritz ist sechs. Er kommt täglich für eine Stunde zu den Nachbarn, von denen ihn mehr als 70 Lebensjahre trennen.

Er schellt und huscht herein. Es ist kalt und regnerisch heute, langweilig also. Fernsehen ist tabu. Was tun?

Die Regale im Arbeitszimmer mit den vielen Büchern? Der Nachbar hat einige Male vergeblich versucht, aus seinen Schätzen vorzulesen oder Moritz für die bunten Bilder zu interessieren. Vergeblich. Der „Opa“ vermutet seufzend, dass das Kind seine Leidenschaft nie teilen wird. Man faltet ein Flugzeug aus Papier. Fliegt aber nicht gut im Treppenhaus. Unten im Wohnzimmer wird die übliche Höhle aus Esszimmerstühlen unter einer großen Decke konstruiert, in der Moritz, ausgerüstet mit Kissen und Taschenlampe verschwindet. Und dann beginnt eine längere Scheinsuchaktion bis ihm langweilig wird und er „Piep“ sagt.

Ein Kartenspiel - begeistert niemanden.

Da fällt der Nachbarin ein, sie will Kartoffelsalat machen. Moritz ist Feuer und Flamme. „Darf ich helfen?“

Dann, als das Werk gelungen und die Küche reif für eine Grundreinigung ist: „Kann ich auch Kartoffelsalat haben?“

Die Köchin nickt und scherzt, „Aber nicht so viel. Für Deinen alten Freund muss auch etwas übrig bleiben.“

Moritz sieht das nicht ein: „Der kann Bücher essen“.

 




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