lipprose Werner Nolte über mittelalterliche Architektur und Geschichte

Jahrhunderte

 

Chronologien Jahrhunderte

Das 12. Jahrhundert:

Byzanz

Die Dynastie der Komnenen beherrscht für rund 100 Jahre byzantinische Politik bis 1185. Alles in allem wird diese Zeit positiv gesehen.
 
Unter Alexios I. (1081-1118) werden die Normannen zurückgedrängt. Der Balkan und Teile  Kleinasiens kommen unter byzantinische Herrschaft  zurück. Der Kaiser hatte jedoch Ende des 11. Jahrhunderts Hilfe der westlichen (lateinischen) Christenheit gegen die Übermacht der moslemischen Seldschuken angefordert und damit ungewollt die Kreuzzüge ausgelöst mit für Byzanz am Ende katastrophalen Folgen.
 
Doch zunächst folgt im Jahre 1118 mit Johannes II. (1118-43) der größte Herrscher der Dynastie. Das Staatsgebiet wird, vor allem auf dem Balkan, weiter vergrößert. Das Reich gedeiht. Allerdings muss es den mächtigen italienischen Handelsstädten mehr Einfluss einräumen.
 
 
12jh17Mosaik - Kaiser Johannes II. Komnenos und Kaiserin Irene (Hagia Sophia, Istanbul) (Wikipedia, Josep Renalias)
 
 
Manuel I. (1143-80)  schafft mit der Heirat einer Prinzessin die Verbindung zu den Staufern mit denen er sich gegen die Normannen verbündet. Der westlich/lateinische Einfluss wächst.
 
Aus den Problemen des erfolglosen 2. Kreuzzugs (1147-49) gelingt es Manuel das Reich herauszuhalten. Er startet eine Offensive in Süditalien und gewinnt Gebiete auf dem Balkan zurück.
 
Dann aber bekämpft er brutal die zu mächtig gewordenen Venezianer im Land, kerkert 20.000 ein und bemächtigt sich ihres Vermögens. Die folgende finanzielle Krise schwächt die Armee. Alle Gebiete in Kleinasien gehen endgültig verloren, und mit dem Tod des Kaisers bricht die Herrschaft auf dem Balkan zusammen.
 
Es folgt ein Schreckensregiment, das den endgültigen Verfall einleitet. Die Normannen erobern Thessaloniki.
 
Die folgenden unbedeutenden Kaiser müssen die Seldschuken-Herrschaft über Kleinasien anerkennen.
 
Das 1000jährige, byzantinische Reich, mächtig, brutal, prächtig und korrupt ist am Ende. 1204 eroberten Venezianer und andere Kreuzfahrer auf dem 4. Kreuzzug die Hauptstadt Konstantinopel.
 
Es folgt ein kurzlebiges lateinisches Kaiserreich. Herrscher aus der geflohenen byzantinischen Kaiserfamilie eroberten Konstantinopel 1261 zurück. Das endgültige Ende kommt 1453 mit der Eroberung Konstantinopels durch das Osmanische Reich.*)
 
 
*) Leseempfehlung:
"Constantinople - The Last Great Siege 1453" by Roger Crowley
Deutsche Ausgabe "Konstantinopel Die letzte Schlacht"
 




 

Chronologien Jahrhunderte

Das 12. Jahrhundert:

Balten und Elbslawen

 

Slawenburg Groß Raden
St. Johanneskirche Riga (13. Jh. - Foto Inge Herrmann, Siegburg)

 

Die Balten

Anders als die Elbslawen werden die baltischen Völker mit dem römischen Christentum erst gegen Ende des 12. Jh. massiv konfrontiert.

 

Die deutsche Mission, zunächst friedlich und wenig erfolgreich, geht einher mit dem Handel. Auch die Dänen sind beteiligt.

Aber am Ende des 12. Jh. erleidet das Gebiet einen ersten - erfolglosen - Kreuzzug, der im folgenden Jahrhundert durch gewaltsame Eroberung abgelöst wird.

Die Elbslawen

Sie hatten schon im 10. Jh. trübe Erfahrungen mit christlicher Mission gemacht.

Auch im 12. Jh. gibt es keine umfassende politische Einheit in ihrem Gebiet. Nur der christliche Abodritenfürst Heinrich hatte in Ostholstein und Mecklenburg einen losen Staatenbund geschaffen, der nach seinem Tod 1127 zerfällt.

1147 beginnt mit dem sogenannten „Wendenkreuzzug“ eine neue Heimsuchung. Neben Hochadel und hoher Geistlichkeit sind Heinrich der Löwe und Albrecht der Bär die Schlüsselfiguren.

Mit ausdrücklicher Billigung des Papstes Eugen III. hatten sich Adel und hohe Geistlichkeit im gleichen Jahr dem misslungenem Kreuzzug Konrads III. ins Heilige Land mit Hinweis auf die Heiden vor ihrer Haustür entzogen, wohl wissend, dass in Palästina eher Verwundung und Tod warten als Reichtum und Land.

 

denkmal-svantevit
Modernes Denkmal des viergesichtigen Slawen-Hauptgottes Svantevit an der Seebrücke im Ostseebad Wustrow (Christine Dewerny)

Erst um 1160 gelingt es Heinrich dem Löwen das Gebiet der Abodriten und Wilzen unter dem Abodritenfürsten  Niklot zu erobern.

Nach Aufständen und Zwangstaufe erhebt Heinrich 1167 Pribislaw, den Sohn Niklots, zum Fürsten und Vasallen und damit zum Vater des mecklenburgischen Herzoggeschlechts.

 

Ende des Jahrhunderts fällt Mecklenburg für fast 50 Jahre unter dänische Herrschaft.




Chronologien Jahrhunderte

Das 12. Jahrhundert:

Ungarn, Polen, Russisches Reich

 

Ungarn Der ständige Kampf zwischen Hochadel und Krone, auf den Byzanz auf Seiten der Aristokratie Einfluss zu nehmen versucht, erreicht seinen Höhepunkt. Die Árpad-Dynastie setzt sich durch. Kroatien und Bosnien geraten zunächst unter ungarischen Einfluss. Ungarn wird neue Balkan- und Adriamacht. Erste Ansiedlung Siebenbürger Sachsen. Polen Zu Beginn des Jahrhunderts wird ein Angriff Heinrichs V. abgewehrt. Es scheitert der Versuch, die inneren Probleme durch eine neue Erbfolge (Senoriatserbordnung) zu beenden. Barbarossa interveniert erfolgreich. Ende des Jahrhunderts geht Pommern an Dänemark verloren. Es beginnt die Zuwanderung deutscher Ritter und Siedler. Das Russische Reich Streit der Fürsten um die Thronfolge und die andauernde Bedrohung durch das Reitervolk der Polowzer, schwächen das Reich und führen zum wirtschaftlichen Niedergang. Daran ändern auch einige militärische Erfolge gegen die Reiterkrieger nichts. Die Bedeutung Kiews verblasst. Neue Zentren gründen sich im Norden. Das gemeinsame Band von Kirche und Dynastie bleibt erhalten.

 




 

Chronologien Jahrhunderte

Das 12. Jahrhundert:

Iberische Halbinsel

 

Standbild des Averroes, Philosoph und Leibarzt am Almohaden-Hof (1126-1198)
 

Mitte des Jahrhunderts werden die Almoraviden durch Aufstände aus „al-Andalus“ vertrieben, aber wenig später unterwerfen die Almohaden, ebenfalls eine fundamentalistische Berbersekte, das islamische Spanien erneut.

 

Die Expansion der christlichen Königreiche wird durch die Berberinvasionen gebremst. Die Herrscher schwächen ihre Reiche durch Erbteilungen. Provinzen werden durch Heiraten verschoben.
 
 
Synagoge Ibn Shushan, Toledo (heute Santa Maria Blanca, um 1180)
 
 
Die Almohaden schlagen 1195 König Alfons VIII. von Kastilien, werden aber 17 Jahre später durch vereinigte Heere der christlichen Königreiche besiegt und geben die iberische Halbinsel auf.
 
Die Reconquista wird nun als Kreuzzug betrachtet. Es entstehen verschiedene Ritterorden auch zur Grenzsicherung.
 
1139 spaltet Graf Alfonso nach Siegen über die Mauren Portugal von Kastilien ab und läßt sich als König Alfonso I. ausrufen. 8 Jahre später erobert er Lissabon.

 




 

Chronologien Jahrhunderte

 

Das 12. Jahrhundert:

Skandinavien

 

Mit König Sverker (1130-1156) folgt in Schweden der Stenkil-Dynastie ein neues regierendes Geschlecht, das der Sverkir. Nach Sverkers Ermordung und einer kurzen Periode schnell wechselnder Nachfolger, kommt 1167 König Knut I. an die Macht, die er erst kurz vor der Jahrhundertwende verliert.

 

Olsker Wehrkirche, Bornholm, Dänemark
 

Er läßt Münzen schlagen und schließt einen Handelsvertrag mit Heinrich dem Löwen. Unter dem Einfluß der deutschen Osterweiterung werden eine Reihe von Städten gegründet. Deutsche Städte beginnen um 1160 mit dem Gotlandhandel.

 

In Lund, das damals zu Dänemark gehörte, wird nach der Erhebung zum Erzbistum ein großer Dom gebaut, der größte Skandinaviens, geweiht 1145. Damit ist die Abhängigkeit vom Erzbistum Bremen-Hamburg beendet.

 

Magnus, einer der weniger bedeutenden Könige aus der ersten Hälfte des Jahrhunderts, muß nach einem verlorenen Feldzug Kaiser Lothar III. huldigen. 1157 beginnt mit Waldemar I., dem Großen, eine Zeit der inneren Konsolidierung und Expansion nach außen.

 

Er bekämpft mit Heinrich dem Löwen die Westslawen und erobert das von Ranen bewohnte Rügen. Dänemark wird durch den Bau von Festungen gesichert. Waldemar huldigt Kaiser Friedr. I., Barbarossa.

 

Stabkirche Borgund, Norwegen
 

Einen großen Bauernaufstand gegen die Einführung des Zehnten schlägt er nieder. Ab 1182 setzt sein Sohn Knut IV. die Politik des Vaters fort. Er unterwirft Pommern und einen Teil Mecklenburgs.

 

In Norwegen übernehmen nach dem Tod Königs Magnus Barfuß seine drei Söhne gemeinsam die Herrschaft. König Sigurd fährt 1107 mit angeblich 60 Schiffen ins Heilige Land, um die Kreuzfahrer zu unterstützen.

 

Es folgen jahrzehntelange Unruhen. Kleinkönigreiche stehen wieder auf, bis ein fünfjähriger Enkel Sigurds als Magnus V. Erlingsson in 1162 den Thron besteigt.

 

Er wird 1184 durch Sverre Sigurdsson abgelöst, der ihn in einer Seeschlacht besiegt. Gegen den Widerstand der Kirche wird er 10 Jahre später gekrönt. Das Land wird durch Reformen im Inneren gestärkt, die nationale Einheit wieder hergestellt.

 




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